Do., 12.10.2017

81-Jährige verletzt sich in Maternus-Klinik – Einrichtung bringt Warnschilder an Reha-Patientin stürzt auf Balkon

Aus baulichen Gründen kann der Höhenunterschied zwischen Zimmer und Balkon nicht ausgeglichen werden. In allen 590 Zimmern sollen diese Warnschilder angebracht werden.

Aus baulichen Gründen kann der Höhenunterschied zwischen Zimmer und Balkon nicht ausgeglichen werden. In allen 590 Zimmern sollen diese Warnschilder angebracht werden. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Das möchten Reha-Patienten nicht erleben: einen Unfall während des Aufenthaltes. Genau das ist Renate Lasar (81) aus Bergisch Gladbach passiert. Nach einem Herzinfarkt erholte sie sich in der Maternus-Klinik. Doch am 18. September stürzte sie beim Heraustreten auf den Balkon über eine Stufe. Auf ihre Anregung hin werden jetzt Warnschilder in allen 590 Zimmern angebracht.

Seit dem 11. September ist Renate Lasar in der Einrichtung Am Brinkkamp und sollte eigentlich bereits am 30. September wieder entlassen werden. Am Unfalltag wollte sie vormittags auf den Balkon und frische Luft schnappen. Dieser liegt mindestens eine Hand breit unter dem Zimmerniveau. Dazu bildet auch der Regenschutz für den Türrahmen eine niedrige, aber zusätzliche Barriere.

Als Renate Lasar nach draußen treten wollte, stolperte sie, verlor den Halt und stürzte unglücklich: »Gerade alte Leute haben nicht mehr die Muskulatur und die Kraft, schnell zu reagieren.« Renate Lasar, die nach Angaben ihrer Tochter Petra stark in ihrer Mobilität eingeschränkt ist und einen Rollator benötigt, brach sich den Mittelknochen der linken Hand und verstauchte sich den linken Fuß. Die Folge: Die ursprünglich vorgesehene Dauer der Reha ließ sich nicht mehr einhalten.

Nach dem Unfall wurde sie in einem Krankenhaus in Bad Oeynhausen behandelt und bekam sogenannte Orthesen für die verletzte Hand und den Fuß. Der Durchgangsarzt, ein Orthopäde, untersuchte sie in der Folgezeit.

Gelbe Warnschilder an den Balkontüren

Der Unfall beschäftigte Renate Lasar aber weiter: »Weil ich gehört habe, dass das hier nicht zum ersten Mal passiert ist.« Sie nahm Kontakt mit der Klinik-Leitung auf, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Dass das Haus trotz fortlaufender Renovierung letztlich ein »Gebäude aus den 1970er Jahren ist«, weiß die frühere Inneneinrichterin. Das sieht Martin Groll, seit neun Jahren Verwaltungsdirektor und Prokurist der Maternus-Klinik, ebenso. »Gewisse bauliche Voraussetzungen können wir trotz aller Bemühungen nicht ändern«, sagt er.
Mit ihm traf sich Renate Lasar am 5. Oktober zu einem Gespräch. Dabei bot er an, Abhilfe zu schaffen. »Die Haustechnik bringt jetzt an allen Balkontüren gelbe Warnschilder mit ›Vorsicht Stufe‹ an. Zusätzlich wird es einen Hinweis in der Patienten-Mappe geben«, sagte Martin Groll. Darüber informierte er auch Tochter Petra Lasar per E-Mail.

Am Mittwoch konnte er zudem in der Frage des Versicherungsschutzes Klarheit schaffen: Renate Lasar war nämlich nach einem Austausch mit der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft davon ausgegangen, dass Unfälle während der Reha im Bereich des Balkons nicht versichert seien. »Das stimmt so nicht. Maßgebend ist unsere Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege«, sagte Martin Groll. Alle Unfälle, auch der Mitarbeiter, seien im Klinikgebäude versichert.

Verlängerter Aufenthalt ist noch umstritten

Doch Probleme ergaben sich zwischenzeitlich auch mit der Krankenkasse von Renate Lasar, deren Name der Redaktion bekannt ist, bezüglich der Reha-Aufenthaltsdauer. Nach Auskunft von Martin Groll sollte Renate Lasar am Donnerstag entlassen werden. »Dabei ist der Behandlungsplan meines Reha-Aufenthalts stark eingeschränkt gewesen«, sagte sie. Erst am Mittwoch habe sie wieder begonnen, selbstständig zu gehen. Auch Tochter Petra, die ebenso in Bergisch Gladbach wohnt und beruflich viel unterwegs ist, war von dem Termin überrascht.

»Hier gab es etwas Durcheinander«, sagte Martin Groll. Er verweist darauf, dass es je nach Kostenträger unterschiedliche maximale Verweildauern für Reha-Aufenthalte gebe. Zudem habe der zuständige Arzt eine Vrlängerung bei der Krankenkasse beantragt – bis Montag, 16. Oktober –, die aber bislang nicht genehmigt worden sei.

Dass Renate Lasar in Bergisch Gladbach ohne entsprechende Versorgung nach dem Unfall ist, möchte die Maternus-Klink aber vermeiden. »Sie darf bis Montag bleiben, die Kosten übernehmen wir«, sagte Martin Groll.

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