Mi., 27.12.2017

Wetterbedingungen stellen Bauern vor hohe Herausforderungen Gute Ernte trotz viel Regen

Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen. Die Bilanz der Landwirte fällt dennoch zufriedenstellend aus.

Reichlich Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte und im Herbst bei der Mais-, Kartoffel und Zuckerrübenernte vor große Herausforderungen. Die Bilanz der Landwirte fällt dennoch zufriedenstellend aus. Foto: Florian Pottkamp

Detmold (WB). Ungewöhnliche Wetterbedingungen haben die heimischen Landwirte in den zurückliegenden zwölf Monaten vor Herausforderungen gestellt. »2017 war ein strapaziöses Jahr«, fasst es der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Lippe, Dieter Hagedorn, in einer Bilanz zusammen.

Der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, dann Frost im April, der besonders die Obstbaumblüte mit Nachtfrösten traf. Im Juni Hitze und Trockenheit. Danach bis zum Jahresende immer wieder nasse Witterung. Der Regen stellte die Bauern im Sommer bei der Getreide- und Rapsernte, bei den Herbsterntearbeiten und auch bei der Neuaussaat vor hohe Herausforderungen. Teilweise konnte die Wintergerste erst spät, Mitte Oktober, ausgesät werden. Ebenso gestaltete sich die Weizenaussaat bis in den Dezember hinein schwierig. Beide Getreidearten konnten auf nassen Standorten zum Teil gar nicht in den Boden gebracht werden. Hagedorn: »Der Regen ist, ganz im Gegensatz zum letzten Jahr, vor allem in der zweiten Jahreshälfte mehr als überreichlich gewesen.«

Herbststürme schädigen Mais

Hinzu kamen Herbststürme, die beim Mais regional erhebliche Sturmschäden verursachten. »Im Großen und Ganzen konnten wir trotzdem beim Mais eine gut durchschnittliche Ernte und bei den Kartoffeln eine gute Ernte bei durchschnittlichen Qualitäten verbuchen«, sagt der Vorsitzende. Die Zuckerrüben zeigten sehr gute Erträge mit guten Zuckergehalten. Die Preise der pflanzlichen Erzeugnisse liegen dagegen unter dem langjährigen Mittel.

Der Blick vom Acker in den Stall: Der Milchpreis habe sich zum Glück in diesem Jahr erholt. Die wirtschaftliche Lage habe sich für die Milchbauern deutlich entspannt. Das sei aufgrund der hohen Verluste der Krisenjahre 2015 und 2016 dringend notwendig gewesen. »Die Milchbauern brauchen noch eine längere Phase, da sie in der Zeit der Preiskrise erhebliche Verbindlichkeiten aufgebaut haben«, erläutert Hagedorn. Doch derzeit zögen zunehmend dunkle Wolken am Milchmarkt auf, die die Aussichten für 2018 stark eintrüben würden.

Ein Thema, das die heimischen Landwirte besonders bewegt, seien die Stalleinbrüche einiger Tierrechtsorganisationen. »Einbrüche sind Straftaten und keine Heldentaten«, sagt der Vorsitzende. Wer sich ohne Erlaubnis Zutritt zu Ställen verschaffe, handele kriminell und gefährde bewusst die Tiere.

Das Vorrücken der Afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa sehen die Bauern weiterhin mit großer Sorge. Vor allem über ein Verschleppen durch den Menschen könne die Tierseuche sprunghaft große Entfernungen in kurzer Zeit überbrücken und so rasch Deutschland treffen. Da die Gefährdung ebenso von der hohen Wildschweinpopulation ausgehe, appelliert der Vorsitzende an die Verantwortung von Landwirten und Jägern. Das ASP-Virus, das für den Menschen ungefährlich sei, habe aber für die Schweine, Bauern und für die gesamte Wertschöpfungskette verheerende Folgen.

Ärger um stetig wachsende Auflagen

Sorgen bereiten den Landwirten ebenso »stetig wachsende Auflagen, Verordnungen und Gesetze«. Die neue, verschärfte Düngeverordnung enthalte beispielsweise sehr komplexe Vorgaben. Die Zeiträume, in denen Dünger aufgebracht werden dürfe, seien verkürzt worden. »Die organische Düngung wird vom Herbst stärker in das Frühjahr verlagert«, schildert Hagedorn. Dieses führe möglicherweise dazu, dass die Gülledüngung von der Bevölkerung noch stärker wahrgenommen werde, weil sie dann zeitlich sehr eng erfolgen müsse.

Große Aufgaben der Zukunft, so Hagedorn, seien für die Landwirte eine komplexer werdende Marktsituation, der Strukturwandel und die wachsenden Forderungen der Gesellschaft an eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft. »Für die Bauernfamilien bleibt es eine Daueraufgabe und ein Spagat, die heutige Landwirtschaft zu vermitteln, die steigenden Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen und dabei wirtschaftlich zu überleben«, betont der Vorsitzende der Landwirte.

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