Do., 28.09.2017

Ausgrabung der Holsterburg geht im November zu Ende Nicht alle Rätsel gelöst

Archäologe Kim Wegener (links), Grabungsleiter an der Holsterburg, und sein Chef, der Leiter der Mittelalterarchäologie beim LWL, Dr. Hans-Werner Peine, vor der Burgruine, die seit 2010 ausgegraben und erforscht worden ist.

Archäologe Kim Wegener (links), Grabungsleiter an der Holsterburg, und sein Chef, der Leiter der Mittelalterarchäologie beim LWL, Dr. Hans-Werner Peine, vor der Burgruine, die seit 2010 ausgegraben und erforscht worden ist. Foto: Ulrich Schlottmann

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). Nach acht Jahren geht die Ausgrabung der Holsterburg bei Warburg jetzt ihrem Ende zu. Das Fazit der Archäologen ist nach den Worten von Dr. Hans-Werner Peine, Leiter der Mittelalterarchäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, »uneingeschränkt positiv«.

Der Standort der 1294 zerstörten Holsterburg war nicht unbekannt. Ein mit Gestrüpp überwucherter Erdhaufen in der Feldgemarkung zwischen Warburg und Calenberg erinnerte an das mittelalterliche Bauwerk, dessen Existenz auch im Warburger Stadtarchiv nachweisbar ist.

Die 2010 begonnene Ausgrabung förderte dann aber sehr bald eine Sensation zutage: Die Holsterburg war nicht – wie vermutet – eine Holzburg, die auf dem Erdhügel stand, sondern eine in stauferscher Architektur errichtete Acht­eckburg – eine der ganz wenigen in Europa. »Diese Entdeckung hat die Fachwelt seinerzeit elektrisiert«, sagt Grabungsleiter Kim Wegener. Aus ganz Europa seien Fachkollegen in den vergangenen Jahren nach Warburg gereist, um sich dieses bemerkenswerte Bauwerk anzusehen.

Ab November winterfest verpackt

Einige Wochen gehen die Ausgrabungsarbeiten noch weiter, bevor die Holsterburg Ende November winterfest mit stabilen Folien abgedeckt wird. Der Warburger Stadtrat hat dann bis zum Frühjahr Zeit zu überlegen, ob die Burg dauerhaft zu sehen sein soll, oder ob sie wieder unter einem Erdhügel verschwinden soll.

Chefarchäologe Hans-Werner Peine hat für 2018 bereits Landesmittel beantragt, um die Burgruine wieder mit Erde abzudecken und sie damit konservatorisch zu erhalten. »Die Gelder können aber leicht umdirigiert werden, sollte sich die Stadt dafür entscheiden, die Holsterburg erlebbar zu machen«, sagt Peine, der keinen Hehl daraus macht, dass er eine solche Lösung begrüßen würde.

»Alles ist komplett dokumentiert«

Für die Archäologie sei die Arbeit allerdings mit dem Ende der diesjährigen Grabungskampagne abgeschlossen. »Alles ist komplett dokumentiert, von der Handzeichnung über die Fotografie bis zum 3-D-Laserscan«, sagt Hans-Werner Peine. »Es ist die am besten dokumentierte Burg in Westfalen.«

Der Archäologe rechnet damit, dass es nach dem Ende der Ausgrabung noch gut zwei Jahre dauern wird, bis alle Daten ausgewertet sind. Weitere zwei Jahre werde es dann brauchen, eine Publikation zu erstellen.

Nicht alle Geheimnisse preisgegeben

Aber hat die Holsterburg in den sieben Jahren ihrer Ausgrabung alle Geheimnisse preisgegeben? »Eine Grabung, die keine Fragen offen lässt, ist gelogen«, sagt Hans-Werner Peine. »Wir können vieles sicher belegen, anderes ist noch vage und wird es vielleicht sogar bleiben.« Kim Wegener setzt darauf, dass bei der Auswertung der erfassten Daten »noch einige Fragezeichen in Ausrufezeichen verwandelt werden können«.

Dass die Holsterburg 1294 von Warburg und verbündeten Städten zerstört worden ist, weil ihnen die Herren von Berkule wegen ihres raubritterischen Gehabes ein Dorn im Auge waren, ist im Stadtarchiv belegt, aber wann der aufwendige Prachtbau errichtet worden ist, steht nicht mit letzter Sicherheit fest. »1170 plus minus zehn Jahre», sagt Kim Wegener. Festgemacht wird diese Zahl an Keramikfunden, die sich relativ genau datieren lassen.

Altersbestimmung ist schwierig

Der Fund einer Silbermünze ließ die Archäologen hoffen, den Baubeginn exakter bestimmen zu können. »Doch wir wurden enttäuscht«, so Hans-Werner Peine. »Nach Auskunft eines Numismatikers war diese Münze über Jahrhunderte im Umlauf«.

Die Altersbestimmung eines Holzbalkens, der in einem Brunnenschacht gefunden wurde, wird die Forscher ebenfalls wohl nicht viel weiterbringen. »Dieser Balken könnte auch aus einer späteren Bauphase stammen«, so der Chefarchäologe.

Auch die bemerkenswerte Heißluftheizung gibt noch Rätsel auf: So sind zwar Heizungskanäle mit deutlichen Feuerungsspuren entdeckt worden, nicht aber der Feuerungsraum. »Es könnte also sein, dass diese Heizung gar nicht funktionstüchtig existiert hat und die Feuerspuren von Bränden in der Burg stammen«, sagt Kim Wegener.

3-D-Modell ist in Vorbereitung

Gebrannt hat es in der Holsterburg im Verlauf ihrer gut 120-jährigen Geschichte mehrfach. Das ist vermutlich auch ein Grund für mehrere Umgestaltungen der Innenbebauung. Herausgefunden haben die Archäologen auch, dass die Burg mindestens zweimal kriegerischen Auseinandersetzungen ausgesetzt war, einmal 1294 und einmal kurz nach der Errichtung. »Die ersten Beschussspuren sind mit dem gleichen Mörtel beseitigt worden, der auch an der Außenfassade verwendet wurde«, erklärt Kim Wegener.

Auf die Beantwortung der spannenden Frage, wie die Holsterburg im 12./13. Jahrhundert ausgesehen hat, müssen alle Interessierten noch bis September 2018 warten. Dann soll bei der archäologischen Bundesausstellung in Berlin ein auf Grundlage des 3-D-Scans erstelltes Modell der Burg erstmals gezeigt werden. »Vorher wird noch nichts verraten«, sagt Hans-Werner Peine.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5186578?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516019%2F