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Do., 07.12.2017

Wohlhabender Mann aus Bad Oeynhausen fällt auf 31-Jährige herein War er verliebt? Rentner verliert 200.000 Euro

Immer wieder händigte der Rentner der Frau und ihren Geldboten mehrere tausend Euro aus und führte Buch darüber. Insgesamt soll er knapp 200.000 Euro verloren haben. ­

Immer wieder händigte der Rentner der Frau und ihren Geldboten mehrere tausend Euro aus und führte Buch darüber. Insgesamt soll er knapp 200.000 Euro verloren haben. ­ Foto: dpa

Von Christian Althoff

Bad Oeynhausen (WB). Fast 200.000 Euro soll ein wohlhabender Rentner aus Bad Oeynhausen an eine junge Frau (31) verloren haben, die ihm Avancen gemacht haben soll. Die mutmaßliche Betrügerin hat sich gestellt und gestanden.

Das Alter des Opfers teilte die Polizei nicht mit, um seine Identität zu schützen. Der Mann gab im vergangenen Jahr ein Inserat auf und bot die Kleidung seiner verstorbenen Frau an. Auf die Anzeige meldete sich eine junge Frau aus Hannover – allerdings unter falschem Namen und falscher Adresse. Polizeisprecher Ralf Steinmeyer: »Es kam zu einem ersten Treffen. Die Frau gewann das Vertrauen des Seniors und spielte ihm vor, sie sei an ihm interessiert.«

Masche zog sich hin

Fühlte sich der Witwer geschmeichelt? Auf jeden Fall gab er nach, als die Frau ihn immer wieder um Geld bat. Steinmeyer: »Die Frau verlangte immer neue Beträge für Kleidung, Schmuck und sogar ein Auto.« Irgendwann sei sie nicht mehr persönlich nach Bad Oeynhausen gekommen, sondern habe nur noch telefonisch nach Geld gefragt und es von Boten abholen lassen – unter anderem von ihrer 14-jährigen Tochter.

Der Witwer wollte das Geld allerdings nicht als Geschenk verstanden wissen, sondern ließ sich von der Frau, deren wahren Namen er nicht kannte, eine Art Darlehnsvertrag mit Rückzahlungsverpflichtung unterschreiben. Etwa eineinhalb Jahre soll die Frau die Masche durchgezogen und dabei insgesamt knapp 200.000 Euro erbeutet haben.

Zivilfahnder eingeschaltet

Es sollen Angehörige des Seniors gewesen sein, die ihn schließlich dazu brachten, zur Polizei zu gehen. Zivilfahnder legten sich auf die Lauer, und als im Oktober erneut eine Geldbotin erschien, griffen sie zu. Es war die Tochter der 31-Jährigen, deren Identität die Polizei damit klären konnte. Doch als Polizisten mit einem Haftbefehl wegen schweren Bandenbetrugs an der Adresse in Hannover auftauchten, waren die Frau und ihr Ehemann schon untergetaucht. Die Kripo verfolgte die Spur des Paares bis Ludwigshafen, aber kurz vor der Festnahme floh die Frau erneut – zurück nach Hannover. Dort stellte sie sich Ende November begleitet von einer Anwältin der Polizei und legte ein Geständnis ab. Der Haftbefehl wurde daraufhin gegen Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt.

»Von dem Geld des Witwers ist offenbar nichts mehr da«, sagt Polizeisprecher Ralf Steinmeyer. Die Kripo geht davon aus, dass die 31-jährige Deutsche der Kopf einer Bande ist, zu der möglicherweise der Ehemann, die Tochter und weitere Geldboten gehörten. »Das müssen wir jetzt noch ermitteln.«

Der Rentner aus Bad Oeynhausen ist nicht das erste Opfer der Frau. Sie wurde bereits verurteilt, weil sie mit ihrer Masche in Hannover einen anderen Mann um 75.000 Euro betrogen hatte, und war zuletzt auf Bewährung frei. Der Widerruf der Bewährung wird jetzt geprüft.

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