So., 31.12.2017

Alte Kennzeichen stecken an 630.000 Fahrzeugen in NRW Heimat am Auto

Ulla Glahe (vorn) sowie (hinten von links) Karl Glahe, Rainer Wester, Felix Witte, Adriaan Rhijnsbur, Bernhard Löper und Heinz-Peter Wolff wünschten sich die Wiedereinführung des BÜR-Kennzeichens. Im November 2014 war ihre Freude groß.

Ulla Glahe (vorn) sowie (hinten von links) Karl Glahe, Rainer Wester, Felix Witte, Adriaan Rhijnsbur, Bernhard Löper und Heinz-Peter Wolff wünschten sich die Wiedereinführung des BÜR-Kennzeichens. Im November 2014 war ihre Freude groß. Foto: Besim Mazhiqi (Archiv)

Von Dietmar Kemper

Paderborn/Warburg/Düsseldorf (WB). AH, BÜR, KK: Mit sogenannten Altkennzeichen sind in Nordrhein-Westfalen 630.000 Fahrzeuge unterwegs, wie das Verkehrsministerium mitteilte.

Seit 2012 dürfen Kommunen mit althergebrachten Kennzeichen diese wieder zulassen. Von den 28 dafür infrage kommenden Kreisen und kreisfreien Städten mit 40 älteren Kennzeichen entschieden sich nach Angaben des Ministeriums 21 für eine Wiedereinführung.

Besonders beliebt in Bocholt

Besonders viele Altkennzeichen (72.887) sind an Autos und landwirtschaftlichen Fahrzeugen im Kreis Borken montiert. AH erinnert dort an den Kreis Ahaus, BOH an die Stadt Bocholt. Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) wertet die Verwendung solcher Kennzeichen als Heimatverbundenheit: »Es zeigt, dass sich die Menschen stark mit ihrer Heimat identifizieren.«

4696 BÜR-Kennzeichen

Im Regierungsbezirk Detmold entschied sich nur der Paderborner Kreistag im November 2014 für die Wiedereinführung des Kennzeichens BÜR für den Altkreis Büren. Erst hatten die Politiker Bedenken, verwiesen auf die »identitätsstiftende Wirkung« des Kennzeichens PB, aber dann schwächte eine Gesetzesänderung auf Bundesebene ihre Argumentation.

Demnach kann zum Beispiel ein Hesse, der nach NRW zieht, sein Kennzeichen mitnehmen. So hatte die Bürgerinitiative »BÜR – sei dafür« am Ende Erfolg. Das Thema habe die Menschen bewegt, sagte die Sprecherin des Kreises Paderborn, Michaela Pitz: »Wir haben sehr viele Anfragen bekommen, es gibt den Trend zur Individualisierung des Fahrzeugs.«

Das kann über Zahlenkombinationen mit Hochzeits- und Geburtsdaten erfolgen oder durch den Verweis auf den Ort, aus dem jemand kommt. Im August dieses Jahres wiesen im Kreis Paderborn 4696 Fahrzeuge ein BÜR-Kennzeichen auf. Was die Halter als Bekenntnis zur Heimat empfinden, verspotten die Gegner von angeblicher Provinzialität und übersetzen BÜR böse mit »Bauern überholen rechts«.

WAR zweimal abgelehnt

Ein Politikum war die Diskussion über Altkennzeichen im Kreis Höxter. Dort forderte in Warburg eine Initiative die Rückkehr zum WAR-Kennzeichen. Als Munition diente ihr das Verhalten der benachbarten Landkreise Waldeck-Frankenberg und Kassel, wo wieder die alten Kennzeichen eingeführt wurden.

Gegen das Votum der Stadt Warburg lehnte der Kreistag Höxter die Rückkehr zu WAR aber zweimal ab, zuletzt im April 2015. Politiker fürchteten, das ohnehin schon schwierige Zusammenwachsen der Kommunen im Kreis Höxter könnte dadurch gefährdet werden.

Bei der kommunalen Gebietsreform in den 70er Jahren war der Altkreis Warburg dem Kreis Höxter zugeschlagen worden – und nicht, wie von den Warburgern mehrheitlich gewünscht, Büren oder Paderborn.

Auch im Kreis Gütersloh wurden ähnliche Initiativen abgelehnt.

Heimatbewusstsein

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf will das Heimatbewusstsein stärken. Gerade erst verschickte das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung mit Ina Scharrenbach (CDU) an der Spitze einen Erlass an die Bezirksregierungen, der Zusatzbezeichnungen – etwa auf Plattdeutsch – auf Ortsschildern erlaubt.

Außerdem ernannte das Ministerium gut 30 Prominente wie Heino zu »Heimatbotschaftern«. Sie schildern ihre Verbundenheit zu Nordrhein-Westfalen. »Heimat sind die unsichtbaren Wurzeln, die jeder von uns in sich trägt. Diese gilt es zu stärken«, meint Ministerin Scharrenbach. Einige verbinden mit dem BÜR-Kennzeichen Heimat.

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