Mi., 11.07.2018

Bad Salzuflen feiert: 1818 bot ein Arzt die ersten Bäder im Salzwasser an 200 Jahre Fürstliches Solebad

Dieses undatierte Foto aus dem Bad Salzufler Staatsbadarchiv zeigt Spaziergänger im Kurpark vor der damaligen Wandelhalle.

Dieses undatierte Foto aus dem Bad Salzufler Staatsbadarchiv zeigt Spaziergänger im Kurpark vor der damaligen Wandelhalle.

Von Christian Althoff

Bad Salzuflen (WB). Es gab Zeiten, da stand rund um Salzuflen kaum mehr ein Baum. »Das Holz diente als Brennstoff, um die Sole zu sieden und Salz zu gewinnen«, sagt Historiker Franz Meyer (64), der frühere Stadtarchivar und heutige Leiter der Volkshochschule.

Am Wochenende feiert die Stadt »200 Jahre Fürstliches Solebad«. Es war ein Arzt, der damals den Anstoß zu dem langsamen Aufstieg der Stadt gab, von dem die Kommune bis heute profitiert.

Ein mindestens 300.000 Jahre alter Faustkeil, der 1997 in Bad Salzuflen entdeckt wurde und als ältestes bekanntes Werkzeug Westfalens gilt, lässt vermuten, dass diese Gegend schon damals besiedelt war. Mitte des 11. Jahrhunderts wurden »Uflen« (»die Siedlung am Wald«) und eine Salzstätte erstmals urkundlich erwähnt.

Die Salzgewinnung geschah, indem vom Frühjahr bis zum Herbst die Sole aus einem Brunnen auf dem Salzhof gepumpt und in großen Bleipfannen gesiedet wurde, bis das Salz übrig blieb. »Da standen Rauch- und Dunstwolken über der Stadt«, sagt Franz Meyer.

Gradierwerke ab 1767 errichtet

1766 übernahm das Lippische Herrscherhaus die Salzgewinnung. »Das Salzufler Salz war damals von schlechter Qualität, und die Arbeitsabläufe waren unwirtschaftlich. Das wollten die Landesherren ändern.« Die Mitglieder des Salzwerkskollegiums verkauften ihre 177 Anteile für 31.000 Thaler an den Landesherrn. Der schrieb vor, dass in Lippe nur Salz aus Salzuflen verwendet werden durfte und schuf ein Monopol.

»Ab 1767 wurden die ersten Gradierwerke errichtet – die vielleicht größten technischen Bauwerke der vorindustriellen Zeit«, sagt Heimatforscher Meyer.  Die aus den Salzbrunnen geförderte Sole floss fortan dreimal über die riesigen, mit Schwarzdornen bestückten Holzkonstruktionen, bevor sie in die Siedehäuser geleitet wurde. »Ursprünglich hatte die Sole bis zu acht Prozent Salzgehalt. Durch die Verdunstung des Wassers im Gradierwerk stieg er auf bis zu 22 Prozent.« Die Salzherstellung gelang schneller, und man sparte Brennholz. »Pro Woche etwa 30 Pferdewagen voll.« Die Wälder wurden langsam wieder aufgeforstet, und die Pfannen zunehmend mit Kohlen beheizt.

Meerähnliches Klima

1817 bat der junge Stadtarzt Heinrich Hasse die Fürstenfamilie, Solebäder zu ermöglichen. So wurden in dem Pumpenhaus auf dem Salzhof fünf Wannen aufgestellt. Vor 200 Jahren, am 14. Juli 1818, konnten dort die ersten Bäder genommen werden. Franz Meyer: »Das war völlig unspektakulär. Da hat auch niemand Werbung betrieben. Für die erste Saison sind 1025 Solbäder verzeichnet, die wohl vor allem von örtlichen Bauern und Bürgern genommen wurden. Das änderte sich auch in den folgenden Jahren nicht.« Damals lebten etwa 1400 Menschen in Salzuflen.

Ein Blitz zerstörte 1855 das Pumpenhaus und zwang die Fürstenfamilie, sich Gedanken um die Zukunft des Badebetriebs zu machen. Man entschied sich für den Bau eines eigenständigen Badehauses mit acht Badestuben. Später entstand an den Gradierwerken, die als Nebeneffekt für gesundes, meerähnliches Klima sorgten, eine Trinkhalle, in der leicht salzhaltiges Wasser aus der Sophienquelle angeboten wurde. Aus Blumenanpflanzungen entwickelte sich der Kurpark, und ein zweites Badehaus mit 24 Wannen und ein Soleschwimmbad kamen hinzu. Ringsherum öffneten Pensionen, die Kurheime. 1914 wurde Salzuflen zu Bad Salzuflen.

»1929 kamen fast 29.000 Kurgäste. Damit gehörte die Stadt zu den fünf größten deutschen Heilbädern«, sagt Franz Meyer. Seinen Rekord stellte das Bad 1972 auf, als 72.000 Kurgäste 1,85 Millionen Übernachtungen buchten – in einer Stadt, die nur 18.000 Einwohner hatte. Da war die Salzproduktion bereits seit 27 Jahren eingestellt. Die britischen Besatzer hatten 1945 die letzten beiden Siedepfannen zerlegt und als Altmetall nach Großbritannien geschafft.

Hotelerie ein wichtiges Standbein

Die bundesweite Bäderkrise in den 80ern hinterließ auch in Bad Salzuflen Spuren, doch konnte der Absturz dank vieler Arbeitsplätze in einigen großen Industriebetrieben abgefedert werden. Kurgäste kommen weiterhin, aber nicht mehr zu Zehntausenden. Nach wie vor sprudeln drei Trinkbrunnen, drei Gradierquellen und drei Thermalquellen.

Franz Meyer: »Bad Salzuflen dient heute mit seiner hervorragend erhaltenen Altstadt Urlaubern als Ausgangspunkt, um Ostwestfalen-Lippe zu erkunden. Die Gastronomieszene sucht ihresgleichen und lockt auch Besucher aus Bielefeld an.« Ein wichtiges Standbein sei auch die Hotelerie: »Wir haben 2700 Betten, die zur Hannovermesse und anderen Events ausgebucht sind.« Außerdem gibt es noch 982 Betten in Kliniken.

Die Kuranlagen werden längst auch von den Bürgern genutzt. Die haben seit diesem Sommer freien Eintritt in ihren Kurpark – ein Geschenk von Stadt und Staatsbad zum Jubiläum.

Festprogramm im Kurpark

Samstag, 14. Juli : 11 Uhr Eröffnung des neugestalteten Kurparks, ab 18 Uhr Weinbar, Cocktails, Köstlichkeiten, Tagfeuerwerk, Fassanstich, 20 Uhr Strandkorbinterviews, 21.30 Uhr Groovin’ Affairs, DJs, 23.45 Uhr Feuerwerk.

Sonntag, 15. Juli: Familienprogramm mit Spielen auf der Kurparkwiese (ab 11 Uhr), Gesundheitsaktionen ab 11 Uhr vor der Konzerthalle, Kaffee und Kuchen am Kurparksee. 12 Uhr katalanisches Theater, 13 Uhr Solewannengespräche, 14 Uhr Krönung der Soleprinzessin. Um 13.30 Uhr, 14.30 Uhr und 15.30 Uhr spielt das Staatsbad-Orchester Filmmusiken.

Live

Das Staatsbad überträgt das Jubiläumfest von 18.30 Uhr an live bei Facebook:

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