Do., 15.02.2018

Erstes Seminar für Frauen verschiedener Nationalitäten auf der Hegge »Ich war drei Tage glücklich«

Im christlichen Bildungswerk »Die Hegge« sind Frauen aus Flüchtlingsnationen und aus Deutschland zusammengekommen, um sich über ihre Situation auszutauschen. Insgesamt nahmen 25 Frauen an dem Seminar teil.

Im christlichen Bildungswerk »Die Hegge« sind Frauen aus Flüchtlingsnationen und aus Deutschland zusammengekommen, um sich über ihre Situation auszutauschen. Insgesamt nahmen 25 Frauen an dem Seminar teil. Foto: Privat

Willebadessen (WB). Zum ersten Mal ist jetzt ein Seminar für Frauen verschiedener Nationalitäten, die in Dialog treten möchten, auf der Hegge in Willebadessen-Niesen veranstaltet worden. Gleich kamen 25 Frauen mit acht Kindern zwischen drei bei sechs Jahren. Es nahmen Frauen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Tadschikistan und Deutschland teil.

Für viele der geflüchteten Frauen war es das erste Mal, dass sie alleine von zu Hause weg waren, und es war der erste Aufenthalt in einem Bildungshaus. Es waren Frauen dabei, die studiert hatten und es waren Analphabetinnen in der Gruppe. Die Muttersprachen waren arabisch, kurdisch, farsi/dari, tadschikisch und deutsch. Es waren Christinnen, Musliminnen und Jesidinnen vertreten.

Die Frauen wurden in dem Seminar ermutigt, sich in die deutsche Gesellschaft einzubringen, zum Beispiel an Elternabenden teilzunehmen, ein Ehrenamt zu übernehmen, zu Feiern und Festen zu gehen. Bei der Diskussion um die Grundrechte wurden Differenzen offenkundig, die einer Vertiefung bedürfen, zum Beispiel Frauenrechte, Eherecht, persönliche Freiheit.

Nach einer Einführung wurden zunächst in Kleingruppen persönliche Wappen erstellt und die eigenen Stärken benannt. Danach wurde der eigene Lebensweg mit einem Seil dargestellt und in der Kleingruppe vorgestellt. Viele hatten eine schöne Kindheit und Jugend, bis Krieg und Gewalt in ihr Leben einbrachen. Die anschließende Flucht stellte einen großen Einschnitt in ihrem Leben dar.

Beraterin stellt sich Fragen

Am zweiten Tag stellte sich vormittags die Ehe-, Familien- und Lebensberaterin Bahar Karahan den Fragen der Teilnehmerinnen. So ging es darum, welche Sprache man am besten mit den Kindern spricht, wie die neue Sprache Deutsch gelernt werden kann, ohne die eigene Muttersprache zu vernachlässigen.

Am Nachmittag erläuterte die Grundschuldirektorin Maria Komm das deutsche Schulsystem. Für viele Frauen war Elternmitwirkung in der Schule bisher unbekannt. Auch wurden kritische Fragen zum Schwimmunterricht und zur Nicht-Berücksichtigung islamischer Feiertage gestellt.

Am dritten Tag überlegten die Frauen anhand verschiedener Stühle, welchen Platz sie derzeit einnehmen und welchen sie gerne einnehmen würden – getrennt nach Platz in der Familie und Platz in der Gesellschaft.

Lebensentwürfe vorgestellt

Anschließend wurden zwölf verschiedene Lebensentwürfe anhand von Frauenbildern vorgestellt und diskutiert. Danach erläuterte Verena Weber vom Kommunalen Integrationszentrum die Grundrechte in Deutschland. Dabei zeigten sich auch Unterschiede zu den Herkunftsländern.

Von allen Frauen wurde der Wunsch geäußert, weiter im Dialog zu bleiben. Gerade dort, wo unterschiedliche Rechts- und Moralvorstellungen vorhanden sind, blieb die Frage nach den »richtigen« Maßstäben offen, auch wenn das deutsche Recht bindend ist.

Eine Frau brachte zum Ausdruck, was viele dachten: »Ich war drei Tage glücklich. Der Umgang mit Frauen anderer Religionen und das Kennenlernen anderer Kulturen waren neu und wichtig für mich. Von diesen Tagen nehme ich viel für mein Leben mit.«

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