Mi., 14.02.2018

Erzieher (46) aus Extertal steht vor Gericht Missbrauch im Kinderheim?

Das private Kinder- und Jugendheim Hirschkuppe: Hier sollen Jungen zehn Jahre lang missbraucht worden sein.

Das private Kinder- und Jugendheim Hirschkuppe: Hier sollen Jungen zehn Jahre lang missbraucht worden sein. Foto: Insinger

Von Christian Althoff

Extertal/Rinteln (WB). Etwa 50 Kinder und Jugendliche sind im Jugendhof Hirschkuppe in Rinteln untergebracht, die meisten durch das Jugendamt Bielefeld. Jetzt wurde bekannt: In dem Heim sollen Jungen jahrelang von einem Erzieher (46) aus Extertal (Kreis Lippe) missbraucht worden sein. Er steht deshalb von Mittwoch an vor dem Landgericht Bückeburg.

Der Jugendhof ist ein privates Heim, das vor 43 Jahren gegründet wurde. Die Kinder und Jugendlichen aus NRW und Niedersachsen leben jeweils zu zehnt in geschlechtergemischten Gruppen. Es sind Kinder, die in ihrem Zuhause missbraucht oder anders misshandelt wurden, die weglaufen, die massive Schulschwierigkeiten haben, oder deren Eltern mit der Erziehung überfordert sind.

Im Herbst 2012 hatte ein früheres Heimkind den Erzieher angezeigt. Dr. Thorsten Garbe, Sprecher des Landgerichts Bückeburg: »Es stellte sich heraus, dass die mutmaßlichen Taten in diesem Fall bereits verjährt waren. Aber die Kripo hat akribisch weiterermittelt und ist auf mutmaßliche weitere Opfer gestoßen.«

Zwischen 1999 und 2009

Die Staatsanwaltschaft geht heute von vier Opfern aus, die zwischen 1999 und 2009 missbraucht worden sein sollen. Sie sollen zur Tatzeit mindestens zwölf Jahre alt gewesen sein. Zu den Verbrechen soll es in der Hirschkuppe selbst, auf Freizeiten oder im Auto des Mannes gekommen sein.

Die Anklage soll zum Prozessauftakt öffentlich verlesen werden, danach werden weite Strecken der mehrmonatigen Verhandlung zum Schutz der mutmaßlichen Opfer hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Fluktuation der Erzieher hoch?

Der Betreiber des Heims möchte sich zu dem Fall öffentlich nicht äußern. In der Hirschkuppe soll niemand etwas von dem mutmaßlichen jahrelangen Missbrauch geahnt haben. Allerdings ist die Fluktuation der Erzieher dort nach Angaben eines früheren Mitarbeiters groß. Den Grund sieht der Erzieher »in dem autoritären Führungsstil« des Betreiber­paares.

Ein ehemaliger Kollege des entlassenen Erziehers sagte, er traue dem Mann die Taten nicht zu. »Er war sehr beliebt. Er war jemand, der den Kindern noch Werte vermittelte. Er hat ein unglaubliches Allgemeinwissen. Die Kinder und Jugendlichen konnten mit allen Fragen zu ihm kommen.« Er habe allerdings auch seine Lieblinge gehabt, die dann auch Vorteile genossen hätten. »Aber Missbrauch? Das glaube ich erst, wenn es bewiesen ist.«

Erzieher bestreitet Vorwürfe

Der Erzieher bestreitet die Vorwürfe und möchte im Prozess einen Freispruch erreichen. Norbert Kütemeyer, der Vorsitzende der 1. Großen Jugendkammer, hat elf Sitzungstage anberaumt, an denen das Gericht 24 Zeugen hören will – vor allem mutmaßliche Opfer, Polizisten und Heim­mitarbeiter.

Verläuft der Prozess nach Plan, wird das Urteil am 23. April gesprochen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5522568?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2949424%2F