So., 18.02.2018

Auch die Fahrschulen in Schlangen klagen über einen leer gefegten Arbeitsmarkt Fahrlehrer sind Mangelware

Matthias Nusser sorgt sich um seinen Berufsstand: Immer weniger Fahrlehrer gibt es. Das spüren auch er und seine Schlänger Kollegen.

Matthias Nusser sorgt sich um seinen Berufsstand: Immer weniger Fahrlehrer gibt es. Das spüren auch er und seine Schlänger Kollegen. Foto: Rowena Hinzmann

Von Rowena Hinzmann

Schlangen (SZ). Der Berufsstand des Fahrlehrers hat derzeit gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: Innerhalb von sieben Jahren hat sich ihre Anzahl in Deutschland um 10.000 verringert.

Die Bundeswehr bildet keine mehr aus, die sonst nach ihrem Dienst auf dem zivilen Markt tätig waren. Die Ausbildungskosten sind hoch und unattraktive Arbeitszeiten sowie eine Sechs-Tage-Woche kratzen erheblich am Image. Das merken auch die Schlänger Fahrschulen deutlich.

»Wir beginnen häufig erst unsere Arbeit, wenn alle anderen den Feierabend einläuten. Eher haben die meisten Schüler keine Zeit«, berichtet Matthias Nusser, Inhaber der Fahrschule Nusser in Schlangen. Eine Reform des Bundesfahrlehrergesetzes soll dem Mangel nun entgegenwirken. Demnach ist es nicht mehr ­Voraussetzung, alle Führerscheinklassen (Pkw, Motorrad, Lkw) zu besitzen, um die Ausbildung zu beginnen. Dadurch verringert sich bereits die finanzielle Hürde um gleich mehrere tausend Euro, berichtet Nusser. Auch der Schulabschluss sei von der Liste der Zugangsvoraussetzungen gestrichen worden. Stattdessen werde eine abgeschlossene Berufsausbildung vorausgesetzt. Außerdem sei das Eintrittsalter von 22 auf 21 Jahre gesenkt worden.

Erfahrene Fahrlehrer wie Matthias Nusser sehen das allerdings skeptisch: »Ich glaube nicht, dass wir dadurch neue, gut qualifizierte Mitarbeiter bekommen.« An den Arbeitszeiten ändere sich schließlich nichts.

Ähnlich skeptisch steht auch Andreas Holz, Inhaber der Fahrschule Holz in Schlangen und Bad Lippspringe, der Reform gegenüber. Besonders bei der Senkung des Eintrittsalters schüttelt er den Kopf: »Mit 21 Jahren hat man noch viel zu wenig Fahrpraxis, die für den Job vorausgesetzt wird. Es geht nicht nur um das theoretische Wissen, sondern auch um die Übersicht im Straßenverkehr.« Zudem müsse man als Fahrlehrer in der Lage sein, Verantwortung für sich und seinen Fahrschüler zu übernehmen. Im Alter von Anfang 20 falle dies den meisten jedoch noch schwer.

Seit einiger Zeit ist auch An­dreas Holz auf der Suche nach einem neuen Kollegen – bisher ohne Erfolg. »Sobald ein gut qualifizierter Fahrlehrer zur Verfügung steht, reißen sich alle um ihn«, schildert er. Auch bei Andreas Holz ist der Wunsch groß, dass sich die Situation ändert. Ob dies durch die Reform passieren wird, will er erst mal abwarten.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5529638?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198397%2F2516024%2F