Fr., 18.05.2018

Schadhafter Asphalt auf der A30: Sanierungskosten im hohen sechsstelligen Bereich »Pfusch am Bau der Nordumgehung«

Derzeit sind große Fräsen auf der A30-Nordumgehung, wie hier auf Höhe der Werster Heide, unterwegs. Voraussichtlich in den nächsten drei Wochen wird so der fehlerhaft aufgetragene Gussasphalt wieder entfernt. Später soll dann wie geplant der offenporige Asphalt den Abschluss bilden.

Derzeit sind große Fräsen auf der A30-Nordumgehung, wie hier auf Höhe der Werster Heide, unterwegs. Voraussichtlich in den nächsten drei Wochen wird so der fehlerhaft aufgetragene Gussasphalt wieder entfernt. Später soll dann wie geplant der offenporige Asphalt den Abschluss bilden. Foto: Rajkumar Mukherjee

Von Rajkumar Mukherjee

Bad Oeynhausen (WB). Die Sanierungsarbeiten am Blasen bildenden Asphalt auf der Trasse der Nordumgehung haben begonnen. Die Maßnahme wird nach Informationen dieser Zeitung einen hohen sechsstelligen Betrag kosten. Das sorgt für großen Unmut bei Ratspolitikern.

Nach der Berichterstattung äußert sich Olaf Winkelmann, SPD-Fraktionsvorsitzender, auf Anfrage im Namen des Fünferbündnisses: »Der Pfusch am Bau der Nordumgehung hört nicht auf«. Er verweist auf weitere Schäden, die bislang für Bauverzögerungen gesorgt hätten: »Stolperkanten der abgesackten Werster ›Rialto-Brücke‹, fehlerhaft angebrachte Lärmschutzwände, mangelhafte Überflughilfen für Fledermäuse, abgerutschte Böschungen am Zubringer, jetzt die Schäden im Asphalt. Statt einer versprochenen Bauzeit von sechs Jahren werden es nun wohl elf Jahre.«

Aus seiner Sicht gebe es eine »lange Liste von Versäumnissen bei Projektsteuerung, Ausschreibungen und Vergaben von Straßen NRW, die Geld« kosteten. »Ich würde gerne wissen, mit wie vielen zusätzlichen Steuergeldern wir Bürger diese Fehler bezahlen müssen. Und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie ›schnell‹ das nächste Großprojekt, der Abriss und Neubau der Flutmuldenbrücke, durch Straßen NRW projektiert und koordiniert wird. Das muss unter allen Umständen zügig und fehlerfrei umgesetzt werden«, erklärt Olaf Winkelmann.

Auch Kurt Nagel, Fraktionsvorsitzender der CDU, nimmt zur aktuellen Sanierung Stellung: »Es mutet schon sehr merkwürdig an, wenn die Fahrbahn eines Autobahnneubaus saniert werden muss, bevor sie unter Verkehr genommen wird.« Zudem würde die »Konzentration von Pannen im Zusammenhang mit dem Bau der Nordumgehung diesem neun Kilometer Autobahnnetzschluss schon ein internationales Alleinstellungsmerkmal« verleihen. »50 Jahre planen, zehn Jahre bauen und eine Fertigstellung nicht ernsthaft in Sicht. Daten, die die Probleme des Berliner Flughafens deutlich relativieren.«

Zugleich sei es »gut, dass die Schäden am Unterbau jetzt aufgetreten sind und nicht nach dem Einbau des offenporigen Asphalts. Sonst liefe es so wie mit den Schallschutzwänden mit Ranggittern. Die sollten plötzlich gar nicht berankt werden, nun aber doch«, teilt Kurt Nagel weiter mit.

2000 Kubikmeter Asphalt werden abgetragen

Unterdessen sind weitere Details bekannt geworden. So hatte ein beauftragter Gutachter »bauliche Mängel« in der Gussasphaltschicht festgestellt. »Es sind beispielsweise Nähte nicht angebracht worden, und auch von der Seite ist Wasser in die darunter liegende Binderschicht eingedrungen«, sagt Sven Johanning, Sprecher des Landesbetriebs Straßen NRW, Regionalniederlassung OWL. Deshalb muss diese Schicht nun auf einer Strecke von etwa fünf Kilometern abgetragen werden. Insgesamt ist die Nordumgehung etwa 9,6 Kilometer lang. »Wir sprechen hier von einer Gussasphalt-Fläche von etwa 100.000 Quadratmetern, die mit zwei Zentimetern Tiefe abgefräst wird«, sagt Sven Johanning. Als Fräsgut werden damit etwa 2000 Kubikmeter des bis etwa 2015 aufgetragenen Gussasphalts zusammenkommen.

Straßen NRW legt Prüf-Gutachten zum Schaden vor

Das Prüf-Gutachten wird Straßen NRW nun der Firma vorlegen, die bis 2015 unter anderem den Gussasphalt aufgetragen hatte. Mit den aktuellen Fräsarbeiten ist ein anderes Unternehmen, die Unternehmensgruppe Matthäi (Hannover) beauftragt. Sie hatte bereits den Zuschlag im Ausschreibungsverfahren zum Auftragen des offenporigen Asphalts (OPA) erhalten. In etwa drei Wochen sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein – wenn das Wetter mitspielt.

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