Mi., 03.01.2018

Metallblasinstrumentenmacher ist Vize-Bundessieger des Handwerks Veit Liebert ist einer der Besten

Veit Liebert hat als Gesellenstück ein nicht ganz einfach zu bauendes Doppelhorn hergestellt.

Veit Liebert hat als Gesellenstück ein nicht ganz einfach zu bauendes Doppelhorn hergestellt. Foto: Jürgen Gebhard

Von Jürgen Gebhard

Vlotho/Bad Oeynhausen (WB). Chemie und Biologie waren doch nicht sein Ding. Das Studium an der Uni Bielefeld hat Veit Liebert abgebrochen. Bei »Finke Horns« in Vlotho-Exter hat der junge Mann seinen Traumberuf gefunden. Seine Ausbildung zum Metallblasinstrumentenmacher hat er im Sommer abgeschlossen. Kurz vor Weihnachten ist der junge Mann aus Bad Oeynhausen im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Vize-Bundessieger geworden.

Meisterbrief als Ziel

Mit der Herstellung und Reparatur von Trompeten, Hörnern und Posaunen kennt sich der 24-jährige Geselle bestens aus – das hat er auch schwarz auf weiß. Sein Ziel ist nun der Meisterbrief. Mit dem zweiten Platz im Bundeswettbewerb rechnet er sich sehr gute Chancen auf ein Weiterbildungsstipendium der Handwerkskammer OWL zu Bielefeld aus. Drei Jahre lang gibt es dann Monat für Monat 200 Euro. Geld, das Veit Liebert während des Meisterkurses, den er ab 2020 besuchen möchte, gut gebrauchen kann.

Zweite Ausbildung

Nach der sehr erfolgreich abgeschlossenen Lehre macht er nun in seinem Betrieb eine zweite Ausbildung. Als Holzblasinstrumentenmacher hat er den Werkstoff gewechselt. Weil bei »Finke Horns« Klarinetten, Flöten, Oboen und Saxofone nur Nebenrollen spielen, möchte der Auszubildende im neuen Jahr Praktika bei mehreren Holzblasinstrumentenmachern absolvieren. »Ich spiele Blech- und Holzblasinstrumente und möchte mich im Beruf auch um beides kümmern«, sagt der musikalische Handwerker.

Unterricht an Musikschule

Als kleiner Junge begann Veit Liebert an der Musikschule Bad Oeynhausen mit Klarinette und Saxofon. Er spielte dort bald in der Big Band und im Schulorchester. Später erlernte er auch das Spielen auf Trompete und Eufonium. »Jetzt versuche ich mich jetzt noch am Horn – schließlich bauen wir es hier«, sagt er.

Nach dem Abitur in seiner Heimatstadt wollte Veit Liebert zunächst Naturwissenschaftler werden. Das Studium gefiel ihm nicht: »Als Instrumentenmacher sehe ich am Ende des Tages genau, was ich gemacht habe – das ist ein großer Unterschied.« Nach dem theorieüberladenen Zwischenspiel an der Uni machte er ein Praktikum in dem Betrieb in Exter. Schon nach einer Woche bot ihm Chef Johannes Finke einen Ausbildungsplatz an.

Alles Handarbeit

»Hier ist alles Handarbeit«, ist Veit Liebert begeistert. Ventilmaschinen, Schaltstücke, Bögen und Rohre werden von den fünf Mitarbeitern nach traditioneller Art angefertigt. Trompeten, Posaunen, Hörner und historische Instrumente sowie Sonderanfertigungen gehören zum Sortiment.

In der dreijährigen Ausbildung bei »Finke Horns« hat Veit Liebert alle Blechblasinstrumente und alle Arbeiten in der Praxis kennengelernt. Für die Theorie musste er zum Blockunterricht bis in die Nähe von Stuttgart reisen, um in Ludwigsburg eine der insgesamt nur drei Berufsschulen zu besuchen, die in Deutschland für diesen Beruf zuständig sind.

Prüfung in Ludwigsburg

Als Gesellenstück hat er im Betrieb ein Doppelhorn hergestellt – und nicht wie die meisten anderen Auszubildenden eine viel einfacher zu bauende Posaune oder eine Trompete. In der theoretischen Prüfung musste Veit Liebert dann Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Mathematik, technischem Zeichnen, Arbeits-, Fach- und Werkstoffkunde sowie in Akustik unter Beweis stellen. Mit 2,0 als Gesamtnote hatte er sich für den Leistungswettbewerb der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe qualifiziert und wurde mangels Konkurrenz automatisch zum Kammersieger ernannt. Im Landeswettbewerb traten dann immerhin zwei Kandidaten an.

Beim Bundeswettbewerb, den die Musik-Instrumentenmacher-Innung des Landes Baden-Württemberg in Ludwigsburg organisiert hatte, war die Konkurrenz dann größer. Fünf Stunden Zeit hatte der Bad Oeynhausener, um einen Stimmzug für eine Posaune zu bauen. Das einwandfreie Ergebnis honorierte die Jury schließlich mit dem zweiten Platz.

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