Do., 12.07.2018

Mario Schömitz wartet die Technik auf dem Willebadessener Funkturm Ein Job mit Weitblick

Die Satellitenschüsseln auf dem 132 Meter hohen Funkturm in Willebadessen sind extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt, so dass sie von Techniker Mario Schömitz regelmäßig Kontrolliert und Gewartet werden müssen.

Die Satellitenschüsseln auf dem 132 Meter hohen Funkturm in Willebadessen sind extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt, so dass sie von Techniker Mario Schömitz regelmäßig Kontrolliert und Gewartet werden müssen. Foto: Alice Koch

Von Alice Koch

Willebadessen (WB). Vielen wird schon auf einem Zehn-Meter-Sprungturm im Schwimmbad schwindelig. Mario Schömitz ist erst bei Höhen, die das Zehnfache messen, so richtig in seinem Element – wie am 132 Meter hohen Fernmeldeturm im Eggegebirge westlich von Willebadessen.

Der IT-Systemelektroniker der Firma »ams – Radio und Media-Solutions« ist mit einem dreiköpfigen Team aus Bielefeld angerückt, um die Antennen und Satellitenschüsseln auf dem Sendeturm zu warten und zu kontrollieren. Doch bevor der Aufstieg beginnt, muss noch das Equipment gecheckt werden. »Die Sicherheit hat oberste Priorität«, betont Mario Schömitz, während er seine Ausrüstung anlegt. Dazu zählen neben Fallschutzgurten, Sicherheitshelm mit Schutzvisier, Spezialschuhen, Handschuhen und Funkausrüstung auch ein Overall, der gegen Wind und Kälte schützt.

Denn während es am Fuße des Turmes angenehm warm ist, herrschen in luftiger Höhe kühle Temperaturen und mitunter eisige Böen. »Deswegen ist es wichtig, vor dem Besteigen des Sendeturms die Wetterlage für den Standort genau zu studieren und zu bewerten«, erklärt der Experte.

Ein weiterer wichtiger Ausrüstungsgegenstand ist das hochsensible Strahlenmessgerät, das einen Warnton abgibt, sobald es gefährlich wird und die Techniker der elektromagnetischen Strahlung, die von den Rundfunkantennen und Satellitenschüsseln ausgehen, zu nahe kommen. Dann ist Vorsicht geboten, denn im schlimmsten Fall kann zu starke elektromagnetische Strahlung aus nächster Nähe beispielsweise zu Krebserkrankungen oder dauerhaftem Erblinden führen. Diese Gefahr ist auch in Willebadessen gegeben, denn dort wird die Frequenz von Radio Hochstift in einer Stärke von 4000 Watt gesendet. Um die höchstmögliche Sicherheit der Techniker zu gewährleisten, wird der Sender während der Wartungsarbeiten abgestellt.

Ausrüstung wiegt 15 Kilogramm

Nachdem die Ausrüstung, die insgesamt etwa 15 Kilogramm wiegt, korrekt angelegt ist, kann der Aufstieg beginnen. Die ersten drei Stockwerke bis auf 55 Meter Höhe können noch bequem mit dem Fahrstuhl zurückgelegt werden. Es folgt eine 20 Meter hohe steile Stahltreppe, bevor der Aufstieg richtig beschwerlich wird, denn der Weg in die Spitze im Inneren des engen Turmes führt über eine Stahlleiter – 60 Meter senkrecht gen Himmel.

Damit die Sicherheit gewährleistet ist, sind die Leitern in der Mitte mit einer Sicherungsschiene, in die der so genannte Läufer eingerastet wird, ausgestattet. »Falls man versehentlich den Halt verliert, sperrt der Läufer sofort und verhindert einen Absturz«, erklärt Mario Schömitz, der routiniert Sprosse für Sprosse erklimmt. Oben angekommen, muss zunächst die speziell gesicherte Stahltür geöffnet werden. Dann entschädigt ein atemberaubender Blick über das Eggegebirge und die Börde für die Strapazen des Aufstiegs. Ein etwa fünf Meter breiter Ring aus Stahlgittern, der einmal rund um den Turm führt, ermöglicht eine grandiose Rundumsicht.

Technik ist in diesen Höhen extremen Witterungen ausgesetzt

Doch viel Zeit, den Ausblick zu genießen, bleibt Mario Schömitz nicht. Er muss die Technik und Kabelverbindungen der Satellitenschüssel kontrollieren sowie in schwindelerregender Höhe die vier Antennen mit Hilfe eines Stabes abklopfen und prüfen, ob alles richtig befestigt ist. Die Technik ist in diesen Höhen extremen Witterungen ausgesetzt, so dass sie regelmäßig überprüft werden muss.

Insgesamt sind Mario Schömitz und sein Team für die Technik in 21 Sendetürmen in Ost-Westfalen und Warendorf zuständig. Der Turm in Willebadessen gehört dabei zu den Höchsten, die er besteigen und warten muss.

Das Arbeiten mit festem Stand auf einem der insgesamt acht Ringe des Fernmeldeturmes erscheint dabei noch annähernd komfortabel. Für einige Wartungsarbeiten muss aber die schmale Leiter an der Außenseite des Gebäudes bestiegen werden. »Das ist dann schon ein mulmiges Gefühl, weil ich beide Hände zum Arbeiten brauche und in 130 Metern Höhe frei in meinem Klettergeschirr hänge«, verrät der 45-jährige Vater von zwei Söhnen. Erschwert werden die Arbeiten oft durch extreme Windgeschwindigkeiten und das leichte Schwanken des Turmes, das in dieser Höhe deutlich zu spüren ist. »Unter diesen Bedingungen zu Arbeiten, ist nichts für schwache Nerven und Menschen, die nicht schwindelfrei sind«, fügt er lachend hinzu.

Höchstmaß an Sicherheit

Damit ein Höchstmaß an Sicherheit gewährleistet ist, sind die IT-Systemelektroniker speziell ausgebildet. Das nötige Know-how zum sicheren Arbeiten und Retten in Höhen haben sie in einem Lehrgang vermittelt bekommen, der jedes Jahr wiederholt werden muss. Dort lernen die Teilnehmer nicht nur Grundlagen, wie das korrekte Anlegen des Equipments, sondern auch das Abseilen eines Verunfallten und das Retten aus großen Höhen. Außerdem erfolgt alle zwei Jahre eine körperliche Untersuchung, ob die Mitarbeiter für die Arbeit in großen Höhen geeignet sind.

Die Besteigung des Turmes erfolgt immer mit mindestens zwei Personen. Eine weitere bleibt am Boden, um im Notfall eingreifen zu können und den verletzten Kollegen über die Außenseite des Turmes Abseilen zu können. Außerdem steht das Team im ständigen Funkkontakt.

»Dabei ist es von Vorteil, wenn man die Kollegen kennt und weiß, dass man sich in jeder Situation auf sie Verlassen kann«, betont Mario Schömitz, der seit 19 Jahren bei ams tätig ist und seit 2009 die Arbeiten auf den Sendetürmen durchführt. Aber auch, wenn er viel Routine mitbringt, klettert die Angst immer mit. »Aber für mich ist es eine persönliche Herausforderung, diese Angst zu überwinden, und belohnt werde ich mit einer unbeschreiblichen Aussicht an Plätzen, wo sonst niemand hinkommt.«

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