Di., 13.02.2018

Dreijährige erlebt Mord an Mutter mit und ist schwer traumatisiert Gericht verhängt lebenslange Haftstrafe

Reporter filmen die beiden blutigen Messer, die am Tatort in Detmold gefunden wurden. Oberstaatsanwalt Christopher Imig sagte über die Waffen: »Eine Klinge ist völlig verbogen. Sie hat die Wirbelsäule getroffen.«

Reporter filmen die beiden blutigen Messer, die am Tatort in Detmold gefunden wurden. Oberstaatsanwalt Christopher Imig sagte über die Waffen: »Eine Klinge ist völlig verbogen. Sie hat die Wirbelsäule getroffen.« Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Die Zuschauer klatschten stürmisch, als sie die Strafe hörten: Das Detmolder Schwurgericht hat – wie berichtet – am Montag Daniel W. (38) wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte im August seine Lebensgefährtin Lorett K. (30) vor den Augen der gemeinsamen Tochter (3) »abgeschlachtet«, wie Oberstaatsanwalt Christopher Imig in seinem Plädoyer sagte.

»Das Urteil ist fair, aber natürlich bringt es mir meine Tochter nicht zurück«, sagte die Mutter des Mordopfers am Ende des vierten Verhandlungstages. Auch Oberstaatsanwalt Imig war zufrieden, wenn das Gericht auch nicht ganz seinem Plädoyer gefolgt war. Denn Imig hatte neben der Verhängung der lebenslangen Haft beantragt, die besonders schwere Schuld festzustellen. In dem Fall wäre es Daniel W. verwehrt gewesen, nach 15 Jahren erstmals einen Antrag auf vorzeitige Entlassung zu stellen.

Mit dieser Anzeige nahm die Familie Abschied.

Imig sah die besonders schwere Schuld in dem Umstand, dass die dreijährige Tochter den Mord wohl miterleben musste. »Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass das Kind alles gesehen hat«, sagte er. Tatsächlich legen die Aussagen von Erzieherinnen, die das Mädchen seit der Tat in einem lippischen Kinderheim betreuen, die Annahme nahe, dass die Dreijährige Augenzeugin war. Den Aussagen der Frauen zufolge soll die Mutter während der Tat nach ihrer Tochter gerufen haben. Das Kind soll den Vater angefleht haben, aufzuhören, aber der soll weitergemacht und in Richtung des Opfers gerufen haben: »Du stirbst jetzt!«

Nebenklageanwältin Anke Reese, die das heute vier Jahre alte Mädchen vertritt, sagte, die Tochter habe sich nach dem Mord an die tote Mutter gekuschelt. »Sie ist so traumatisiert, dass das Kinderheim das Personal aufstocken musste, um eine Mitarbeiterin nur für das Mädchen abstellen zu können. Die Erzieherinnen sind an Grenzen gelangt, die sie vorher nicht einmal gekannt haben.« Die Anwältin sagte, das Mädchen spielt die Tat ständig nach, und wenn es etwas Rotes sehe, das an Blut erinnere, komme alles wieder hoch.

Daniel W. hörte das Urteil ohne sichtbare Regung. Foto: Christian Althoff

Trotz dieser massiven Folgen entschloss sich die Kammer, die besonders schwere Schuld nicht festzustellen. Der Vorsitzende Richter Karsten Niemeyer erklärte: »Es spricht viel dafür, dass das Mädchen alles miterlebt hat. Aber letztlich kennen wir die Angaben des Mädchens nur aus zweiter Hand, und das reicht eben nicht. Wir hätten zwar die Vierjährige als Zeugin hören können, aber das wäre nicht im Interesse des Kindes gewesen.«

Eifersucht sei das Motiv gewesen, sagte der Vorsitzende Richter – ein »niedriger Beweggrund«, und deshalb sei es Mord gewesen. Lorett K. habe sich von Daniel W. nach fünf Jahren getrennt, weil er fremdgegangen sei, Drogen genommen und viel am Computer gespielt habe. Wochen vor der Tat soll Daniel W. gesagt haben: »Wenn ich dich nicht haben kann, soll dich keiner haben. Dann bring ich dich um.« Am Abend des 9. August brach er der Frau im Streit das Nasenbein, dann würgte er sie bis zur Bewusstlosigkeit und stieß ihr ein oder zwei Messer 14 Mal in den Hals.

Die Verteidiger Deborah Weinert und Christian Thüner hatten zehn Jahre Haft wegen Totschlags beantragt und erklärt, ihr Mandant sei während der Tat vermindert schuldfähig gewesen. »Er hatte sich mit Wodka zugeschüttet«, sagte die Anwältin. Das Gericht ging jedoch davon aus, dass sich der Täter erst nach dem Mord betrunken hatte, denn kurz vor der Tat hatte Daniel W. noch mit zwei Frauen gesprochen – und die hatten von Alkohol nichts bemerkt.

Die Verteidiger wollen das Urteil vom Bundesgerichtshof prüfen lassen.

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