Do., 15.02.2018

Spendenaktion für krebskranke Yvonne Dudding aus Schlangen Ein Jahr ist viel zu kurz für ein Leben

Genießen jede Minute zusammen: Jamie Dudding mit seiner Frau Yvonne und den Söhnen Riley und Taylor (rechts).

Genießen jede Minute zusammen: Jamie Dudding mit seiner Frau Yvonne und den Söhnen Riley und Taylor (rechts). Foto: Sonja Möller

Von Sonja Möller

Schlangen (WB). Mit 29 Jahren steht man normalerweise mitten im Leben. Die Ausbildung ist beendet, vielleicht schon eine Familie gegründet und man freut sich auf all die Jahre, die vor einem liegen. Es gibt noch so viel zu sehen und zu erleben. Yvonne Dudding (29) geht es genauso. Doch dann wird ein Tumor bei ihr diagnostiziert. Und plötzlich hat sie nur noch ein Jahr Zeit.

Bis September 2017 lebt Yvonne Dudding ein ganz normales Leben. Sie wohnt mit ihrem Mann Jamie und ihren Söhnen Taylor (4) und Riley (2) in Schlangen und arbeitet halbtags als Verwaltungsfachangestellte im Einwohnermeldeamt Bad Lippspringe.

Irgendwann ist ihr öfter übel. Auch der Appetit bleibt aus. Doch die junge Mutter schreibt das dem Stress mit Familie und Arbeit zu: »Ich dachte, vielleicht ein Magengeschwür.« Auf Raten ihrer Mutter Gabi lässt sie bei ihrem Hausarzt einen Ultraschall machen, dann ein MRT. »Ich hab mir nichts dabei gedacht, bin sogar noch arbeiten gegangen«, erzählt Yvonne Dudding.

Ihr Hausarzt vermutet einen Lebertumor. Sie soll sofort ins Krankenhaus. »Das war erstmal ein Schock. Ich habe das nicht richtig realisiert. Das Wort ›Tumor‹ zieht einem den Boden unter den Füßen weg. Ich dachte, das kann nur ein Irrtum sein«, erinnert sie sich.

Das Gallengangskarzinom hat bereits gestreut

Es war keiner. Nach zwei Wochen voller Untersuchungen steht fest: Es ist ein Gallengangskarzinom, das auf die Leber gestreut hat. Der Tumor dort ist sieben Zentimeter groß. »Normalerweise treten diese Karzinome bei 50- bis 70-Jährigen mit einem genetischen Defekt auf«, hat Yvonne Dudding recherchiert. Der Rest ihres Körpers ist tumorfrei. Das macht Hoffnung.

Yvonne Dudding bei ihrer Chemotherapie. Foto: privat

Ihr Onkologe sagt, dass der Krebs unheilbar ist, sie die Chemotherapie aber ambulant durchführen kann. »Ich habe mich immer noch nicht verrückt gemacht. Es gibt mehrere Krankheiten, die unheilbar sind, mit denen man aber gut leben kann«, sagt sie. Yvonne Dudding bekommt einen Port an der Hauptschlagader, der sich deutlich an ihrem Schlüsselbein abzeichnet. »Das ist ein dauerhafter Zugang zum Blutsystem. Darüber bekomme ich meine Chemo und man kann sogar Blut darüber abnehmen«, erzählt sie.

Die ambulante Chemotherapie verträgt die Schlängerin sehr gut. Sie fühlt sich wohl, hat immer ihre Schwester Denise oder ihren Mann bei sich. »Wir haben Spiele gespielt, geredet. Alle sind richtig nett dort. Ich habe gedacht, wenn das so weiter läuft, ist das in Ordnung. Damit komme ich zurecht.« Yvonne Dudding merkt die Krankheit natürlich. Sie ist nicht mehr so schnell. Die Jungs hochheben geht auch nicht mehr. Aber sie kann sich damit arrangieren.

»Zwölf Monate sind so wenig Zeit«

Am 29. November hat sie die erste CT-Kontrolle. Der Krebs hat nicht weiter gestreut. »Das war gut. Sie haben aber wieder das Wort ›unheilbar‹ benutzt und ich habe gefragt, ob das jetzt mit der Chemo für immer so bleibt.« Tränen treten in ihre Augen, als sie davon erzählt. Sie braucht einen Moment, bevor sie weiter spricht: »Der Arzt hat gesagt, dass es so nicht läuft. Dass ich irgendwann daran sterbe und dass es nicht so lange dauert.« Es sei möglich, dass dies ihr letztes Weihnachten werde.

Die parenterale Ernäherung wird vor Ort zubereitet. Foto: privat

Plötzlich gibt es diese Zahl: ein Jahr. »Der Moment war ganz schrecklich. Zwölf Monate sind so wenig Zeit«, erzählt Yvonne Dudding. Kurz vor Weihnachten kommt dann auch noch die Übelkeit. Die zierliche Frau magert innerhalb von zwei Wochen von 47 auf 43 Kilogramm ab. »Ich konnte nichts mehr essen, nichts mehr trinken, habe nur noch geschlafen«, erzählt sie. Besonders schlimm ist das Gefühl, Weihnachten nicht erleben zu können: »Mein Vater Rocco macht immer Ragout fin mit Königin-Pasteten. Darauf habe ich mich so gefreut.«

Ihr Mann Jamie bringt sie in eine Spezialklinik nach Hannover. Dort empfiehlt man eine parenterale Ernährung über den Port. »An Heiligabend habe ich die erste Nahrung über den Port bekommen und ruck zuck ging es mir besser«, erinnert sie sich. Endlich. Sie kommt zu Kräften und feiert ein »richtig schönes« Weihnachten mit ihrer Familie.

Neue Metastasen zerstören jede Hoffnung

Mit einer neuen Therapie keimt Hoffnung auf: Ihr Tumor wird direkt »mit Chemotherapie beschossen«, wie sie sagt. Es folgen weitere Chemos. »Mir ging es besser. Ich hatte gehofft, dass beides geholfen hat«, erzählt sie. Seit dem 29. Januar weiß sie: Das hat es nicht. Das CT zeigt neue Metastasen im Brustbein und der Lunge. Die Chemo-Therapie wirkt nicht mehr.

Yvonne Dudding wird klar: Wenn ich etwas machen will, dann muss ich es jetzt machen. »Make every day a good day«, sagt ihr Mann: Mach jeden Tag zu einem guten. Ein Jahr ist schnell um. »Als Mutter bin ich sowieso wunschlos glücklich, wenn ich mit den Kindern zusammen bin.«

Trotzdem hat sie ihrem Mann eine kleine Bucket-Liste gegeben mit Dingen, die sie noch erleben möchte. Einmal ins Musical in Hamburg, ein Urlaub mit der Familie und einmal nach London reisen, eine Reise an einen schönen Strand mit kristallblauem Meer. Doch der Familie fehlt das Geld. Jamie Dudding ist zuvor ein Jahr wegen einer Herzmuskelentzündung außer Kraft gesetzt gewesen und steht kurz vor der Wiedereingliederung als Fotograf bei der britischen Armee. Finanzielle Reserven gibt es nicht. »Ich würde so gerne spontan mal mit der Familie Chinesisch essen gehen, wenn ich Appetit habe. Aber das ist nicht drin. Alles, was wir haben, bekommen die Kinder«, erzählt sie.

Ehemann Jamie startet Crowdfunding-Aktion

»Mir hat es das Herz gebrochen, meiner Frau immer sagen zu müssen, es ist kein Geld da«, erzählt Jamie Dudding. In seiner Verzweiflung setzt sich der 29-Jährige eines Nachts hin und schreibt seine Geschichte bei gofundme.com auf: »So sehr es meinem Stolz auch schadet, bitte ich um Hilfe«, steht dort. Über die Internetseite kann jeder Spenden sammeln. Für Jamie Dudding ist es eine große Überwindung: »Ich wollte nicht um Geld betteln. Ich wünschte, ich hätte es nie machen müssen. Aber ich wusste, wenn ich es nicht tue, bereue ich es irgendwann.«

Seine Geschichte hat die Menschen berührt. 24 Stunden später sind bereits 5000 Euro eingegangen. Mittlerweile sind es schon 7600 Euro. »Wir sind völlig sprachlos. Wir danken allen Spendern von Herzen. Ich hatte mit vielleicht 100 Euro von Freunden gerechnet«, erzählt Jamie. Er ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft, die ihm und seiner Frau zuteil wird. Auch Yvonne ist voller Dankbarkeit: »So viele Menschen, die mich gar nicht kennen, geben etwas. Ich wünschte, ich würde es nicht brauchen, aber das Leben ist anders gekommen. Ich kann nur immer wieder sagen: vielen, vielen Dank.«

»Ich werde immer weiter kämpfen«

Ihren ersten Wunsch von ihrer Bucket-Liste hat sie schon verwirklicht: Mit ihrem Mann war sie zwei Tage in Hamburg und hat sich »König der Löwen« angeschaut: »Es war total toll. Ich liebe Hamburg und wollte immer irgendwann mal dorthin ziehen.« Der Familienurlaub im Schwarzwald im Juni ist auch schon gebucht. Yvonne Dudding: »Es wird unser erster Urlaub als Familie. Wir haben immer gesagt, die Kinder sollen alt genug sein, dass wir mit ihnen etwas unternehmen können. Jetzt ist es eben so.«

Via Instagram hält sie alle Spender auf dem Laufenden.

Aufgeben kommt für die 29-Jährige nicht in Frage. Trotz der aussichtslosen Situation hat sie weiter Hoffnung: »Ich werde immer weiter kämpfen und hoffen, dass ich trotz der Prognose noch viele Jahre habe oder doch noch ein Heilmittel gefunden wird.«

Kommentare

Tief betroffen

Hallo,
Ich habe gerade auf FB die Artikel gelesen und bin zutiefst schockiert. Diese heimtückische Krankheit ist eine Sache, aber dadurch das der Mann auch keinen Lebensunterhalt verdienen kann, trifft es Ihre Familie leider so richtig.
Ich werde jetzt sofort spenden-auch wenn es vielleicht nur zu einem spontanen Essen beim Chinesen reicht. Ich wünsche aber in jedem Falle, das sie eine längere Zeit mit ihrer Familie verbringen, als die Prognosen hergeben. Alles Gute.

Kopf hoch und weiter kämpfen. Sie schaffen das :)

Hallo Yvonne

Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Mein Bruder ist in der gleichen Situation. Er nimmt zusätzlich Methadon. Guck mal auf der Facebook Seite von Stern TV oder bei YouTube Stern TV und Methadon. Das ist äußerst interessant. Das muss auch nicht bei jedem klappen aber ein Versuch ist es wert. Leider ist es schwierig an Methadon zu kommen weil die auch die meisten Ärzte das mit heroinentzug in Verbindung bringen. Verschreiben dürfen es aber alle Ärzte weil es einfach nur ein Schmerzmittel ist. Ich wünsche dir und deiner familie alles Gute.

3 Kommentare

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