So., 12.08.2018

Anna von Mangoldts Weg von der kreativen Studentin zur gefragten Unternehmerin Jeder Pinselstrich eine Liebeserklärung

Ob Wände, Tische oder Stühle: Anna von Mangoldt liebt es durch farbliche Kompositionen Räume zu verändern und zu gestalten wie hier mit ihren Kreidefarben.

Ob Wände, Tische oder Stühle: Anna von Mangoldt liebt es durch farbliche Kompositionen Räume zu verändern und zu gestalten wie hier mit ihren Kreidefarben.

Von Sarah Schünemann

Nieheim (WB). Die Wände sind in einem sanften Blau gehalten. Ein Blumenstrauß auf dem Tisch leuchtet in Lila, Blau und Rosa – er fügt sich den Tönen der gestrichenen Holzmöbel. Mitten im Raum steht Anna von Mangoldt. Sie erzählt, wie sie es geschafft hat, ihre Liebe zu Farben zum Beruf zu machen.

Die 32-Jährige ist in Holzhausen aufgewachsen, dem Dorf, in dem ihr eigenes Unternehmen heute seinen Sitz hat. »Irgendwie bin ich einfach ein ostwestfälisches Mädchen«, sagt sie und streicht über die Mustertapete, die vor ihr liegt. Schon als Kind hat sie es geliebt, mit ihrer Mutter die eigenen Räume zu dekorieren und einzurichten. »Ich glaube das macht sie schon seit sie vier Jahre alt ist«, erinnert sich ihre Mutter, Christina von Mangoldt. Anna von Mangoldt ist mit vier Geschwistern aufgewachsen. Zusammen sind sie früh mit Einrichtungs-Büchern losgezogen und haben sich Farben nach ihren Vorstellungen mischen lassen. »Aber irgendwie sind die Töne an der Wand nie geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Sie lagen einfach immer einen Tick daneben«, erzählt sie aus der Erinnerung.

Farbenliebe aus England

Zum Studieren ging die 32-Jährige, die der Liebe wegen gerade in Düsseldorf wohnt, nach England. Ihre Fächer waren Geschichte und Kunstgeschichte. Aber immer wenn sie Zeit hatte, verbrachte sie diese in dem Atelier von Annie Sloan, einer Künstlerin, die ebenfalls ihre eigenen Farben vertreibt. »Ich habe unzählige Möbel angemalt und meine ersten eigenen Mischversuche unternommen – einen Löffel hiervon, zwei Löffel davon. Ich dachte damals, dass es so funktioniert«, bemerkt sie und lacht.

In England hat sie auch ihre Liebe für Kreidefarben entdeckt, die jetzt ein wichtiger Bestandteil ihrer eigenen Kollektionen sind. »Damit kann ich meine Ideen richtig umsetzen. Die Farbe reflektiert anders und ist dicker, so dass sie gut deckt«, beschreibt sie. Die Qualität ist dabei maßgeblich für die Ausstrahlung an der Wand. Neben der Kreideemulsion gibt es aber noch einige weitere Wand- und Möbelfarben. Alle mit dem gleichen Anspruch hergestellt: Qualitativ hochwertig, deckend und farbecht.

Von Scampolo und Belgien

Anna von Mangoldt hat schnell gemerkt, dass sie die englische Farbpalette in Deutschland nicht übernehmen konnte und begann deshalb, sich mit eigenen Tönen und Kreationen zu beschäftigen. Bei einem belgischen Hersteller fand die Unternehmerin 2010 schließlich, nach langem Suchen in Deutschland, Anklang. Die Produktion der ersten Kollektion mit etwa 130 Farbtönen startete. »Eine Lieblingsfarbe habe ich aber trotzdem: Scampolo, ein Aquaton«, sagt sie. Aber sie lerne auch immer wieder neue Farben kennen und schätzen. »Je länger ich dabei bin, desto mehr Lieblingskombinationen habe ich. Aber das ist, glaube ich, ganz normal«, ergänzt von Mangoldt.

Zweites Standbein

In Warburg, dem zweiten Standort der Firma, an dem heute zwei feste Mitarbeiter und nach Bedarf ein oder mehrere Aushilfen tätig sind, stand damals eine Mischmaschine. »Das war eigentlich mehr Improvisation, wenn ich heute darüber nachdenke. Damals fühlte es sich aber schon sehr professionell an«, erinnert sie sich und muss dabei schmunzeln.

Die ersten drei Jahre seien sehr tough gewesen. Sie begann mit ihrer Mutter, die selber eine Liebe für Inneneinrichtung hat, Workshops und Farbberatungen zu geben. Seit 2013 wächst das Unternehmen stetig. Mittlerweile läuft die Produktion und Logistik über eine Fabrik in Langenlonsheim in Rheinland-Pfalz. »Dadurch bleiben für mich die Aufgaben, die mir wirklich Spaß machen: Marketing, Farbberatung und vor allem der geschäftliche Teil. Das Kreative sowie die Unternehmensführung stehen jetzt im Vordergrund«, betont die 32-Jährige, die ihre eigenen Marketing-Ideen entwickelt und manchmal als Model sogar Teil der Kampagnen ist.

Mittlerweile verkauft Anna von Mangoldt ihre hochwertigen Farben bei etwa 170 Händlern – und natürlich auch online. »Das ist praktisch. Darüber können sich Kunden beispielsweise auch Mustertapeten leihen«, erklärt die 32-Jährige. Das erleichtert vieles. Das große Problem: »Die Internetverbindung ist insbesondere in Holzhausen sehr schlecht – und für die Arbeit an der Homepage oder Home-Office-Arbeiten ist eine schnelle Internetleitung essenziell. Da gibt es auf dem Land definitiv noch Nachholbedarf«, weiß die junge Unternehmerin. Ansonsten sehe sie viele Vorteile für einen Wirtschaftsstandort in Ostwestfalen-Lippe: Ruhe für die Konzentration, Raum für die Kreativität, Platz zum Atmen – und natürlich kostengünstige Räumlichkeiten.

Keine weißen Wände mehr

Schon als Kind hat Anna von Mangoldt in Bildern immer einen ganzen Hintergrund gemalt, wo andere nur eine Sonne auf weißem Papier hinterließen. »Wenn ich darüber nachdenke, scheint es irgendwie schon immer in mir gewesen zu sein – die Begeisterung für Farben und Gestaltung«, resümiert die Farbexpertin, »ich meine: die schönsten Möbel wirken nicht richtig auf einem weißen Hintergrund und der ist meine Priorität.« Sie finde es schade, dass es in deutschen Wohnungen und Häusern selten einen neuen Anstrich gebe.

»Aber bevor man sich ein neues Sofa kauft, kann auch erst der Raum farblich gestaltet werden: neue Kissen, Dekoration und Wandfarben können die Atmosphäre vollkommen verändern«, weiß die Unternehmerin aus Erfahrung, denn ihre Arbeit entspringt oft ihrer Praxis. Neue Farben entstehen beispielsweise dann, wenn bei einem Kundenprojekt ein bestimmter Ton in ihren Kollektionen fehlt.

»Mein Wunsch für die Zukunft: weniger weiße Wände in unseren Wohnzimmern. Das ist auch einfach ein großes Stück Lebensqualität«, sagt sie.

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