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Mi., 11.01.2017

Interview mit Dr. Karin Overlack, Geschäftsführerin des Herz- und Diabeteszentrums Bad Oeynhausen 82 Patienten haben 2016 neues Herz bekommen

Dr. Karin Overlack hat im Juni 2015 die Geschäftsführung des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) übernommen.

Dr. Karin Overlack hat im Juni 2015 die Geschäftsführung des Herz- und Diabeteszentrums (HDZ) übernommen. Foto: Armin Kühn

Bad Oeynhausen (WB). Mit etwa 2200 Mitarbeitern ist das Herz- und Diabeteszentrum (HDZ) einer der größten Arbeitgeber in Bad Oeynhausen und dem Kreisgebiet. Zum Jahresbeginn hat das WESTFALEN-BLATT mit Geschäftsführerin Dr. Karin Overlack über aktuelle Projekte und anstehende personelle Veränderungen gesprochen. Die Fragen stellte Claus Brand.

Welches Investitionsvolumen steckt das HDZ 2017 in die weitere Verbesserung der klinischen Infrastruktur?

Dr. Karin Overlack : Jedes Jahr müssen Millionen allein in die Standards investiert werden, um zum Beispiel bei Medizin- oder Großgeräten auf Stand zu bleiben. Jährlich geht es hier um etwa fünf Millionen Euro.

Was ist für 2017 darüber hinaus geplant?

Overlack : 2015 haben wir ein großes Sanierungskonzept aufgelegt. Wir sind dabei, die ersten Schritte im Laufe des ersten Quartals 2017 zu vollenden. Den Bereich der ehemaligen Operationssäle 1 bis 3, die seit dem Bau der neuen Säle leer standen, haben wir erweitert. Dort entsteht eine neue kardiologische Intensivstation mit 23 Betten. Es ist damit eine Erweiterung zu den bislang 20 Betten. Vor allem aber werden die Räume, die wir so seit den 1980er Jahren hatten, größer. Wir erreichen dort den in den anderen neuen Intensivstationen des HDZ üblichen Standard. Die Planbettenzahl von insgesamt 500 Betten bleibt gleich. Die ehemalige kardiologische Intensivstation bauen wir um zu einer herzchirurgischen Intensivstation. Dort werden wir 14 statt bisher 20 Betten haben. Auch hier werden die Zimmer größer. Unter der ehemaligen kardiologischen Intensivstation wird die dortige kardiologische Normalstation saniert und auf den aktuellen Stand gebracht. Sie hat 29 Betten. Damit wären wir mit der ersten Sanierungswelle durch. Es schließt sich die Routinesanierung der Gastroenterologie an. Anschließend soll die Sanierung weiterer Bereiche folgen, die auf die 1980er Jahre zurückgehen. Beginnen werden wir mit einer großen Station, der C 2 mit 38 Betten. Es ist eine chirurgische Station. Die jüngsten Neubauten sind auf einem sensationellen Niveau. Es gibt aber Bereiche, die im Vergleich dazu abfallen. Deshalb setzen wir dort an. Wir wollen das HDZ auf einen einheitlichen Standard bringen. Der Nachfolger von Prof. Dr. Dieter Horstkotte soll auch infrastrukturell eine Tip-Top-Kardiologie übernehmen.

Gibt es weitere große Einzelinvestitionen?

Overlack : Wer werden ein Volumen-Cardio-CT installieren. In der Bilddiagnostik der Herzkranzgefäße ist die Herzkatheteruntersuchung Standard. Inzwischen gibt es CT-Techniken, die dies auf extrem hohen Niveau auch ermöglichen. Der Zeitraum des Röntgens ist mit dem CT extrem kurz. Etwa zwei Millionen Euro müssen investiert werden. Dorthin bewegt sich die Diagnostik in der Herzmedizin, so dass dem Patienten bei der Ausschlussdiagnostik nicht die invasive Kathetermethode zugemutet werden muss, sondern man auf das weniger invasive Cardio-CT setzt. Mit dem Volumen-CT sinkt die Strahlenbelastung im Vergleich zu Geräten älterer Generation signifikant.

Wie ist der aktuelle Stand mit Blick auf die Nachfolge von Prof. Dr. Dieter Horstkotte als Direktor der Klinik für Kardiologie zum Ende des Jahres?

Overlack : Das universitäre Verfahren hat begonnen. Wir warten noch auf die Freigabe des Ausschreibungstextes durch das Rektorat der Ruhr-Uni Bochum. Ich rechne damit noch im Januar. Eine universitäre Chefstelle ist für das Haus, von dem der oder die Nachfolger/in kommt, eine Auszeichnung.

Stichwort Fachkräfte: Sind alle Stellen besetzt oder fehlt es an Personal?

Overlack : Im Krankenhauswesen ist es schwierig geworden. Im Bereich der Pflege ist dies ausgeprägter als im ärztlichen Bereich, insbesondere in der Fachpflege. Kurz bevor ich vor etwa zwei Jahren kam, haben wir eine neue Intensivstation eröffnet. Die 80 Vollkräfte-Stellen für Intensivpflegepersonal sind noch immer nicht komplett besetzt. 20 Mitarbeiter könnten wir noch einstellen, um die Betten auf Volllast betreiben zu können. Der Fachkräftemangel trifft einen insbesondere, wenn man die Leistung erweitern möchte. Auffangen kann ein Haus wie das Herz- und Diabeteszentrum das Ausscheiden aus Altersgründen oder den Aspekt der Elternzeit. Zudem fehlt Personal im Intensivpflegebereich der Kinderherzmedizin. Wir würden dort gerne mehr Patienten betreuen können.

Haben auch Menschen, die mit der Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen sind, im HDZ in jüngster Vergangenheit Arbeit gefunden?

Overlack : In der Krankenpflege bislang nicht. Bei der Anerkennung von Abschlüssen müsste deutschlandweit etwas passieren, vor allem im pflegerischen Bereich. Derzeit geht es immer um eine Einzelfallprüfung. Man müsste sich zum Beispiel anschauen: Wie sieht die pflegerische Ausbildung in Syrien aus? Was können diese Menschen? Welche Qualifikationen fehlen ihnen? Wie kann man diese über Praktika strukturiert vermitteln? Diese Fragen sind zu beantworten. Bei den Ärzten ist die Situation einfacher, weil das Anerkennungsverfahren schon vor Beginn des Bürgerkrieges etabliert war. In unseren Kliniken und Instituten sind derzeit neun syrische Ärzte beschäftigt.

Welche Veränderungen stehen in der medizinischen Führung der Klinik über den Abschied von Prof. Dr. Horstkotte hinaus ins Haus?

Overlack : Wir haben zwei Chefarztstellen in der Anästhesie: einmal Professor Uwe Schirmer und Dr. Ulrich Hein, der Mitte des Jahres aus Altersgründen ausscheidet. Die Bewerbungsgespräche für die Nachfolge von Dr. Hein haben vor ein paar Tagen begonnen. Ich hoffe, dass wir einen nahtlosen Übergang hinbekommen.

Im Mai ist Landtagswahl. Welchen Wunsch haben Sie an den oder die neue Gesundheitsminister/in?

Overlack : Das Thema Pflege beschäftigt Deutschland. Es sollte weiterhin das Gesundheitsministerium beschäftigen. Man sollte daran anknüpfen, vermehrt Weiterbildungsplätze in der Pflege zu schaffen. Die Krankenkassen refinanzieren die Ausbildung an Kliniken mit Krankenpflegeschule. Damit steht die Zahl der Plätze fest. Es sollte zum Beispiel auch die Abbrecherquote berücksichtigt werden. So würden mehr Leute in diesen Kreislauf kommen. Die finanzielle Ausstattung für Lehre und Forschung ist an anderen Uni-Kliniken, bedingt durch das System mit einer Finanzierung der Forschung über das Wissenschaftsministerium, deutlich höher. Es wäre schön, wenn es zusätzliche Mittel für uns, die universitären Kliniken der Ruhr-Universität Bochum, geben würde. In der Vergangenheit bekam das HDZ für diesen Bereich pro Jahr etwa 200.000 Euro, ab dem kommenden Jahr werden es etwa 500.000 Euro mehr sein. Dem gegenüber stehen Ausgaben bei uns, die den Betrag um ein Vielfaches übersteigen. Jedes Jahr gibt es eine Lücke von etwa zwei Millionen Euro, besonders für Personalkosten und Verbrauchsmittel.

Im September ist Bundestagswahl. Ihr Wunsch an den oder die neue Gesundheitsminister/in?

Overlack : Ich wäre sehr dankbar, wenn es kein neues Krankenhaus-Strukturgesetz geben würde und wir uns an die jüngst erfolgten Änderungen gewöhnen könnten. Nicht jede davon schmeckt jeder Klinik. Volkswirtschaftlich betrachtet hat Amtsinhaber Hermann Gröhe aber einiges richtig gemacht. Ein Beispiel: Er hat dafür gesorgt, dass private Klinikträger in die Krankenhausentgelt-Kalkulation mit eintreten mussten und Qualität in der Medizin in den Hauptfokus der Versorgung rückt.

Ist der Rechtsstreit um zu kleine Patientenzimmer im 2012 eröffneten Neubau beigelegt?

Overlack : Nein. Es gibt ein x-tes Gutachten, ohne neue Aussagekraft aus unserer Sicht. Ich hoffe, dass die Sache bald abgeschlossen wird. Kein neues Gutachten wird einen weiteren Erkenntnisgewinn bringen. Die Zimmer sind zu klein, um dort zwei Betten unterbringen zu können. Das letzte Wort wird wohl ein Richter haben.

Welche Position schreiben Sie dem HDZ aktuell im bundesweiten Vergleich zu?

Overlack : Bescheidenheit und Verbesserungswille tut stets gut. Klar sagen kann man: Die medizinische Qualität ist herausragend, und das Leistungsspektrum ist einzigartig. Gerade die Tatsache, dass wir alle Herzfehler, egal in welchem Alter des Patienten, auf höchstem Niveau versorgen können, zeichnet uns aus. Im Jahr 2016 haben wir 82 Herzen transplantiert. Damit bleiben wir Deutschlands größtes Herztransplantationszentrum. Andere Häuser folgen mit großem Abstand.

Welche Neuigkeiten gibt es zum Thema herzchirurgische Dependance des HDZ am/im Klinikum Bielefeld-Mitte?

Overlack : Es ist noch kein Antrag gestellt. Erst dann wird es spruchreif. Die abschließende Prüfung läuft. Krankenhausplanerische Rahmenbedingungen etc. sind zu berücksichtigen. All diese Hausaufgaben müssen wir sauber machen, so dass alle Analysen 100 Prozent treffsicher sind. Der HDZ-Standard müsste dort Eins-zu-Eins übertragbar sein. Die Entscheidung, ob wir den Antrag stellen, fällt wohl im ersten Halbjahr.

Das HDZ hat das Haus Morgenstern gekauft. Auf dem Gelände könnten vorübergehend Parkplätze eingerichtet werden. Foto: Claus Brand

Wie sieht der aktuelle Stand der Pläne zum Haus Morgenstern nach dem Erwerb der Immobilie durch das HDZ aus?

Overlack : Wir kalkulieren die Abrisskosten und wollen dann in die Planung dafür gehen. Ich hoffe, dass wir den Abriss im Frühjahr umsetzen können, um vorrangig eine saubere Fläche zur Verfügung zu haben. Das Parkplatzproblem am HDZ hat aber Bestand. Wir haben uns mit dem Haus Morgenstern ein Grundstück gesichert, das Ausweichfläche sein kann. Parkraum ist dort eine Zwischenlösung, um eines Tages dichter am HDZ mehr Parkraum zu schaffen. Jede Lösung muss sich an die Wohnraumsituation der Menschen im Umfeld anpassen. Konkrete Überlegungen für eine Tiefgarage oder ein Parkhaus gibt es nicht.

Was erwartet Patienten und Besucher im Kunstforum?

Overlack : Professor Andreas Blühm, Direktor des Groninger Museums, steht als Kurator nicht mehr zur Verfügung. Da müssen wir uns neu aufstellen. Ausstellungen wird es weiter geben. Wir haben inzwischen selbst auch einen sehr großen Fundus, aus dem wir Bilder hängen. 2017 werden wir sicher noch eine Ausstellung haben.

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