Mi., 03.01.2018

Warburger Rat muss im Frühjahr über die Holsterburg entscheiden Stadt wartet auf Gutachten

Die mit Folien abgedeckte Ruine der Holsterburg erinnert derzeit an ein Werk des Verpackungskünstlers Christo.

Die mit Folien abgedeckte Ruine der Holsterburg erinnert derzeit an ein Werk des Verpackungskünstlers Christo. Foto: Ulrich Schlottmann

Von Ulrich Schlottmann

Warburg (WB). In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, ob die Ruine der Holsterburg nach dem Abschluss der Erforschung ganz oder teilweise sichtbar bleibt oder ob sie wieder unter einen Erdhügel verschwindet. Grundlage für diese Entscheidung, die der Warburger Stadtrat in diesem Frühjahr fällen muss, soll ein Gutachten sein, das Bürgermeister Michael Stickeln für den Januar erwartet.

Konservierung der Ruinie kostet rund 250.000 Euro

Prof. Dr. Erwin Schwing von der Hochschule Karlsruhe hatte der Stadt bereits im vergangenen Jahr eine Machbarkeitsstudie geliefert. Das Fazit lautete: Es ist möglich, die Ruine so zu konservieren, dass sie dauerhaft sichtbar bleiben kann und damit auch für Besucher erlebbar ist.

Die Sache hatte allerdings einen Haken: Als Kosten veranschlagte Prof. Schwing rund 180.000 Euro. Hinzu kämen noch Aufwendungen für Grunderwerb, Zuwegung, Parkplatz und Hinweistafeln, so dass Bürgermeister Michael Stickeln die Gesamtkosten auf rund 250.000 Euro hochrechnete.

Abgespeckte Version als Alternative

Weil das nach seiner Ansicht den Rahmen der Möglichkeiten der Stadt gesprengt hätte, bat der Bürgermeister den Karlsruher Wissenschaftler um eine abgespeckte Version seiner Expertise. Dieses Gutachten war schon für den Herbst vergangenen Jahres zugesagt worden, Prof. Schwing konnte aber nicht termingerecht liefern, weil er nach einem schweren Verkehrsunfall wochenlang außer Gefecht gesetzt war.

Wie diese abgespeckte Version aussehen wird, ist derzeit noch offen. Dr. Hans-Werner Peiner, Leiter der Mittelalterarchäologie beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, unter dessen Federführung die Achteckburg in den vergangenen acht Jahren ausgegraben und erforscht worden war, hatte zuletzt sogenannte archäologische Fenster ins Gespräch gebracht.

So könnten nach seinem Vorschlag ein Teil der aufwendigen Fassade und ein Innenraum so konserviert werden, dass sie dauerhaft sichtbar bleiben, ohne durch Witterungseinflüsse Schäden zu erleiden. Der Rest der Ruine würde dann wieder mit Erde abgedeckt

Holsterburg kann auch teilweise erlebbar bleiben

Peine würde es nach eigener Aussage sehr begrüßen, wenn die Holsterburg zumindest teilweise erlebbar bleiben würde, hat aber zugleich klargestellt, dass der Landschaftsverband dies finanziell nicht leisten könne. »Unsere Arbeit vor Ort ist mit dem Abschluss der Erforschung und Dokumentierung seit November 2017 erledigt. Ob die Ruine sichtbar bleiben soll, muss die Stadt entscheiden«, stellt der Archäologe klar.

Peine teilte auf Anfrage mit, dass er für 2018 Mittel beantragt hat, um die Holsterburg wieder vollkommen mit Erde abzudecken. »Sollte sich die Stadt für die Sichtbarmachung entscheiden, wäre es aber kein Problem, diese Mittel wieder umzuleiten«, sagte Peine dem WESTFALEN-BLATT. Einstweilen sei die Burg durch die Plastikabdeckung ausreichend geschützt.

Warburger Rat entscheidet im Frühjahr über die Holsterburg

Wie sich die Stadt entscheiden wird, ist nach den Worten des Bürgermeisters noch offen. »Das muss auf der Grundlage des neuen Konzeptes und der Kostenschätzung von Prof. Schwing politisch entschieden werden«, teilte Stickeln auf Anfrage mit. Wenn der Kostenrahmen vertretbar sei, werde er sich dafür einsetzen, zumindest Teile der Ruine dauerhaft zu präsentieren.

Vorsichtshalber habe er bereits einen Betrag von 60.000 Euro in den Haushaltsplanentwurf 2018 einstellen lassen. »Ich könnte mir vorstellen, dass wir solch ein Vorhaben über zwei Haushaltsjahre stemmen könnten – wenn es denn politisch gewollt ist«, so der Bürgermeister. Die Entscheidung müsse bis zum Frühjahr fallen.

Stickeln hält es für möglich, weitere Finanziers mit ins Boot zu holen, beispielsweise die NRW-Stiftung und die Denkmalstiftung: »Dazu müssen wir aber selbst erst mal wissen, was wir wollen, und dann ein Konzept vorlegen.«

Wegen der großen geschichtlichen und touristischen Bedeutung der Holsterburg, würde er sich sehr wünschen, dass das Vorhaben gelingt. »Zweifellos haben wir damit einen großen Schatz in unserer Stadt«, sagte Stickeln. Das werde noch einmal deutlich werden, wenn die 3-D-Rekonstruktion der Burg bei der archäologischen Bundesausstellung in diesem Jahr in Berlin vorgestellt wird. »Das wird das Interesse an der Holsterburg sicherlich noch einmal befeuern«, glaubt Stickeln.

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