Do., 01.03.2018

Detmolder Schwurgericht zieht bei Urteil wegen Doppelmordes alle Register Mehr geht nicht

Nach dem Doppelmord standen Blumen und dieses Foto von Hatidzhe B. (24) und ihrem Sohn am Tatort.

Nach dem Doppelmord standen Blumen und dieses Foto von Hatidzhe B. (24) und ihrem Sohn am Tatort. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Detmold (WB). Das Detmolder Schwurgericht hat den Gelegenheitsarbeiter Thomas T. (53) am Mittwoch wegen Mordes an seiner Nachbarin (24) und ihrem Sohn (6) zu der höchsten Strafe verurteilt, die das deutsche Recht ermöglicht.

Die Kammer unter Vorsitz von Karsten Niemeyer verhängte nicht nur lebenslange Haft.  Sie stellte auch eine besonders schwere Schuld fest – damit ist eine Haftprüfung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Und sie ordnete außerdem Sicherungsverwahrung für den Fall an, dass die Strafe jemals als verbüßt gelten sollte. Mit diesem Urteil haben die Richter alles getan, damit der Doppelmörder Thomas T. nicht mehr freikommt. Die Gefahr, dass er anderenfalls wieder einen Mord begehe, sei »greifbar«, sagte Niemeyer.

Schon 2004 war Thomas T. mit einem Messer über eine Nachbarin hergefallen, weil die ihn zurückgewiesen hatte. In der Annahme, sie sei tot, hatte Thomas T. die Frau missbraucht. Oberstaatsanwalt Christopher Imig sagte in seinem Plädoyer: »Selbst wenn er damals nicht acht Jahre, sondern länger für den versuchten Mord bekommen hätte, wäre der Doppelmord 13 Jahre später nicht zu verhindern gewesen.«

Opfer hoffte auf ein besseres Leben in Deutschland

Imig erinnerte an das jüngste Opfer, die Bulgarin Hatidzhe B. (24). »Sie kam 2016 mit ihrem Sohn nach Deutschland und hoffte auf ein besseres Leben.« Doch ihr Ehemann sei gewalttätig gewesen. »Deshalb war sie froh, als sie mit ihrem Kind eine eigene Wohung in Detmold fand und bei einem Möbelhändler arbeiten konnte.«

Am 9. September 2017 bat sie ihren Nachbarn Thomas T., ihr beim Transport eines Schranks in den Keller zu helfen. Ihr Sohn Ahmed, gerade sechs Jahre alt geworden, sah »Tom & Jerry« im Fernsehen, während die beiden Erwachsenen den Schrank nach unten trugen. Im Keller soll Thomas T. die Frau um einen Kuss gebeten haben. Als sie ihn zurückwies, stach er wie im Wahn mit einem Messer zu. Dann trug er die schwerverletzte, blutende Frau aus dem Keller in seine Dachgeschosswohnung, wo er den Mord vollendete.

Sechsjähriger wird von 15 Stichen getroffen

Das Gericht geht davon aus, dass Ahmed wenig später nach seiner Mutter rief und Thomas T. zu erkennen gab, dass sie bei ihm sei. »Als der Junge an Ihrer Wohnungstür auftauchte, haben Sie zugestochen, um ihn als Zeugen zu beseitigen«, sagte der Vorsitzende Richter. 15 Stiche hätten den Sechsjährigen getroffen, »der zum Glück schnell tot war«. Niemeyer sprach von einer »unfassbaren Brutalität gegen das völlig unbeteiligte Kind«.

Wie schlimm das Gemetzel gewesen sein muss, deutete der Oberstaatsanwalt an: »Wir haben dem Polizisten, der über Stunden Spuren an dem toten Kind sichern musste, die Zeugenaussage vor Gericht erspart. Er war damals mehrere Tage nicht dienstfähig.« Ein anderer Polizist hatte ausgesagt, er bekomme das Bild des Jungen nicht mehr aus dem Kopf.

Gutachterin: Thomas T. projiziert Selbsthass auf Frauen

Zum Motiv sagte Gutachterin Dr. Nahlah Saimeh, Thomas T. halte sich für einen hässlichen Trottel. »Diesen Selbsthass projiziert er im Moment der Zurückweisung auf Frauen.« Die Ärztin hält den Mann, der einen IQ von 67 hat, für schuldfähig und sagte, von ihm gehe eine hohe Wiederholungsgefahr aus. Von einer Unterbringung in der Psychiatrie riet die Ärztliche Direktorin der Gerichtspsychiatrie Eickelborn ab: »Den Mann kann man nicht therapieren.«

Die Hinterbliebenenanwälte Murat Baspinar und Remzi Yalzin forderten ebenso wie der Oberstaatsanwalt die Höchststrafe, die schließlich auch verhängt wurde. Auch Verteidiger Helmut Wöhler hielt lebenslange Haft für angemessen, sprach sich aber gegen jede weitere Strafverschärfung aus.

Wöhler sagte nach der Urteilsverkündung, sein Mandant habe mit der lebenslangen Haft gerechnet. »Er ist erleichtert, dass er ins Gefängnis kommt und nicht in die Psychiatrie.«

Todesstrafe erwähnt

Anwalt Murat Baspinar, der die Mutter und ihr Kind gekannt hatte, sagte in seinem Plädoyer zum Angeklagten: »Mancher im Publikum hält Sie für ein Monster, ein Krebsgeschwür, das man ausrotten muss. Manche wünschen Ihnen die Todesstrafe, aber die haben wir hier nicht.«

Verteidiger Helmut Wöhler konterte, so dürfe ein Anwalt nicht reden. Der Vorsitzende Richter sagte, Überlegungen zur Todesstrafe hätten in einem deutschen Gerichtssaal nichts verloren. Murat Baspinar bat um Entschuldigung. Er habe aber nicht der Todesstrafe das Wort geredet und sei falsch verstanden worden.

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