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Mi., 25.10.2017

Lippischer Naturfilmeabend am 7. November in Bad Salzuflen Viele Pannen bis zum Spektakel

Diese Kamera haben die Naturfilmer Sarah Herbort und Robin Jähne eigens für den Dreh eines Rotmilans entwickelt. Hier machen sie gerade das Gerät drehfertig.

Diese Kamera haben die Naturfilmer Sarah Herbort und Robin Jähne eigens für den Dreh eines Rotmilans entwickelt. Hier machen sie gerade das Gerät drehfertig. Foto: Robin Jähne

Bad Salzuflen (SZ). Zum ersten Mal präsentieren die Natur- und Tierfilmer Robin Jähne und Sarah Herbort mit Moderatorin Julia Ures in Bad Salzuflen einen Naturfilme-Abend. Am 7. November dürfen sich die Besucher auf viele spektakuläre Aufnahmen aus Natur- und Tierwelt freuen.

Die Filmer gestatten an diesem Abend einen Blick hinter die Kulissen: In dem brandneuen Programm »Frostbeulen für den Koboldmaki« erleben die Zuschauer, wie die faszinierenden Szenen entstanden sind und was einen Naturfilmer beispielsweise nach Madagaskar treibt. Doch auch in Lippe gibt es viel zu entdecken: In ihrem neuen Film geht es um die Geheimnisse der alten Sandberge am Rande der Senne.

Robin Jähne ist Naturfilmer. Zusammen mit Kollegin Sarah Herbort dreht er international preisgekrönte Naturdokumentationen. Das Besondere daran: Oft entwickeln die beiden spezielle, eigene Techniken für einen ganz bestimmten Einsatz.

Wie entsteht so ein Naturfilm?

Das weckte die Neugier von Moderatorin Julia Ures und brachte sie auf eine Idee: »Es wäre doch interessant, einmal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Wie entsteht so ein Naturfilm? Was hat es mit den speziellen Techniken auf sich? Und welche lustigen Pannen passieren?« So entstand ein kurzweiliges Programm mit dem Titel »Frostbeulen für den Koboldmaki« – ein Making-of des Films über den Schieferfalken.

Der Naturfilmeabend der Volkshochschule startet am 7. November um 19 Uhr mit einem lippischen Projekt: »Die Geheimnisse der alten Sandberge« entführt in die Sennelandschaft. Dazu gehört das Augustdorfer Dünenfeld mit den ältesten Binnendünen Norddeutschlands.

Oft wird es dann richtig spannend, wenn die Zuschauer einen ungewöhnlichen Blick auf die verborgenen oder unscheinbaren Besonderheiten werfen können. »Wer genau hinsieht, kann eine Menge spannender Geschichten erleben«, sagt Sarah Herbort. So beispielsweise das Schwarzkehlchen. Es ist selten und streng geschützt. Sein Nest befindet sich auf dem Boden, meist in einem dicken Grasbüschel. Die Filmer entdeckten es und setzten eine revolutionäre Fernsteuertechnik ein. Jähne: »Hätten wir da im Tarnzelt gesessen, hätten wir die Tiere gestört. Unter solchen Umständen würden wir niemals drehen.«

Deswegen deponierten sie eine Kamera, die über Funk gesteuert wird. »Die wurde innerhalb weniger Minuten akzeptiert«. Die Filmer sitzen hunderte Meter entfernt, können auf einem Monitor sehen, was die Kamera aufnimmt und so störungsfreie Aufnahmen machen. Der Lohn für den Aufwand waren einzigartige Bilder aus dem Nest der Schwarzkehlchen.

Ungewöhnliche Lösungen bringen ungewöhnliche Einblicke

Um besondere Einblicke in das Leben der Tiere zu erhalten, entstehen in der Werkstatt oft ungewöhnliche Lösungen. »Für unseren Film über Rotmilane haben wir extra eine Art Kamerafahrstuhl kreiert und gebaut«, verrät Robin Jähne. So erreichen die Filmer zwei wichtige Ziele: Scheue Tiere aus unmittelbarer Nähe zu beobachten, ohne durch persönliche Anwesenheit zu stören. »Das ist uns wichtig, weil wir sonst auch kein authentisches Verhalten aufzeichnen könnten«, sagt der Detmolder, der seit mehr als 25 Jahren Naturfilme dreht.

Die Technik ersetzt aber nicht das, was im Naturfilm ganz wichtig ist: genaue Kenntnisse der Biologie und jede Menge Geduld. Robin Jähne: »Es kommt schon mal vor, dass man ein paar Tage jeweils zehn oder mehr Stunden ansitzt – und nichts passiert«, verrät Jähne. Nicht immer gestaltet sich das Warten angenehm: Im eisigen Winter weht dann schon mal Schnee durch das Zelt der Naturfilmer oder die Temperaturen in ihrem Tarnversteck im Oman kletterten auf 50 Grad.

Bleibt nur noch die Frage, wo die Kiste mit der elektronischen Steuerung zum Einsatz kam: Bei einer »Kesselmeise«. Robin Jähne sagt schmunzelnd: »Falls Vogelkundler jetzt Fragezeichen in den Augen haben: Es war eine ganz normale Kohlmeise, die sich aber einen ungewöhnlichen Ort für die Brut ausgesucht hatte: einen alten Teekessel, der als Dekoration auf der Fensterbank stand.

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