Mi., 31.01.2018

Oerlinghausen: Viele besorgte Anwohner, aber keine Beweise Kommen die Einbrecher aus der Flüchtlingsunterkunft?

473 Menschen leben in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Oerlinghausen, nicht weit vom Segelflugplatz entfernt. Dass einige Bewohner Diebstähle begehen, steht laut Polizei fest. Ein Einbruch wurde aber noch niemandem nachgewiesen.

473 Menschen leben in der Zentralen Unterbringungseinrichtung in Oerlinghausen, nicht weit vom Segelflugplatz entfernt. Dass einige Bewohner Diebstähle begehen, steht laut Polizei fest. Ein Einbruch wurde aber noch niemandem nachgewiesen. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Oerlinghausen (WB). Lippe hat ein Problem. Während ringsherum die Wohnungseinbruchszahlen zweistellig sinken, nehmen sie in dem ländlichen Kreis zu. Spielt die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) des Landes in Oerlinghausen eine Rolle?

In der Nacht nach dem Orkan »Friederike« schreckte Rita Pollatz hoch, weil sie ein Geräusch hörte. Es war ein Einbrecher, der gerade ein Fenster aufgebrochen hatte, dann aber floh. »Wir haben eine halbe Stunde auf die Polizei gewartet«, sagt Olaf Pollatz.

Das Ehepaar lebt in der Nachbarschaft der Zentralen Unterbringungseinrichtung. »Ich beschuldige niemanden. Aber der Verdacht, dass der Einbrecher von dort kam, liegt für mich nahe«, sagt Pollatz. Schließlich habe er im vergangenen Jahr einen Flüchtling im Garten seines Nachbarn erwischt und der Polizei übergeben.

Zuwanderer mit geringer Bleibeperspektive untergebracht

Knapp 18.000 Menschen leben in Oerlinghausen. In den ersten vier Wochen des Jahres wurden zwölf Einbrüche in Wohnhäuser und elf Einbrüche in Firmen und andere Objekte bekannt. Das sind mehr Einbrüche als in der dreimal so großen Stadt Bad Salzuflen.

»Die Entwicklung von Straftaten verläuft in Oerlinghausen negativer als in anderen Bereichen Lippes«, sagt Polizeisprecher Uwe Bauer. Genaue Zahlen für 2017 würden derzeit erarbeitet.

Vor fünf Jahren wurde die Flüchtlingsunterkunft in der abseits gelegenen früheren Hellweg-Suchtklinik eingerichtet. Die Probleme nahmen nach Einschätzung der Polizei 2017 zu, nachdem sich NRW entschloss, dort und in vier weiteren Städten konzen­triert Zuwanderer mit geringer Bleibeperspektive unterzubringen.

Von den 473 Menschen, die im Moment in der ZUE Oerlinghausen leben, kommen 318 aus Georgien und Albanien – Länder mit Schutzquoten von etwa zwei Prozent. Das bedeutet, dass nur jeder 50. aus Georgien oder Albanien in Deutschland bleiben darf.

Keine Beweise für Einbrecher aus der Unterkunft

Dass aus dem Kreis dieser Menschen Straftaten begangen werden, ist dokumentiert. »2017 hatten wir in Schloß Holte-Stukenbrock eine Zunahme der bekanntgewordenen Ladendiebstähle um mehr als 100 Prozent«, sagt Corinna Koptik, Sprecherin der Polizei im Kreis Gütersloh.

In etlichen Fällen seien die Verdächtigen Bewohner der ZUE gewesen. »Auch Fahrräder, die bei uns gestohlen wurden, tauchten in der Nähe der ZUE wieder auf.« Die Flüchtlingsunterkunft ist vom Zentrum Oerlinghausens etwa so weit entfernt wie von Schloß Holte-Stukenbrock. Deshalb sind beide Kommunen gleichermaßen betroffen.

Dass die Bewohner der Unterkunft auch Wohnungseinbrüche begehen, wie es von einigen Nachbarn vermutet wird, ist allerdings bisher nicht bewiesen. In Schloß Holte-Stukenbrock sank die Zahl der Wohnungseinbrüche im vergangenen Jahr sogar um 48 Prozent – von 32 auf 17. Und ein Verdächtiger, den die lippische Polizei im November wegen zahlreicher Einbrüche in Oerlinghausen festnahm, kam aus Höxter.

Warnung per Whats-App-Gruppe

Trotzdem haben viele Menschen, die in der Nähe der Einrichtung wohnen, ein schlechtes Gefühl, und sie warnen sich in einer Whats-App-Gruppe vor möglichen Gefahren.

Die Politik hat die Stimmung erkannt. Im Dezember beschloss Oerlinghausens Stadtrat eine Resolution, mit der das Land aufgefordert wird, Asylsuchende mit geringer Bleibeperspektive auf alle Einrichtungen im Land zu verteilen.

Dieser Forderung wird sich der Stadtrat von Schloß Holte-Stukenbrock in seiner Sitzung am 6. Februar wohl anschließen. »Die erlebbare Kriminalität im Umfeld der ZUE entwickelt sich zu einem Sprengsatz für die Akzeptanz der Flüchtlingspolitik«, schreibt Bürgermeister Hubert Erichlandwehr.

Das NRW-Flüchtlingsministerium plant in absehbarer Zeit allerdings nicht, Flüchtlinge anders zu verteilen. Die fünf großen Einrichtungen für Menschen ohne Bleibeperspektive in Oerlinghausen, Bonn, Willich, Hamm und Ibbenbüren würden bleiben, sagte Ministeriumssprecherin Wibke Op den Akker gestern.

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