Sa., 03.03.2018

Oberverwaltungsgericht: Sanierung ist »wirtschaftlich nicht zumutbar« Haus darf abgerissen werden

Das Fachwerkhaus in der Paderborner Straße steht unter Denkmalschutz. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat entschieden, dass das Gebäude trotzdem abgerissen werden darf. Geklagt hatte eine Erbengemeinschaft aus Schlangen.

Das Fachwerkhaus in der Paderborner Straße steht unter Denkmalschutz. Das Oberverwaltungsgericht Münster hat entschieden, dass das Gebäude trotzdem abgerissen werden darf. Geklagt hatte eine Erbengemeinschaft aus Schlangen. Foto: Sonja Möller

Von Klaus Karenfeld

Schlangen (WB). Ein seit 2011 unter Denkmalschutz stehendes Fachwerkhaus in der Paderborner Straße 20 in Schlangen darf abgerissen werden. Zu dieser Entscheidung ist am Freitag, 2. März, der zehnte Senat des Oberverwaltungsgerichts Münster gekommen.

Er folgte damit in zweiter Instanz dem Antrag einer Schlänger Erbengemeinschaft. Beklagter in dem Verfahren war der Kreis Lippe als zuständige obere Denkmalbehörde.

Anders als das Verwaltungsgericht Minden, das den Fall bereits 2017 verhandelt hatte, gaben die Münsteraner Richter nun der Schlänger Erbengemeinschaft recht. Der Erhalt des 170 Jahre alten Fachwerkhauses sei den Klägern »wirtschaftlich nicht zumutbar«, heißt es in dem Urteil. Für diese Entscheidung, so OVG-Pressesprecher Dirk Rauschenberg, seien zwei Gründe maßgeblich gewesen: So stütze sich das Gericht in seinem Urteil unter anderem auf die Meinung von Bau- und Denkmalexperten, wonach eine umfassende Sanierung des Gebäudes etwa 400.000 Euro kosten würde. Ebenso wenig verlockend sind demzufolge die Aussichten, das Fachwerkhaus in ein Wohnhaus umzubauen. Laut einer dem Gericht vorliegenden Machbarkeitsstudie würde sich nur eine einzige überschaubare Wohneinheit realisieren lassen.

Das Haus wurde 1848 von Friedrich und Anna-Martha Hanselle gebaut

Das Haus in der Paderborner Straße 20 hat eine lange wie wechselvolle Geschichte. Es wurde laut einer Inschrift im Sturzriegel anno 1848 von Friedrich und Anna-Martha Hanselle gebaut. In den folgenden 170 Jahren kam es zu mehreren Besitzerwechseln. In dem Fachwerkhaus war unter anderem auch eine Schlachterei und zuletzt eine Gerberei untergebracht. Seit mehr als 20 Jahren steht es leer und ist unbewohnt.

Im Februar 2011 folgte der Gemeinderat einer Empfehlung der Landesdenkmalpfleger und stellte das alte Fachwerkhaus unter Denkmalschutz. Schon zu diesem Zeitpunkt stand außer Frage, dass die Bausubstanz des Gebäudes sehr schlecht war und eine Sanierung sehr teuer würde. Die offizielle Unterschutzstellung erfolgte dennoch.

In der im Kreisblatt vom 10. März 2011 veröffentlichten Mitteilung der Gemeinde wird dem Fachwerkhaus eine besondere historische Bedeutung zugeschrieben. Wörtlich heißt es dazu: »Das Haus gehört zu den wenigen innerörtlich erhaltenen landwirtschaftlichen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, die den großen Brand vom 18. August 1904 überstanden haben.« Zudem lasse sich an der Fachwerk-Konstruktion die Handwerkskunst des 19. Jahrhunderts ablesen.

»Ich habe Angst, dass eines Tages eine Wand einstürzt«

Zum Zeitpunkt der Unterschutzstellung war Berl Levy Eigentümer des Hauses. Er hatte es vier Jahre zuvor von seinem Bruder Walter geerbt. Berl Levys Hoffnung, einen Kaufinteressenten zu finden, erfüllte sich nicht. »Selbst als ich es verschenken wollte, hat sich niemand dafür interessiert«, berichtete er 2011 im Gespräch mit der SCHLÄNGER ZEITUNG und fügte hinzu: »Ich habe Angst, dass eines Tages eine Wand einstürzt und jemand dadurch zu Schaden kommt.«

Nach dem Tod von Berl Levy ist das Fachwerkhaus in der Paderborner Straße 20 in den Besitz einer Erbengemeinschaft aus Schlangen übergegangen. Ihre Klage vor dem Oberverwaltungsgericht Münster hatte nun Erfolg. Der Kreis ist durch das gestrige Urteil aufgefordert, den Klägern die notwendige Abbruchgenehmigung zu erteilen.

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