Do., 01.03.2018

Westfälische Jugendherbergen behaupten sich auf umkämpftem Markt »WLAN ist für die Kinder wichtiger als das Essen«

Die Jugendherberge Paderborn, die Heiersburg, wurde 2016 renoviert. Das zahlt sich aus: Mit 18.000 Übernachtungen erreichte das 120-Betten-Haus 2017 einen Rekordwert. Die OWL-Häuser verzeichneten wie im Vorjahr 136.600 Übernachtungen.

Die Jugendherberge Paderborn, die Heiersburg, wurde 2016 renoviert. Das zahlt sich aus: Mit 18.000 Übernachtungen erreichte das 120-Betten-Haus 2017 einen Rekordwert. Die OWL-Häuser verzeichneten wie im Vorjahr 136.600 Übernachtungen. Foto: Reschabek/DJH

Von Bernd Bexte

Detmold/Paderborn (WB). Jugendherbergen böten »mehr als Bett und Brötchen«, wirbt DJH-Hauptgeschäftsführer Bernd Dohn. Sie müssen sich aber im immer härteren Wettbewerb mit kommerziellen Hostels behaupten. Kein leichter Spagat, wie die Jahresbilanz 2017 zeigt.

Vier Millionen Gäste und mehr als zehn Millionen Übernachtungen verzeichneten die bundesweit 466 Häuser mit 71.000 Betten (2016: 471 Häuser). Damit konnte das in Detmold beheimatete Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) das Vorjahresniveau nahezu halten. Größte Zielgruppe sind nach wie vor Schulklassen. Sie stehen für 38 Prozent der Übernachtungen.

»Hier haben wir sogar einen Zuwachs um 6,5 Prozent«, erklärt Dohn. Auch Oberstufenschüler, die »ansonsten Halligalli im Ausland machen«, habe man verstärkt erreichen können. Familien machen 20 Prozent der Übernachtungen aus, Freizeitgruppen 18, Teilnehmer an Lehrgängen und Tagungen 14 Prozent.

»Die Jugendherberge ist auch ein Lernort«

Ein Knackpunkt ist das Thema WLAN. »Für Schulkinder ist das mittlerweile wichtiger als das Essen«, sagt Dohn. In den öffentlichen Bereichen der Jugendgästehäuser sei die kabellose Internetverbindung zwar Standard, »aber nicht auf jedem Zimmer«. Um auch dort WLAN anbieten zu können – und gerade für jugendliche Smartphone-Nutzer sei das eine Selbstverständlichkeit – müsse in vielen Häusern die Technik aufgerüstet werden. »Andererseits wollen Lehrer nicht, dass die Schüler auf Klassenfahrten ständig am Handy daddeln.«

Eine grundsätzliche Entscheidung bezüglich flächendeckenden WLANs gebe es deshalb noch nicht. »Wir diskutieren das noch«, sagt Dohn. Schließlich stehe ein Jugendherbergsaufenthalt für pädagogische Erlebnisse. »Die Jugendherberge ist auch ein Lernort«, definiert er den großen Unterschied zu Mitbewerbern.

Topziel ist Münster

Vor allem in den Metropolen mache sich der Wettbewerbsdruck durch kommerzielle Hostels bemerkbar. Vermutlich auch deshalb seien die Übernachtungszahlen im Rheinland um fünf Prozent gesunken. Unter anderem liegt hier das deutschlandweite Topziel Köln (drei Häuser). In den Großstädten gehe vieles über den Preis: »In Berlin gibt es Hostels für 12,50 Euro pro Nacht im 16-Bett-Schlafsaal.«

Der Durchschnittspreis beim DJH liege für Jugendliche bei 22 Euro, inklusive Frühstück. Trotz Touristenbooms in den Metropolen ist für das DJH das Geschäft in der Fläche entscheidend: »Mehr als 80 Prozent unserer Standorte liegen außerhalb der Großstädte.« Das funktioniert: Denn anders als im Rheinland (37 Häuser) sind im eher ländlichen Westfalen-Lippe (28 Häuser) die Übernachtungszahlen um vier Prozent gestiegen. Topziel ist hier Münster. Das Jugendgästehaus am Aasee zählt fast 58.000 Übernachtungen.

Mehr als 18.000 Übernachtungen in der Jugendherberge Paderborn

Dass Westfalen gut abschneidet, liegt auch an vielen Investitionen. Von bundesweit insgesamt zwölf Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr fünf Millionen in die Häuser der Region investiert. Etwa in die Wewelsburg oder im Jahr davor in die Jugendherberge Paderborn. Letztere hat mit mehr als 18.000 Übernachtungen einen Rekordwert erreicht. Das Haus mit 120 Betten war 2016 aufwändig renoviert worden. Und die Wewelsburg verfügt jetzt über 14 Komfortzimmer. Im Herbst sollen dort weitere Gästezimmer renoviert werden.

Das DJH hat bundesweit mittlerweile mehr als 2,4 Millionen Mitglieder. 1990 besaßen erst eine Million Menschen eine Mitgliedskarte. Im nächsten Jahr wird das DJH 100 Jahre alt. Mit der Uni Paderborn wird die Geschichte des Jugendherbergswerks erforscht. Dies mündet in eine Ausstellung, die von September 2019 an im Lippischen Landesmuseum Detmold zu sehen sein wird.

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