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So., 01.10.2017

Häftling in der JVA Detmold soll Killer gesucht haben Mordkomplott gegen Ex-Ehefrau?

Garage, Wohnhaus, Carport und die Blickwinkel der Videokameras: Auf dieser Karte hat der Angeklagte das Haus seiner Ex-Frau skizziert.

Garage, Wohnhaus, Carport und die Blickwinkel der Videokameras: Auf dieser Karte hat der Angeklagte das Haus seiner Ex-Frau skizziert.

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Sie dachte, sie sei endlich in Sicherheit, als ihr Ehemann 2014 wegen versuchten Mordes an ihr ins Gefängnis kam. Doch dann soll er aus der Haft heraus versucht haben, einen Killer für sie zu finden.

Auf der Anklagebank des Detmolder Landgerichts sitzt seit Freitag Gärtner Jörg K. (52) aus Bad Salzuflen – ein mehrfach verurteilter Gewaltverbrecher, dessen Taten sich immer nur gegen seine Frau gerichtet haben. Diesmal wirft Staatsanwalt Christopher Imig ihm versuchte Anstiftung zum Mord vor.

Das Martyrium der Ehefrau, einer Krankenschwester, dauerte Jahre. Immer wieder gab sie der längst gescheiterten Ehe eine Chance – auch der drei gemeinsamen Kinder wegen. Doch Jörg K. ließ sie aus grundloser Eifersucht fast nur noch zum Arbeiten aus dem Haus, zwang sie zum Sex und drohte, im Fall einer Scheidung die ganze Familie umzubringen.

Aus Angst lässt sie Kameras und Bewegungsmelder installieren

2012 trennte sich die Frau von ihm – und bezahlte das beinahe mit ihrem Leben. Der erste Angriff geschah 2012, als die Krankenschwester eines Nachts nach Hause kam. Jörg K. stieß sie zu Boden und riss ihren Kopf immer wieder schräg nach hinten hoch – nach Überzeugung der Frau, um ihr das Genick zu brechen.

Ihr Mann kam mit sechs Monaten Haft auf Bewährung davon, und seine Frau rüstete in Todesangst auf: Sie ließ Kameras und Bewegungsmelder installieren. Und sie zeigte ihren Kindern, wie man Feuerlöscher bedient, weil sie fürchtete, ihr Mann werde das Haus anzünden.

2014 wurde Jörg K. wegen versuchten Mordes zu sechseinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte der Frau nachts mit einer Art Harpune, einem Schlachterbeil und einer Forke vor ihrem Haus aufgelauert und versucht, sie zu töten. Das Opfer überlebte mit Stich- und Schnittwunden an Händen, Armen und Oberkörper, weil sich der 17-jährige Sohn – durch Schreie der Mutter geweckt – dem Vater in den Weg stellte. Das Gesicht der Frau musste mit 33 Stichen genäht werden.

Häftling erfährt von Mordplan

»Meine Mandantin hat jahrelang mit Todesängsten leben müssen«, sagt Anwalt Achim Depenbrock. »Nach der letzten Verurteilung wähnte sie sich in Sicherheit, aber als sie erfuhr, dass ihr Ex-Mann im Gefängnis ein Mordkomplott schmiedete, brach sie zusammen.«

Der mutmaßliche Mordplan flog auf, als sich ein Häftling der JVA Detmold an einen Justizvollzugsbeamten wandte. Im Zeugenstand sagte der Häftling am Freitag: »Jörg sagte, seine Frau und sein Schwager müssten weg, und er fragte mich, ob ich nicht jemanden kenne, der das übernimmt.«

Erst habe er das für Blödsinn gehalten, aber dann habe Jörg K. Skizzen vom Haus der Frau gemacht. »Er hat auch die Blickwinkel der Überwachungskameras eingezeichnet.« Der Zeuge sagte, neben dem Wohnhaus sei als möglicher Tatort der Parkplatz des Krankenhauses in Frage gekommen, in dem die Frau gearbeitet habe. »Jörg hat mir die Zeiten genannt, zu denen sie dort ankommt. Der meinte das ernst.«

»Wir haben Jörg nicht ernstgenommen«

Der Häftling sagte, er habe nicht irgendwann in der Zeitung lesen wollen, dass eine Frau gestorben sei, obwohl er das hätte verhindern können. »Deshalb habe ich mich gemeldet und der Polizei die Zeichnungen übergeben.« Ein weiterer Häftling sagte als Zeuge, den angeblichen Mordplan hätten etliche Insassen der JVA Detmold gekannt. »Wir haben den Jörg aber nicht ernstgenommen.«

Für Jörg K. steht viel auf dem Spiel, denn das Gericht könnte im Fall einer Verurteilung prüfen, ob es neben einer Haft die anschließende Sicherungsverwahrung verhängt – dann käme der 52-Jährige auf absehbare Zeit nicht mehr frei. Der Angeklagte, der von Torsten Giesecke und Peter Wüller verteidigt wird, zeigte am ersten Prozesstag keine Regung und schwieg. Das Leben seiner Ex-Frau ist zerstört. Ihr Anwalt Achim Depenbrock: »Sie ist krankgeschrieben und psychisch so am Ende, dass sie von Januar an Erwerbsunfähigkeitsrente bekommen wird.«

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