Mi., 14.02.2018

Harald Sieger stellt Orgel in der Auferstehungskirche am Kurpark vor Wort und Musik im Einklang

Über etwa 3400 Pfeifen verfügt die Orgel in der Auferstehungskirche, weiß Kreiskantor Harald Sieger (Foto). Für optimalen Klang muss ein Orgelbauer bei einer Wartung jede einzelne stimmen – unter anderem, indem er die Blechspiralen neu justiert.

Über etwa 3400 Pfeifen verfügt die Orgel in der Auferstehungskirche, weiß Kreiskantor Harald Sieger (Foto). Für optimalen Klang muss ein Orgelbauer bei einer Wartung jede einzelne stimmen – unter anderem, indem er die Blechspiralen neu justiert. Foto: Wilhelm Adam

Von Wilhelm Adam

Bad Oeynhausen (WB). Etwa 3400 Pfeifen hat die Orgel in der Auferstehungskirche. Die kleinste misst nur wenige Zentimeter, die größte ist fünf Meter hoch. Orgelbau und -musik sind etwas besonderes: Beides hat die Unesco soeben zu immateriellem Kulturgut erklärt. Auch Kreiskantor Harald Sieger schätzt die Orgel als einzigartiges Instrument.

Einst in Ägypten erfunden

Über 2000 Jahre reicht die Geschichte des Orgelbaus und der Musik an diesem Instrument zurück: Einst in Ägypten erfunden, gelangte dieses Kulturgut über Byzanz in Vorderasien nach Europa ins Frankenreich. Von dort aus wurde es von Künstlern von der karolingischen Renaissance bis in die Gegenwart weiterentwickelt.

»Im Orgelbau verbinden sich von jeher Wissen im Umgang mit der Natur und traditionelles Handwerk mit innovativer Technik der jeweiligen Epoche«, unterstreicht die Deutsche Unesco-Kommission dabei in einer Erklärung den besonderen Wert. 50.000 Orgeln gibt es nach ihren Schätzungen bundesweit. Eine darunter ist jene in der Auferstehungskirche am Kurpark.

Schon als kleiner Junge kam er mit dem Instrument in Kontakt

»Die Möglichkeit zum improvisatorischen Spiel« beeindrucke ihn dabei am meisten, erklärt Kantor Harald Sieger. Oftmals hat der Instrumentalist nur eine Melodie, ein sogenanntes »Thema«, über das er »aus dem Stegreif« musiziert – mit seiner gesamten Erfahrung fügt er spontan Musik hinzu. Damit das gelingt, muss er den Stil der musikalischen Epoche des Werkes und seine »Tonsprache« genau erfassen.

Schon als kleiner Junge kam Harald Sieger beim Kirchenbesuch mit den Eltern mit dem Instrument in Kontakt. Vor allem der Organist habe ihn fasziniert. Der schlug im Gottesdienst das Gesangbuch auf, und ließ ein großes Orgelvorspiel für die Gemeinde erklingen, während er sich mit seiner kleinen Tochter unterhielt.

45 Register

Die Orgel in der Auferstehungskirche ist für den Kirchenmusiker etwas besonderes, schon allein durch ihre räumliche Anordnung: »Sie ist gegenüber von der Kanzel. So können Wort und Musik links und rechts vom Altar miteinander korrespondieren.«

Drei Manuale – also Tastaturen – gibt es, dazu die Pedale, die der Instrumentalist mit den Füßen bedient. Ein musikalischer Ton setzt sich als unisono klingender Akkord aus mehreren weiteren Tönen, den »Obertönen« zusammen. Variieren ihre Lautstärken, entsteht dabei eine unterschiedliche Klangfarbe.

Und gerade das lässt sich an einer Orgel durch Wahl unterschiedlicher Register wirkungsvoll einsetzen. »Die Auferstehungskirche hat 45«, weiß Harald Sieger. Und zu jedem zählt jeweils eine ganze Gruppe von Pfeifen unterschiedlicher Größen.

Mehr als 20 Orgeln im Kirchenkreis

Der Ton jeder einzelner verstärkt den Ton der übrigen. Und nicht nur Register in Oktavlagen gibt es, sondern auch in Quinten, Terzen oder Septimen. Dazu die »gedackten«: Dahinter verbergen sich mit einer Abdeckung versehene Pfeifen mit abgeschwächter Intensität im Ton.

Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn Bartholdy Joseph Rheinberger oder Charles-Marie Widor zählen für Harald Sieger zu seinen persönlichen Favoriten. Als Orgelsachverständiger kennt er alle Orgeln im evangelischen Kirchenkreis Vlotho. Mehr als 20 sind es insgesamt. Und vor allem eine Maxime beim Spiel zählt für ihn besonders, die er auch an seine Schüler weitergibt.

Beim Gottesdienst oder einer Darbietung gehe es am Instrument immer um den Dialog mit der Gemeinde oder dem Publikum. Nachlässigkeit verzeiht auch eine Orgel nicht. »Wenn Du Dich vor Dir selbst langweilst«, bekräftigt Fachmann Harald Sieger, »dann musst du etwas tun.«

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