Mi., 07.03.2018

Holger Schuermann äußert sich zu Tourismuskonzept für Bad Oeynhausen – mit Leseraktion Zwiespältiges Verhältnis zur Sole

Holger Schuermann zeigt Salzablagerungen und ein Stück der alten Soleleitung. Im Hintergrund ist die neue Saline der Klinik Porta Westfalica zu sehen.

Holger Schuermann zeigt Salzablagerungen und ein Stück der alten Soleleitung. Im Hintergrund ist die neue Saline der Klinik Porta Westfalica zu sehen. Foto: Malte Samtenschnieder

Von Malte Samtenschnieder

Bad Oeynhausen (WB). Holger Schuermanns Einstellung zum Thema »Sole« ist zwiespältig. Regelmäßige Sole-Lieferungen an die Klinik Porta Westfalica hat der Geschäftsführer 2017 – aus Kostengründen – gestoppt. Dem Konzept eines Solegartens für den Kurpark kann er aber durchaus etwas abgewinnen, »wenn dieser so konzipiert ist, das Einheimische und Gäste etwas davon haben«.

Als Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Rehakliniken in Bad Oeynhausen saß Holger Schuer­mann mit am von Bürgermeister Achim Wilmsmeier initiierten Runden Tisch zum »Gesundheitsstandort Bad Oeynhausen«. Somit war er am Entwurf eines Tourismuskonzeptes beteiligt, das vor einer Woche erstmals öffentlich vorstellt wurde.
»Ich habe die Arbeit am Runden Tisch als sehr konstruktiv em­pfunden«, sagt Holger Schuermann im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT. Meinungen und Vorschläge aus ganz unterschiedlichen Bereichen seien dort ausgetauscht worden. Dass die Treffen hinter verschlossenen Türen stattgefunden hätten, habe zu sehr offenen Diskussionen geführt. Holger Schuermann: »Dabei hat sich aber gezeigt, dass es zwischen vielen der Beteiligten nur geringe Schnittmengen gibt.«

Hauptaugenmerk sollte nicht auf Patienten liegen

Nach Einschätzung des Klinikgeschäftsführers sollte das Hauptaugenmerk eines künftigen Tourismuskonzeptes nicht an den Interessen der Rehapatienten ausgerichtet sein, die nach Bad Oeynhausen kommen, obwohl im Klinikbereich drei Viertel der jährlichen Übernachtungen generiert werden.
»Wir sollten stattdessen Angebote entwickeln, mit denen wir die Angehörigen ansprechen, die die Patienten in Bad Oeynhausen besuchen«, sagt Holger Schuer­mann. Seine Idee: Wer sich bei einem solchen Besuch von der Attraktivität Bad Oeynhausens überzeugt habe, könne leichter motiviert werden, dort zu leben oder sogar zu arbeiten.
Von diesen Maßnahmen verspricht sich der Klinikgeschäftsführer einen Beitrag zum Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel. »Derzeit haben die Kliniken in Bad Oeynhausen 5000 bis 6000 Mitarbeiter, ein Großteil ist weiblich«, sagt Holger Schuermann.
Aus eigener Kraft könne Bad Oeynhausen langfristig nicht für den erforderlichen Nachwuchs in der Krankenpflege sorgen. Holger Schuermann: »Deshalb muss Bad Oeynhausen so attraktiv werden, dass junge Familien gerne bereit sind, sich hier anzusiedeln.«

Keine neuen Angebote speziell nur für Touristen

Um die Anziehungskraft Bad Oeynhausens zu steigern, rät Holger Schuermann zu Bodenständigkeit. »Erst wenn wir uns selbst lieben, werden uns auch andere lieben«, sagt der Klinikgeschäftsführer. Deshalb sei es falsch, Angebote speziell nur für Touristen zu konzipieren. »Wir müssen genauso die Einheimischen in den Blick nehmen«, betont Holger Schuermann.
Die Idee für einen Solegarten hält der Klinikgeschäftsführer für einen sinnvollen Ansatz. »Damit können wir Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln, also ziemlich alle Altersgruppen ansprechen«, sagt Holger Schuermann. Der Solegarten könne beispielsweise auch in Heimatkunde-Projekte an den Bad Oeynhausener Schulen eingebaut werden.
Es sei aber wichtig, den Fokus nicht nur auf den Kurpark zu lenken. »Wir müssen den Kurpark, das Siel oder auch die Aqua Magica stärker gemeinsam in den Blick nehmen und gemeinsam vermarkten«, fordert der Experte. Eine Verlegung des Gradierwerkes aus dem Siel in den Kurpark hält er für abwegig. Holger Schuermann: »Dagegen sprechen schon die für den Kurpark geltenden Denkmalschutzbestimmungen.«

Rehaklinik mischt Sole für eigene Saline selbst

In seiner eigenen Klinik hat der Geschäftsführer mehr oder weniger mit dem Thema Sole abgeschlossen. 2017 wurde der regelmäßige Bezug beendet. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei aus den Fugen geraten, weil immer weniger Patienten Sole-Bäder nutzen. Dennoch mache Sole natürlich einen wichtigen Teil der Tradition der Klinik Porta Westfalica aus. Holger Schuermann: »Um daran zu erinnern, haben wir nach dem Ende des Solebezugs eine Saline am Empfang installiert.« Die Sole dafür mischt die Klinik selbst.

Leseraktion: Welche Ideen haben Sie?

Bei der Diskussion über das neue Tourismuskonzept in der Wandelhalle haben viele Teilnehmer die Sole als identitätsstiftendes Merkmal von Bad Oeynhausen benannt. Doch es gab auch kritische Stimmen, die mahnten, bei weiteren Überlegungen auch andere Faktoren zu berücksichtigen. Diese Aufforderung gibt die Lokalredaktion Bad Oeynhausen an Sie, liebe Leserinnen und Leser, weiter.
Schreiben Sie uns (mit Namen, Adresse und Telefonnummer), mit welchen Pfunden Bad Oeynhausen aus Ihrer Sicht wuchern kann, an das WESTFALEN-BLATT, Lokalredaktion, Klosterstraße 24, 32545 Bad Oeynhausen, per E-Mail an oeynhausen@westfalen-blatt.de oder per Fax an 05731/251531.

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