Do., 15.02.2018

Klaus Funnemann geht nach 34 Jahren als CDU-Kreisgeschäftsführer in Ruhestand Ein Mann der klaren Worte sagt ade

CDU-Kreisgeschäftsführer Klaus Funnemann (vorne) übergibt seinen Schreibtisch an Nachfolger Fabian Lülff (rechts); links CDU-Kreisvorsitzender MdB Christian Haase.

CDU-Kreisgeschäftsführer Klaus Funnemann (vorne) übergibt seinen Schreibtisch an Nachfolger Fabian Lülff (rechts); links CDU-Kreisvorsitzender MdB Christian Haase. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Warburg/Höxter (WB). Er hat in seinen 34 Dienstjahren 13 SPD-Bundesvorsitzende, drei Kanzler, sechs NRW-Ministerpräsidenten und hunderte kommunale Mandatsträger erlebt. Dutzende Wahlkämpfe organisierte er für die Union. Ende März geht CDU-Kreisgeschäftsführer Klaus Funnemann in den Ruhestand. Für viele ist der 63-jährige Höxteraner eines der herausragenden Gesichter der Kreis-Union.

Funnemann ist ein »political animal«, ein Überzeugungstäter, der in der CDU auf dem sozialen CDA-Flügel beheimatet ist. Der auch als Ratsherr in Höxter politisch mitgestaltende begeisterte Großvater gehört zudem einem besonderen Club an: dem für deutlich-ehrliche Aussprache. Damit mache man sich nicht immer beliebt, aber es schaffe viel Klarheit, so Funnemanns Credo.

Ende März verlässt das CDU-Urgestein seine Wirkungsstätte im Erdgeschoss der grünen Villa in der Corbiestraße in Höxter und übergibt seinem Nachfolger Fabian Lülff aus Dalhausen die Amtsgeschäfte. »Er arbeitet mich zum Glück noch ein«, hofft der 37-jährige Rechtsanwalt auf Tipps.

Versammlungen und Wahlkämpfe

Parteiversammlungen und Wahlkämpfe organisieren, alle finanziellen Dinge regeln, immer ein offenes Ohr für die Fragen der Funktionsträger und 3000 Mitglieder der CDU zwischen Warburg, Höxter und Bad Driburg haben – als Parteimanager war er stets die rechte Hand des Kreisvorsitzenden.

Mit Antonius Rüsenberg, Jürgen Herrmann und jetzt Christian Haase sei er stets gut zurecht gekommen, sagt er. »Auf Klaus Funnemann ist immer Verlass«, lobt der oft in Berlin weilende MdB Haase. Wenn Funnemann ein Problem anspreche, liefere er den Lösungsvorschlag gleich mit, schätzt der Abgeordnete seine lange Erfahrung.

Es gibt kaum einen CDU-Spitzenpolitiker, den der scheidende »lokale CDU-Generalsekretär« in den 34 Jahren seit Amtsübernahme 1984 von Hubert Koch nicht im Kreis Höxter getroffen hat: Das Kohl-Kabinett mit Rita Süßmuth, Heiner Geißler, Theo Waigel oder Klaus Töpfer.

Spürhunde schlagen Alarm

An Wolfgang Schäuble erinnert sich Funnemann noch genau: Der habe einen seiner ersten öffentlichen Auftritte nach dem Attentat 1990 in Brakel absolviert. Schäuble sei damals mit vielen Sicherheitsbeamten angereist, die nervös Stadthalle und Bühne in Brakel ins Visier nahmen.

»Und da stand an einem Blumentopf meine herrenlose Tasche – und sorgte für Alarm«, so Funnemann. Hunde umkreisten den verdächtigen Gegenstand. Die Leibwächter suchten den Besitzer, sprachen über einen denkbar gefährlichen Inhalt oder Waffen, denn die Hunde schlugen laut an.

Des Rätsels Lösung: »Ich hatte in der Aktentasche mein Asthmatikum eingepackt, in dem ein Stoff ist, der auch in manchen Waffen zu finden ist. Das hat die Hunde nervös gemacht«, schilderte Funnemann. Wolfgang Schäuble habe aber pünktlich reden können.

Blüms Hochzeitsreise

Funnemann erzählt noch eine weitere Story: Er sei in den 90er Jahren mit MdB Meinolf Michels und Bundesarbeitsminister Norbert Blüm zum Interview-Termin beim WESTFALEN-BLATT in Höxter erschienen. Blüm habe in der Redaktion in der Westerbachstraße gesessen. Zum Abschluss sagte der Minister: »Hier war ich schon einmal, hier muss ein Hotel in der Nähe sein, in dem ich mit meiner Frau auf unserer Hochzeitsreise in den 60er Jahren übernachtet habe.«

Blüm, Funnemann und die WB-Redakteure beschlossen, dem gegenüberliegenden Hotel »Corveyer Hof« und dem damaligen Wirt Karl Fronhoff einen Besuch abzustatten.

Der war freudig überrascht über den Promi-Besuch, gab ein Bier aus. Ein Jahr darauf kam Blüm mit Frau Marita für ein paar Tage in den gemütlichen »Corveyer Hof« und fuhr mit dem Landtagsabgeordneten Rüsenberg an der Weser Fahrrad.

Besuch von Bundeskanzlerin

Alles in den Schatten habe in den 34 Jahren jedoch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im April 2017 in Beverungen gestellt. Aufregung pur: Telefonkonferenzen, Sicherheitsbegehungen, jedes noch so kleine Organisationsdetail habe mit Berlin abgesprochen werden müssen. »Aber es war eine tolle Veranstaltung«, meinte Mitorganisator Funnemann – ein »Highlight« seiner Kreisgeschäftsführer-Karriere.

Großhandelskaufmann hat er einst gelernt, dann Zivildienst geleistet, eine Weiterbildung in einem katholischen Sozialinstitut angeschlossen, am 1. April 1979 als Volontär beim CDU-Landesverband Westfalen-Lippe begonnen, 1980 Sozialsekretär geworden und dann 1984 Kreisgeschäftsführer in Höxter.

Funnemann stammt aus Selm und wohnt heute in einem Eigenheim in Höxter. Er bleibt nur bis 2020 Ratsherr, will sich dann seiner Familie stärker widmen.

Im Osten nach der Wende

Mit Frau Beate fährt der Geschäftsführer gerne nach Usedom/Ostsee. Apropos neue Bundesländer. Nach der Wende im Frühjahr 1990 organisierte Funnemann Wahlkämpfe in Ilmenau/Thüringen, half der späteren Familienministerin Claudia Nolte bei politischen Gehversuchen. Das sei eine »irre Zeit« gewesen.

Drei Jahrzehnte hatte er auch mit EU-Spitzenpolitiker Elmar Brok zu tun: »Ein netter Typ, dem nie etwas zu Kopf gestiegen ist.« Klaus Funnemann hat nie einen Anruf von CDU-Chef Kohl in ­seinem Büro bekommen: Davon habe er auch nur von anderen gehört.

Seine christliche Grundhaltung war Funnemann immer wichtig: Das habe ihn mit seinem Freund Antonius Rüsenberg immer verbunden. Von Klaus Funnemann, könne man lernen, wie man die Bindung zwischen CDU und Parteimitgliedern gut pflege. Kleine Nettigkeiten wie Geburtstagskarten verschicke er, das komme an. MdB Haase schätzt diese Art und die Loyalität des Fast-Pensionärs.

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