Mo., 19.02.2018

Volker Steinbach ist der achte Präsident der IHK Lippe seit Gründung 1904 Steinbach: »Wir lieben es klein, aber fein«

Bessere Verkehrs- und Datennetze gehören zu den Zielen des neuen lippischen IHK-Präsidenten Volker Steinbach.

Bessere Verkehrs- und Datennetze gehören zu den Zielen des neuen lippischen IHK-Präsidenten Volker Steinbach. Foto: Besim Mazhiqi

Detmold(WB). Volker Steinbach ist erst der achte Präsident in der Geschichte der IHK Lippe. Über seine Schwerpunkte und Ziele sprach er mit Bernhard Hertlein.

Was zeichnet aus Sicht des neuen IHK-Präsidenten Industrie und Handel in Lippe aus?

Volker Steinbach: Lippe ist eine starke Region, das Zuhause vieler gut aufgestellter Unternehmen. Früher war hier ein Zentrum der deutschen Möbelindustrie. Heute haben wir ein breites Spektrum von Industriebetrieben, unter anderem mit dem größten europäischen Schuhanbieter sowie führenden Unternehmen der Elektronik- und Klebstoffindustrie, und vor allem mit zahlreichen »Hidden Champions«. Fast alle sind Familienunternehmen.

Was sind die größten Probleme und Herausforderungen?

Steinbach: Neben dem wachsenden Fachkräftemangel ist es die Infrastruktur, vor allem das Verkehrs- und das Breitbandnetz. Auf der Fahrt von Bielefeld nach Detmold fällt drei Mal das Mobiltelefon aus. Hauptanliegen beim Straßenbau sind nach der Ortsumgehung Barntrup der Bau der Nordwestumgehung Lemgo und eine Umgehungsstraße für Lage. Sind die Lücken bei den Autobahnen A30 und A33 geschlossen, wird das auch den Unternehmen in Lippe helfen. Was den Bahnverkehr betrifft, so setzt sich die IHK dafür ein, dass die Bahnstrecken in Lippe verbessert werden. Wir benötigen mehr Ausweichgleise für den Begegnungsverkehr. Und hätte ich das Recht, zu träumen…

Hier haben Sie es.

Steinbach: ...dann träume ich, mit der S-Bahn von Detmold über Schieder-Schwalenberg nach Hannover fahren zu können.

Wo werden Sie persönlich Schwerpunkte setzen?

Steinbach: An erster Stelle steht: Förderung der Innovationskraft unter anderem durch mehr Kooperation und mehr Wissenstransfer von den Hochschulen. Der geplante Innovationscampus in Lemgo ist ein Meilenstein für Lippe. Zusätzlich zu einer besseren Netz- und Verkehrsinfrastruktur brauchen die Betriebe vor Ort mehr Gewerbeflächen, um sich erweitern zu können. Und sie brauchen bezahlbare Energie. Ein dritter Schwerpunkt ist der Abbau bürokratischer Hürden, die vor allem Start-ups das Leben schwer machen. Die IHK macht schon viel, um das Verständnis und die Begeisterung fürs Unternehmertum in der Jugend zu fördern. Das werde ich nach Kräften unterstützen. Das hilft auch beim vierten Vorhaben, der Förderung von Fach- und Nachwuchskräften. Das Duale Ausbildungssystem gehört zum Besten, was die deutsche Wirtschaft zu bieten hat.

Gemessen an der Zahl der Mitglieder rangiert die IHK Lippe auf Platz 75 von 79 Kammern. In NRW ist Detmold sogar die kleinste. Was ist der Vorzug einer so kleinen Kammer?

Steinbach: Wir lieben es klein, aber fein. Bei uns in Lippe ist die IHK keine anonyme Organisation, sondern gehört den Unternehmern, die sich stark engagieren.

Eine mittelständische Firma, die wie die Steinbach AG auf vier Erdteilen Geschäfte macht, braucht normalerweise das volle Engagement des Unternehmers. Wie haben Sie vorgesorgt?

Steinbach: Mit unseren Söhnen Michael und Samuel engagiert sich bereits die vierte Generation. Da kann ich beruhigt Verantwortung abgeben, zumal wir uns zum Glück auf viele langjährige und engagierte Mitarbeiter stützen.

Die Ursprünge der AG liegen in Konstanz. Wollten Sie niemals dorthin zurück?

Steinbach: Oh nein! Ich bin lippischer Ureinwohner und überzeugter Lipper – gerade weil ich für unsere Firma weltweit unterwegs bin. Lippe hat schöne Städte, starke Betriebe und eine klasse Gesellschaft, die zusammenhält. In den Metropolen geht ein Großteil des Gehalts schon für die Unterkunft drauf. Und wenn wir in Lippe stöhnen, wenn wir ein paar Minuten länger zur Arbeit unterwegs sind, weil eine Ampel rot zeigt, dann brauchen Beschäftigte anderenorts täglich ein oder zwei Stunden zum Arbeitsplatz. Klar, jeder liebt seine Heimat. Aber Lippe ist schon klasse!

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