Mi., 14.02.2018

Drittes Repair-Café verzeichnet viel Zuspruch im Bereich Elektronik Zum Wegwerfen zu schade

Sie hoffen, dass die Alligator-Säge von Uwe Klingbeil (Mitte) im Repair-Café in der Druckerei wieder instand gesetzt werden kann. Im Bild sind Marco Schwarze als einer der Organisatoren (links) und Michael Teuber vom Repair-Team.

Sie hoffen, dass die Alligator-Säge von Uwe Klingbeil (Mitte) im Repair-Café in der Druckerei wieder instand gesetzt werden kann. Im Bild sind Marco Schwarze als einer der Organisatoren (links) und Michael Teuber vom Repair-Team. Foto: Gabriela Peschke

Von Gabriela Peschke

Bad Oeynhausen (WB). Eine Schraube fehlt, eine Sicherung ist defekt, ein Antrieb klemmt: kleine Probleme, die verhindern, dass ein Gerät richtig funktioniert. Doch deswegen ist manches Teil noch lange kein Elektroschrott. Denn im Repair-Café kann vieles wieder instand gesetzt werden.

»Wir können keine Garantie übernehmen«

Uwe Klingbeil legt seine Alligator-Säge vorsichtig auf den Tisch. »Sie ist erst zweieinhalb Jahre alt, aber der Motor springt nicht mehr an«, sagt der Mann, der sich das Werkzeug für seinen Gartenrückschnitt über eine private Kleinanzeige gekauft hat und nun hofft, dass er von Jan-Kristof Seemann Hilfe bekommt. Der schraubt das defekte Teil mit ein paar professionellen Handgriffen erst einmal auf. Parallel hat Marco Schwarze vom Organisations-Team des Repair-Cafés den Namen des »Kunden« auf einem Formular erfasst und lässt Uwe Klingbeil für den Haftungsausschluss unterschreiben. »Wir sind hier alle ehrenamtlich tätig und können keine Garantie übernehmen«, erklärt Schwarze.

Keine Konkurrenz zu gewerblichen Werkstätten

Denn die Hilfsbereitschaft der versierten Handwerker und Techniker, die ihre Unterstützung gegen eine Spende anbieten, versteht sich keinesfalls als Konkurrenz zu gewerblichen Werkstätten. »Wir sind hier so etwas wie die ›Live-Youtuber‹«, scherzt Jan-Kristof Seemann in Anspielung auf den Internet-Kanal, der fast zu allen Reparaturen kostenlose Tutorials anbietet. »Hier sitzt man aber zusammen an einem Tisch. Man spricht über das Pro­blem und guckt, wie man helfen kann«, erläutert er den Treffpunkt-Gedanken, den das Repair-Café als seine Mission versteht. Denn: »Wir reparieren hier nicht für Kunden, sondern möchten es mit ihm schaffen«, fügt er hinzu.

Kirschrote Kaffeemaschine repariert

Das Repair-Café in der Druckerei, entstanden nach dem Vorbild der umliegenden Initiativen in Bad Salzuflen und Vlotho, habe zuletzt im Januar 25 Besucher verzeichnet, denen mit 19 Reparaturen geholfen wurde, haben seine Organisatoren dokumentiert.

Zu den ehrenamtlichen Dienstleistern gehört auch Daniel McGregor, der sich auf Elektronik spezialisiert hat. Auf seinem Tisch liegen Lötkolben und Multimeter. Im Koffer darunter hat er verschiedene Akku-Schrauber. »Manchmal kann man schon mit Kleinigkeiten helfen«, sagt er. Denn bei einem CD-Spieler, dessen Laufwerk sich nicht mehr drehte, musste er nur den Staub wegpusten. Auch ein Telefon aus den 1990er Jahren, das nicht mehr klingeln wollte, war mit einem kleinen Lötvorgang zu reparieren. Und McGregor erzählt, wie sich die Crew vom Repair-Team »mit den Kunden freut, wenn ihnen mit so ein paar einfachen Handgriffen geholfen ist.« Schon schiebt ihm eine Dame eine kirschrote Kaffeemaschine über den Tisch. »Sie zieht kein Wasser mehr«, klagt sie. Kurze Observation, dann ist sich Daniel McGregor sicher: »Der Wasser-Sensor muss entkalkt werden. Dann funktioniert sie wieder.«

Gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht

Einen Tisch weiter wartet Michael Teuber mit einem hochwertigen Denon-Plattenspieler aus den 1980er Jahren auf die Unterstützung von Klaus Udo Hennings von der Repair-Crew. Der gelernte Radio- und Fernsehtechniker wird versuchen, das Gerät zu reparieren, dem sich im Fachhandel niemand mehr zuwenden will, wie Teuber berichtet. Er bietet selbst ehrenamtlich seine Hilfe an. »Das ist das Tolle hier: Man sucht gemeinsam eine Lösung. Denn zum Wegwerfen ist vieles doch noch zu schade«, ist er überzeugt.

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