Mi., 14.03.2018

Kursteilnehmerinnen erlernen in Schweckhausen ein Traditionshandwerk Frauen schmieden das Eisen

Ivonne Schauf (von links), Rita Ungerland, Luzia Schäfers, Ingeborg Rosenbaum, Dorothee Klotz und Gabriele Hanke haben in Schweckhausen bei Schmied Bernhard Möller an einem ersten Schmiedekursus für Frauen teilgenommen.

Ivonne Schauf (von links), Rita Ungerland, Luzia Schäfers, Ingeborg Rosenbaum, Dorothee Klotz und Gabriele Hanke haben in Schweckhausen bei Schmied Bernhard Möller an einem ersten Schmiedekursus für Frauen teilgenommen. Foto: Verena Schäfers-Michels

Von Verena Schäfers-Michels

Willebadessen (WB). Einst waren sie in jedem Ort vertreten, kümmerten sich um die Hufe der Pferde, reparierten Wagenräder und Maschinen: die Schmiede. Inzwischen wird dieser Beruf nur noch selten ausgeübt. In der Schweckhausener Schmiede hat Bernhard Möller aus Uslar jetzt sechs Frauen in das Traditionshandwerk eingeführt.

Schmiede ist wieder ein Schmuckstück

Das rhythmische Geräusch des Hammers, der auf Eisen trifft, lässt die Schweckhausener aufhorchen. Seit mehr als 30 Jahren waren diese Töne in Schweckhausen nicht mehr zu hören. »Bis Ende der 70er Jahre hat Bruno Wolfram die Schmiede betrieben«, weiß Ortsbürgermeister Heinz-Jürgen Schmitt und fügt hinzu: »Die Leute freuen sich und sagen: ›Endlich ist der Klang wieder zu hören‹.«

Sechs Frauen schwangen beim VHS-Kursus in der Schmiede nun selbst den Hammer, um aus eigener Kraft aus einem Stück Eisenstange einen Fleischerhaken beziehungsweise einen Blumenampel-Haken zu biegen.

Eine von ihnen war Rita Ungerland. »Für mich geht hier ein Traum in Erfüllung. In den vergangenen beiden Jahren habe ich hier mit angepackt und an den Wochenenden den Müll herausgeholt«, erinnert sich die Schweckhausenerin an die Restaurierung des Gebäudes. »Als ich zum ersten Mal in die Schmiede kam, sah es hier aus wie nach dem Krieg.«

Inzwischen ist die Schmiede wieder ein Schmuckstück mit ihrer gemauerten Feuerstelle, an deren Rand sogar ein kleines Wasserbecken zum Abkühlen der Schmiedearbeiten eingelassen ist. Zwischen 850 und 2200 Grad wirken auf das Eisen im Feuer. Dafür benutzt Schmied Bernhard Möller eine Mischung aus Schmiedekohle und Holzkohle. Nach dem Vorschmieden wird das Eisen entweder auf den Steinboden geworfen, um dort über einen längeren Zeitraum abzukühlen, oder in das Wasserbecken oder einen gefüllten Blecheimer gelegt.

Frauen lernen das Schmieden

Im Jahr 1730 waren die Schmiede und ihr optisches Zwillingsgebäude, die Stellmacherei, die während des Kurses als Cafeteria diente, erbaut worden. Anlässlich des Tages des offenen Denkmals im September vergangenen Jahres waren die Gebäude wieder in Betrieb genommen worden.

Auf seine ruhige Art vermittelte Bernhard Möller den Frauen das Handwerkszeug zum Schmieden. Der 79-Jährige zeigte ihnen, wie das Eisen nach Maß »abgeschrotet« wird, wie es vorzuschmieden und zu biegen ist. Das Biegen des Hakens ist dabei eine einfachere Herausforderung, bei der Gefühl und Schwung trainiert werden. Der kraftvolle Einsatz eines Hammers ist für die meisten Frauen ungewohnt und fordert Kraft und Energie. Anschließend wird das Werk poliert. »Wir sagen dazu putzen«, erklärt der Schmied.

Kurse in Schweckhausen sind bereits ausgebucgt

»Nach dem Schmieden sollte man wandern gehen, das ist gut für die Lunge«, sagt Edelgard Möller. Die Ehefrau des Schmiedes ist bei den Kursen immer mit dabei. Ihre Idee war es, vor gut zehn Jahren auf der Sababurg anzufragen, ob Interesse an Kursen besteht. Seitdem doziert der Schmied aus Eschershausen bei Uslar dort regelmäßig. Inzwischen reist das Ehepaar auch nach Northeim, Hardegsen und in den Harz.

Auch die Kurse in Schweckhausen sind sehr gefragt und komplett ausgebucht. »Wir führen bereits Wartelisten«, berichtet Ingrid Menzel von der VHS.

Nach dem Schmieden der Haken konnten sich die Damen an schwierigere Aufgaben heranwagen, etwa dem Schmieden von Herzen oder filigranen Hufeisen, die beispielsweise als Schlüsselanhänger dienen. Während die eisernen Blumenampel-Haken häufig unbehandelt bleiben, um über die Jahre bei Wind und Wetter eine rostige Patina anzusetzen, können die anderen Arbeiten mit Schellack lackiert werden, was sie schützt und ihnen Glanz verleiht. »Am schönsten sind für mich aber die Schmiedearbeiten aus Edelstahl«, sagt Edelgard Möller.

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