Do., 18.01.2018

Mordprozess vor dem Detmolder Landgericht »Meine Mami ist tot«

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Als Polizisten die Doppelhaushälfte mit gezogenen Waffen durchsuchten und den Blutspuren folgten, hörten sie ein Kind »weinen und wimmern«, wie eine Beamtin sagte. Das dreijährige Mädchen hatte möglicherweise den Mord an seiner Mutter miterlebt.

Vor dem Landgericht Detmold hat am Mittwoch der Mordprozess gegen Daniel W. (38) begonnen. Der Industriemechaniker soll im August in Detmold seine Ex-Lebensgefährtin Lorett K. (30) geschlagen und dann mit 14 Stichen und Schnitten getötet haben. Oberstaatsanwalt Christopher Imig: »Wir nehmen an, dass die junge Frau sterben musste, weil sie einen anderen Mann kennengelernt hatte.« Verwandte des Opfers erklärten als Zeugen, Lorett habe sich kurz vor der Tat von ihrem Lebensgefährten getrennt. Ihr neuer Freund (30) sagte, der Angeklagte habe Lorett K. mit dem Tod gedroht.

Schwere Kindheit

Zum Prozessauftakt sagte Daniel W., er habe eine schwere Kindheit gehabt. Er sei in der bayerischen Justizvollzugsanstalt Eichenau zur Welt gekommen, weil seine Mutter dort eine Strafe abgesessen habe. Mutter und Sohn zogen dann nach Bielefeld, wo der Junge aufwuchs. Zuletzt arbeitete er als Industriemechaniker beim Maschinenbauunternehmen Sollich in Bad Salzuflen und lebte mit Lorett K., die bei H&M arbeitete, und der gemeinsamen Tochter in Detmold.

Was im August in der verklinkerten Doppelhaushälfte geschah – dazu schwieg der Angeklagte. Christian Thüner, einer der beiden Verteidiger, las lediglich eine Erklärung vor. Darin gibt Daniel W. an, die Tat zu bedauern. Er habe etwas Fürchterliches getan und denke jeden Tag darüber nach, wie nun das Leben seiner Tochter aussehe. »Ohne Mutter und Vater.« Er sei erschüttert von seinem Verhalten und fassungslos, ließ der Angeklagte vortragen.

Großer Freundeskreis

Lorett K. liebte ihre Tochter, Pferde und Katzen und hatte einen großen Freundeskreis. Eine Freundin machte sich am 10. August Sorgen, weil sie die 30-Jährige nicht erreichen konnte. Sie fuhr zu deren Haus, wo der Schlüssel außen steckte und die Tür angelehnt war. Als die Frau ins Haus blickte und überall Blut entdeckte, rief sie die Polizei an. »Sie war so in Panik, dass die Leitstelle sie nicht verstehen konnte«, sagte eine Polizeischülerin (26) als Zeugin. Sie und zwei Streifenbeamte trafen damals als erste an dem Haus ein.

Die angehende Kommissarin: »Der Flur war voller Blut. Ich hörte oben ein Kind wimmern und weinen. Aus dem Augenwinkel sah ich in der Küche das Opfer liegen. Dort war auch Blut, und auf der Treppe nach oben auch.« Im ersten Stockwerk hätten alle Zimmertüren offengestanden – bis auf eine. »Dahinter hörten wir das Kind wimmern.«

Tochter voller Blut

Aus Sicherheitsgründen riefen die Polizisten mit gezückten Waffen, sie seien von der Polizei, und forderten die hinter der Tür vermuteten Personen auf, herauszukommen. »Das Mädchen öffnete die Tür. Es war unbekleidet und äußerlich unverletzt, aber voller Blut.« Das stammte offenbar von Daniel W., den die Polizistin hinter dem Mädchen in dem Hauswirtschaftsraum entdeckte. Er lag reglos auf dem Boden, seine linke Pulsader war aufgeschnitten.

Die angehende Polizistin nahm das Kind auf den Arm und legte ihm ihre Uniformjacke um. Dann brachte sie das Mädchen nach draußen, wo sich eine Nachbarin der Dreijährigen annahm. »Auf dem Weg dorthin sagte das Kind: ›Meine Mami ist tot.‹ Das Mädchen war sehr erschöpft.‹‹

Befragung möglichst verhindern

Die Staatsanwaltschaft befürchtet, dass die damals Dreijährige die Tat mitbekommen hat. Sollte sich das im Laufe des Prozesses bestätigen, will Oberstaatsanwalt Imig voraussichtlich die Feststellung der »besonders schweren Schuld« im Urteil beantragen. Das würde eine vorzeitige Entlassung aus der Haft erschweren. »Ich werde alles versuchen, um eine Befragung der heute Vierjährigen zu verhindern«, sagte Imig. »Letztlich hängt das aber auch davon ab, ob der Angeklagte umfassend aussagt.« Das Mädchen lebt heute in einer Einrichtung.

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