Di., 13.02.2018

Zu wenig Kunden in Oesterholz: Inhaber will die »Reißleine ziehen« Richard Maul schließt Nahkauf

Nahkauf-Inhaber Richard Maul wird den 330 Quadratmeter großen Markt in Oesterholz am 28. Februar schließen – es sei denn, es gibt bis dahin einen Nachfolger. Mit im Bild ist seine Mitarbeiterin Irina Markwart.

Nahkauf-Inhaber Richard Maul wird den 330 Quadratmeter großen Markt in Oesterholz am 28. Februar schließen – es sei denn, es gibt bis dahin einen Nachfolger. Mit im Bild ist seine Mitarbeiterin Irina Markwart. Foto: Klaus Karenfeld

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Der Nahkauf in Oesterholz schließt voraussichtlich am 28. Februar seine Pforten. Für die Entscheidung macht Inhaber Richard Maul »anhaltend geringe Umsatzzahlen« verantwortlich und stellt klar: »Jetzt ist es notwendig, die Reißleine zu ziehen. Es sei denn, es findet sich noch ein Nachfolger.«

Der Nahkauf ist der letzte Nahversorger am Ort. Über das Aus des Nahkauf-Marktes war in der Vergangenheit wiederholt spekuliert worden. »Bereits 2016 verzeichneten wir deutlich sinkende Kunden- und Umsatzzahlen«, erinnert sich Maul.

Neue Hoffnung kam auf, als das Mitarbeiterteam kurz darauf eine große Werbeaktion startete und mit Flyern für den Erhalt des Marktes warb. An die Kunden appellierten sie damals eindringlich: »Bitte unterstützen sie uns, damit der sozial Schwache, die nicht mobilen Menschen, die Kinder und Pflegebedürftigen, weiter eine Chance haben, ihr Leben eigenständig zu führen.«

Soll am 28. Februar geschlossen werden: der Nahkauf-Verbrauchermarkt in Oesterholz-Haustenbeck. Foto: Klaus Karenfeld

Neben den örtlichen Vereinen und Parteien machte sich immer wieder auch Bürgermeister Ulrich Knorr für den Nahkauf in Oesterholz stark. »Entscheidend ist, dass die Bürger vor Ort das Angebot annehmen, um den Bestand zu sichern«, hatte Knorr damals betont und hinzugefügt: »Die Eigeninitiative kann nur aus dem Ortsteil heraus entstehen.«

Die Welle der Unterstützung habe neuen Mut für die Zukunft gemacht, sag Richard Maul. Die Umsatzzahlen verbesserten sich seinen Angaben zufolge um bis zu fünf Prozent. Die Hoffnung war aber nur von kurzer Dauer. Ende 2016 schlossen kurz hintereinander die beiden in Oesterholz ansässigen Bankfilialen. Wer Geld von seinem Konto abheben will, muss seitdem zu den Banken in Schlangen fahren. »Viele Menschen tätigen auf diesem Weg auch ihre Einkäufe in der Ortsmitte«, weiß Maul zu berichten. »Dabei halten wir in Oesterholz ein breit gefächertes Waren- und Frische-Angebot vor, das sich preislich nicht von anderen Nahversorgern unterscheidet«, betont der 55-Jährige.

Kommentar

Jetzt ist es also doch soweit: Der Nahkauf in Oesterholz schließt. Trotz aller Rettungsaktionen mit Handzetteln und neuer Coffee-to-go-Bar sind die Umsätze eingebrochen – und das über einen längeren Zeitraum. Die Mitarbeiter haben leider vergebens gekämpft. Damit verliert Oesterholz nach den beiden Bankfilialen ein weiteres Stück Infrastruktur – und das ist schade. Der Ortsteil, der mit vielen jungen Familien vor Leben strotzen müsste, entwickelt sich immer mehr zur Schlafstätte. Letztendlich folgt die Schließung einem deutschlandweiten Trend. Die Kunden entscheiden, wo sie ihr Geld ausgeben wollen. Bleibt für alle Älteren und wenig Mobilen zu hoffen, dass sich doch ein Nach­­folger findet. Sonja Möller

Gute Noten stellt der Geschäftsmann auch seinen Mitarbeitern aus: »Es hat in unseren zehn Filialen zuletzt noch eine Umfrage zur Kundenzufriedenheit gegeben. Der Nahkauf in Oesterholz lag dabei ganz weit vorne.« Auch das Serviceangebot wertet Maul als »sehr beachtlich«. Kunden im örtlichen Nahkauf hätten zum Beispiel die Möglichkeit, Bargeld von ihrem Girokonto abzuheben. Außerdem verfüge der 330 Quadratmeter große Markt über eine Paketannahme- und -ausgabestelle.

Maul macht eine einfache Rechnung auf: »Wenn jeder der 2000 Oesterholzer Einwohner im Schnitt nur zwei Euro am Tag in unserem Markt ausgegeben hätte, stünde der Nahkauf heute nicht vor dem Aus.« Dabei sei Oesterholz ein weiter wachsender Ortsteil. »Der Bedarf für einen Nahversorger müsste hier eigentlich gegeben sein«, bedauert Maul und schüttelt leicht den Kopf.

In eine ungewisse Zukunft blicken auch einige Markt-Mitarbeiter. Die drei Auszubildenden werden ihre Lehrzeit in einer anderen Filiale von Richard Maul fortsetzen können. Eine Mitarbeiterin hat eine Anstellung im Nahkauf in Heidenoldendorf gefunden. Den restlichen drei Teilzeitkräften ist gekündigt worden. Sie müssen wie viele Kunden darauf hoffen, dass Richard Maul über kurz oder lang doch noch einen Nachfolger für den letzten Nahversorger in Oesterholz findet. Es gebe bereits entsprechende Gespräche, bestätigte der Nahkauf-Inhaber im Gespräch mit dieser Zeitung.

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