So., 31.12.2017

Josef Kemper erhält diamantenen Meisterbrief Schuhmacher aus Leidenschaft

Der letzte Schuhmacher in Scherfede, Vinzenz Prott (links), gratuliert Else und Josef Kemper. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Franz Allerkamp (2. von rechts) und Innungsobermeister Bernhard Schwemmer (rechts) überreichen den diamantenen Meisterbrief.

Der letzte Schuhmacher in Scherfede, Vinzenz Prott (links), gratuliert Else und Josef Kemper. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Franz Allerkamp (2. von rechts) und Innungsobermeister Bernhard Schwemmer (rechts) überreichen den diamantenen Meisterbrief. Foto: Hoffmann

Warburg (WB/aho). Er ist ein Schuhmacher aus Leidenschaft und übt sein Handwerk in der vierten Generation aus. Josef Kemper bekam aus der Hand des Obermeisters der Schuhmacherinnung, Bernhard Schwemmer, und dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Brakel, Franz Allerkamp, nun den diamantenen Meisterbrief überreicht.

»Ich freue mich riesig, dass ich das erleben darf. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist eine seltene Ehrung«, sagte Schuhmachermeister Josef Kemper aus Warburg-Scherfede bei der Überreichung des diamantenen Meisterbriefes in dem Hotel Gasthof Rose. Statt sich nun von allen loben zu lassen, ergriff er gewohnt routiniert das Wort und lobte seine Gäste. Franz Allerkamp bezeichnete er als den »lebenden Computer der Handwerkerschaft« und als guten Freund der kleinsten Innung der Schuhmacher. »Paul ist stets unser guter Geist gewesen und Maria, die 24 Jahre in unserem Geschäft angestellt war, war immer überaus genau«, war er voll des Lobes für seine ehemaligen Mitarbeiter.

»60 Jahre sind eine lange Zeit, aber mit Lehr- und Gesellenjahren bist du nun schon 67 Jahre im Beruf«, sagte Bernhard Schwemmer. Der Obermeister der Schuhmacherinnung hatte vor zehn Jahren bereits den goldenen Meisterbrief an den nun 83-jährigen Kemper übergeben. »Vielen Dank für deinen Einsatz und die guten Jahre der Zusammenarbeit und weiterhin Gesundheit und Wohlergehen«, wünschte Geschäftsführer Franz Allerkamp. Für Ehefrau Else Kemper gab es zur Stärkung eine Flasche »Hans Sachs Schuhmachertropfen«.

Bereits der Urgroßvater hatte das Schuhmacherhandwerk erlernt

Bereits der Urgroßvater von Josef Kemper hatte das Schuhmacherhandwerk erlernt, war ein Sangesbruder und stand in Briefkontakt mit dem bekannten Priester und gelernten Schuhmacher Adolph Kolping. Er nannte seinen Sohn Josef und dieser wurde ebenfalls Schuhmachermeister und Mitbegründer der Spar- und Darlehnskasse. Dann wurde der dritte Josef geboren, der die Familientradition fortführte, aber auch politisch sehr engagiert war.

Die Mitgliedschaft in der Kolpingsfamilie, die Liebe zum Gesang und das Geschick und die Leidenschaft für das Handwerk waren dem 1934 in Scherfede geborenen Josef Kemper also in die Wiege gelegt. Er absolvierte seine Lehre im väterlichen Betrieb, lernte dann in der Orthopädie bei Norbert Borghoff in Bredelar und begann nach der Gesellenprüfung eine Weiterbildung im sogenannten Bodenbau beim damaligen Landesobermeister Otto Siebelhoff in Dortmund.

Meisterprüfung am 30. Dezember 1957 in Bielefeld

Seine Meisterprüfung bestand er am 30. Dezember 1957 in Bielefeld mit der Note gut. Zwei Jahre später starb sein Vater mit nur 57 Jahren an Krebs. Der junge Meister Josef Kemper übernahm das Geschäft. 1962 heiratete er Else Kemper und das Paar bekam drei Söhne. Im Jahr 2000 musste er alters- und krankheitsbedingt sein Geschäft schließen. »Ich habe das mit Tränen in den Augen getan«, sagte Josef Kemper, »aber die Schusterwerkstatt ist als Klönstube immer noch stundenweise geöffnet.«

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