Mi., 14.02.2018

Donnerstag ist »Detmolder Bauphysiktag« – Tipps für Eigentümer Vom Charme alter Häuser

Ein Fachwerkhaus wird grundlegend saniert. Experten warnen davor, alte Gebäude zu schnell abzureißen.

Ein Fachwerkhaus wird grundlegend saniert. Experten warnen davor, alte Gebäude zu schnell abzureißen. Foto: dpa

Von Dietmar Kemper

Detmold (WB). Bauarbeiter kennt jeder. Aber was machen eigentlich Bauphysiker? »Wir beschäftigen uns mit Wärme-, Feuchte- und Schallschutz«, antwortet Susanne Schwickert von der Hochschule OWL in Detmold.

Die 47-jährige Bauingenieurin lehrt dort Bauphysik und Haustechnik, ist stellvertretende Leiterin des IFE (Institut für Energieforschung) und hat den »Detmolder Bauphysiktag« morgen organisiert. Dort wird die energieeffiziente Sanierung alter Gebäude ein Thema sein.

»Es geht um wirtschaftliches, komfortables und gesundes Wohnen«, sagt Schwickert. Dafür müsse man nicht neu bauen, sondern könne auch alte Gebäude nutzen. Die Wissenschaftlerin selbst wohnt in Brakel in einem 250 Jahre alten Fachwerkhaus. Nach der energetischen Sanierung seien »die Nebenkosten überschaubar und das Leben in dem Haus komfortabel« – dank Wandheizung, Fußbodenheizung, Wärmeschutzverglasung, Wärmedämmung und authentischem Steinboden sowie Holzfenstern. Schickert: »Ich möchte das Haus keinesfalls gegen einen Neubau eintauschen.«

Bauingenieurin Susanne Schwickert im Hörsaal.

Unter historischer Bausubstanz versteht sie Häuser, die vor dem Zweiten Weltkrieg gebaut wurden und in vielen Dörfern das Ortsbild prägen. »Alte Gebäude haben viel mehr Charme als neue«, ist Schwickert überzeugt und bedauert, es werde zu viel abgerissen: »Wir laufen Gefahr, unsere gewachsene Baukultur zu verändern und in vielen Teilen zu zerstören. Mir scheint, dass wir gerade am Beginn einer Zeit sind, die vergleichbar ist mit den 60er Jahren mit der damaligen Bau- und Abrisswut. Das gilt in erster Linie in Städten, wo abgerissen und neu und teuer wieder gebaut wird, dort wo die Grundstückspreise explodieren.«

Auf eigene Faust ein altes Haus zu sanieren, davon rät Schwickert ab: »Man kommt um die Beratung durch einen Architekten und einen Fachplaner nicht herum. Ein Energieberater kann einen Sanierungsfahrplan aufstellen.«

Institut für Energieforschung

Das Institut für Energieforschung (IFE) ist das erste interdisziplinäre Forschungsinstitut an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Ziel des IFE ist, effiziente, vernetzte und innovative Lösungen für nachhaltige Energiesysteme zu entwickeln. Dazu widmen sich die Forscher den Themen Gebäudeinfrastruktur und Nutzerkomfort, regenerative Energieversorgung und -speicher, Automatisierungstechnik/ energetische Vernetzung, Antriebstechnik und Elektromobilität sowie dem Energiemanagement (www.ife-owl.de).

Die Professorin bildet in Detmold solche Energieberater aus. Es gehe auch nicht nur um eine bessere Klimabilanz. In einem sanierten Altbau lebe man viel komfortabler als in einem nicht sanierten. Schwickert zählt als Vorteile auf: wärmere Innenoberflächen, dadurch weniger Kälteempfinden infolge von Strahlung und unangenehmem Zug. Die Expertin: »Dadurch kann die Lufttemperatur im Raum ruhig etwas abgesenkt werden, das spart zum einen Geld, ist aber aufgrund der dann etwas höheren Luftfeuchtigkeit eher gesünder für den Körper einzuschätzen. Das nützt zum Beispiel den Schleimhäuten.«

Den Einwand gegen Wärmedämmung, wonach dann die Wand nicht mehr atmen könne, hält Schwickert für Quatsch: »Das konnte sie noch nie, der Luftaustausch muss natürlich gezielt über Fenster oder raumlufttechnische Anlagen vorgenommen werden, auch nicht unkontrolliert über undichte Fugen und Leckagen, was wiederum Schäden verursachen kann.« Auch die Behauptung, neue Fenster verursachten Schimmel, lässt sie nicht gelten. Dieses Problem entstehe nur, wenn Hausbesitzer vorher ganz undichte Fenster hatten, die das Lüften sozusagen übernahmen, so dass sie selbst nie lüften mussten und es auch dabei beließen.

»Dämmen, lüften, heizen«, rät die Expertin. Was die Dicke des Dämmmaterials angehe, sei viel nicht automatisch besser. Die ersten zehn Zentimeter brächten das meiste. Doch die weiteren Zentimeter führten kaum zu Mehrkosten, so dass es immer zu empfehlen sei, mehr als die in der EnEV aufgeführten gesetzlichen Vorgaben zu tun. Bei der energetischen Sanierung sollten private Bauherren nicht nur einzelne Teile dämmen wie etwa die Wetterseite. Schwickert: »Dort, wo die Dämmung aufhört, könnte sich Schimmel bilden, obwohl dieses Probleme dort vorher nie bestand.«

Der Detmolder Bauphysiktag richtet sich an Architekten, Ingenieure und Studenten und ist von der Architektenkammer als Fortbildung anerkannt.

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