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Do., 16.03.2017

Ausverkauf eines Herrenhauses bei Sotheby’s und Mars – Neuer Schlossherr steht fest Thienhausen-Schätze unterm Hammer

Ein Ort der deutschen Literatur-Geschichte: In diesem Turmzimmer von Schloss Thienhausen hat der Dichter Friedrich-Wilhelm Weber sein Epos »Dreizehnlinden« geschrieben. Weber lebte mit Familie 20 Jahre in Thienhausen, zog dann nach Nieheim. Der bekannte Weber-Turm im Schloss ist heute ausgeräumt.

Ein Ort der deutschen Literatur-Geschichte: In diesem Turmzimmer von Schloss Thienhausen hat der Dichter Friedrich-Wilhelm Weber sein Epos »Dreizehnlinden« geschrieben. Weber lebte mit Familie 20 Jahre in Thienhausen, zog dann nach Nieheim. Der bekannte Weber-Turm im Schloss ist heute ausgeräumt.

Von Michael Robrecht

Steinheim/Rolfzen (WB). Das prächtige Wasserschloss Thienhausen hat in einem weiteren Anlauf endgültig einen neuen Eigentümer gefunden. Der Verkauf der Weserrenaissance-Perle von 1609 sei bereits beurkundet, sagte Gabor Kaufhold, Auktionator der Westdeutsche Grundstücksauktionen AG in Köln.

Der erste Gewinner der Auktion im Januar hat den Kaufpreis von 270 000 Euro nicht überwiesen und so ging das alte Haxthausen-Schloss – bis auf 5000 Quadratmeter gehört kein Land mehr zur Immobilie – an den Interessenten mit dem zweithöchsten Angebot. Die Identität des neuen Schlossherrn ist noch geheim. Gerüchte, der erste Bieter wolle aus dem Landsitz unbemerkt ein rechtsextremes Zentrum machen, entpuppten sich als Spekulation. Das Kölner Auktionshaus kommentierte die Vorgänge um Auktion und Käufer nicht.

 

Alteigentümer Christian von Haxthausen hat das Schloss-Inventar bei den Auktionshäusern Sotheby’s London, Mars Würzburg und Van Ham Köln anbieten lassen. Die zweiflügelige Wasserburg war zwar seit dem Großbrand 1905 nicht mehr bis unter das Dach mit Kunstgegenständen und Möbeln zugestellt, aber die Zahl der Kunstgegenstände derer von Haxthausen, die auf den internationalen Markt kamen und den Kreis Höxter für immer verließen, war nicht unbedeutend. Weitere Versteigerungen folgen.

Hochstift-Heimatgebietsleiter Horst D. Krus aus Bellersen ist persönlich zur Mars-Auktion nach Würzburg gefahren und hat ein 100 mal 75 Zentimeter großes Portraitbild des Paderborner Fürstbischofs Wilhelm Anton von der Asseburg günstig ersteigert. »Das hängt jetzt über meinem Sofa«, verriet Krus. Er habe auch alle Kataloge aus dem Internet heruntergeladen und wisse jetzt, was aus Thienhausen herausgegangen sei. Ein weiteres Bild, das des Hildesheimer Domherrn von Haxthausen, sei vom Altertumsverein Paderborn gekauft worden.

Und dann war da noch jenes Sofa aus der Napoleonzeit, dass in London unter den Hammer kam und 5800 Euro erlöste. Unklar sei laut Horst Krus, ob es sich tatsächlich um ein Möbelstück des Westfalenkönigs Jerome handele oder um ein Biedermeiersofa von 1830 oder gar um ein Sitzmöbel von Kaiser Napoleon III. aus dessen Zeit als Staatsgefangener auf Schloss Wilhelmshöhe in Kassel 1871.

Lesen Sie den Hintergrund-Bericht in der Freitagsausgabe, 17. März

 

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