Fr., 16.02.2018

Thomas T. soll seine Nachbarin und ihr Kind erstochen haben Prozess gegen Doppelmörder aus Detmold beginnt

In einem Mehrfamilienhaus in Detmold sollen die junge Frau und ihr Sohn ermordet worden sein.

In einem Mehrfamilienhaus in Detmold sollen die junge Frau und ihr Sohn ermordet worden sein. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Rechtsanwalt Murat Baspinar vertritt ein Ehepaar, dem im September Tochter (24) und Enkel (6) genommen wurden. »Ich möchte erreichen, dass der Mörder der beiden nie wieder freikommt«, sagt der Anwalt aus Detmold.

Nächsten Donnerstag beginnt in Detmold der Prozess gegen Thomas T. (53). Dem Gelegenheitsarbeiter wird zweifacher Mord vorgeworfen, und er hat die Taten bereits gestanden. T. hatte am 9. September seine Nachbarin erstochen, die alleinerziehende Matidzhi B. Auch ihren Sohn Achmed , der wenige Tage vorher eingeschult worden war, brachte er mit einem Messer um. Er floh und wurde fünf Tage später in Hamburg gefasst.

»Er ist eine Gefahr für die Allgemeinheit«

Die Eltern der getöteten Frau sind türkischstämmig und leben in Bulgarien. »Sie werden nicht zum Prozess kommen können«, sagt Anwalt Baspinar, aber sein Auftrag ist klar. » Der Angeklagte hat vor Jahren schon einmal eine Frau angegriffen und sie beinahe getötet. Er ist eine Gefahr für die Allgemeinheit und gehört in Sicherungsverwahrung.« Das meint auch Rechtsanwalt Remzi Yalzin aus Detmold, der den getrennt lebenden Ehemann und Vater der Getöteten vertritt.

Oberstaatsanwalt Christopher Imig geht davon aus, das T. im Keller des Mehrfamilienhauses Sex mit der Frau erzwingen wollte und sie tötete, als sie sich wehrte. »Er trug die Leiche in seine Wohnung im Dachgeschoss und hinterließ dabei Blutspuren im Treppenhaus«, sagt Imig. Er nimmt an, dass der kleine Junge seine Mutter suchte und auch in die Wohnung von Thomas T. ging. »Dort wurde dann auch das Kind umgebracht.«

Gutachten liegt noch nicht vor

Eine Woche vor Prozessbeginn liegt das Gutachten, das Auskunft über die Schuldfähigkeit des 53-Jährigen geben soll, noch immer nicht vor. Sollte T. als vermindert schuldfähig gelten, ist lebenslange Haft ausgeschlossen, dann wäre bei höchstens 15 Jahren Gefängnis Schluss. Würde das Gericht allerdings zusätzlich Sicherungsverwahrung anordnen, wäre die Länge der Gefängnisstrafe zweitrangig: T. käme nach verbüßter Haft in Sicherungsverwahrung und müsste dort bleiben, bis Gutachter keine Gefahr mehr sehen.

Nicht nur die beiden Nebenklageanwälte, auch der Oberstaatsanwalt hält Thomas T. für eine Zeitbombe. 2004 hatte er in Bad Salzuflen eine Nachbarin mit mehr als 20 Stichen niedergemetzelt, bis sie das Bewusstsein verlor. T. hielt sie für tot und verging sich an ihr. Als er nach der Tat ins Bad ging, kam das Opfer zu sich und schleppte sich aus der Wohnung. Damals billigte das Landgericht Detmold Thomas T. verminderte Schuldfähigkeit zu: Er habe aufgrund einer Intelligenzminderung eine Persönlichkeitsstörung. T. bekam damals acht Jahre wegen versuchten Mordes – und kam vorzeitig frei.

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