Sa., 30.12.2017

Schornsteinfeger aus dem Altkreis Lübbecke treffen sich am Schloss Benkhausen »Ein Kaminkehrer ist auch Seelsorger«

Mehr als 20 Schornsteinfeger, Auszubildende und der Kaminkehrer-Nachwuchs haben sich am Schloss Benkhausen zum traditionellen Jahresabschluss getroffen. Sie wünschen ihren Kunden Glück und Zufriedenheit.

Mehr als 20 Schornsteinfeger, Auszubildende und der Kaminkehrer-Nachwuchs haben sich am Schloss Benkhausen zum traditionellen Jahresabschluss getroffen. Sie wünschen ihren Kunden Glück und Zufriedenheit. Foto: Felix Quebbemann

Von Felix Quebbemann

Espelkamp/Altkreis Lübbecke (WB). »Glückseliges neue Jahr«, »frohes neues Jahr oder »glückliches neues Jahr« – der Jahreswechsel ist mit Freude und Glück verbunden.

Glücksbringer

Aber kann Glück auch für 2018 schon garantiert werden? Nein – aber echte Glücksbringer können dabei helfen. Gemeinhin zählt der Schornsteinfeger zu eben jener Glücksbringer-Gruppe.

Wer jetzt am Schloss Benkhausen vorbeigefahren ist, konnte gleich mehr als 20 Kaminkehrer antreffen. Die Schornsteinfeger aus dem Altkreis Lübbecke haben sich dort zum Jahresabschluss getroffen. Dies ist in der Altkreis-Truppe bereits Tradition.

Ruhestand

Freude jedenfalls strahlten die Kehrer aus, als sie auf der Treppe des Schlosses mit einem Glas Sekt auf das abgelaufene und das bevorstehende neue Jahr anstießen. »Wir wünschen unseren Kunden Gesundheit und Zufriedenheit und einen guten Schornsteinfeger« teilten sie mit.

Auf einen neuen Kehrer müssen sich die Kunden von Volker Heidergott im neuen Jahr einstellen. Denn ihr langjähriger Schornsteinfeger sagt in 20 Arbeitstagen »Leb wohl«. Der 63-Jährige aus Preußisch Oldendorf geht in den Ruhestand. Aber der Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern. »Wir haben heute auch drei Auszubildende und sogar zwei Kinder dabei«, erklärte Michael Thiel, der als Isenstedter im Bezirk Hille kehrt und damit so etwas wie ein »Schornsteinfeger zwischen den Welten« ist, wie er lachend mitteilte.

Historie

Die »Kaminkehrer« – wie sie auch genannt werden – treffen sich zum Jahresabschluss immer an anderen Orten im Altkreis. Das Schloss ist aber sicherlich einer der feudalsten bis jetzt gewesen. Der Schornstein des Anwesens wurde an diesem Vormittag von den Männern in ihrer schwarzen Arbeitskleidung zwar nicht näher in Augenschein genommen. Sicherlich aber hätten die Kehrer gerne einen Blick riskiert. Schließlich hat das Schloss eine lange Historie. Mit dem Bau des Schlosses wurde nämlich im Jahr 1651 begonnen.

Eine Zeit also, in der der Ruf des Schornsteinfegers als »Glücksbringer« recht frisch begründet war. Dieser Ruf geht auf das Mittelalter zurück. Damals kam es in zahlreichen Häusern immer wieder zu Bränden, weil die Kamine nicht gereinigt wurden. Die damals mit Stroh gedeckten Dächer brannten schnell, wenn sich Hitze staute. Zudem konnten Familien nicht mehr über offenem Feuer kochen, weil der Ruß nicht abzog. Der Besuch des Schornsteinfegers jedoch brachte das Glück zurück ins Haus. Das Gebäude wurde durch das Kehren des Schornsteins vor Feuer geschützt. Zudem konnten wieder warme Speisen zubereitet werden. Diese historische Begebenheit begründet den Ruf des Schornsteinfegers als Glücksbringer.

Gute Laune

Im Schloss Benkhausen verbreiteten die Altkreis-Kehrer zum Jahreswechsel jede Menge gute Laune. Ein Glücksbringer zu sein scheint selber glücklich zu machen. Aber ihre Mitmenschen vergessen die Schornsteinfeger nicht. Denn neben Zufriedenheit und Gesundheit haben sie auch die Entwicklungen der modernen Gesellschaft sehr genau im Blick.

Mit Blick auf die immer schneller und hektischer werdende Welt sagte Michael Thiel: »Ich wünsche den Menschen Entschleunigung.« Das würde sicherstellen, dass die kleinen Momente wahrgenommen und genossen werden könnten. Die Schornsteinfeger haben darüber hinaus ein gutes Gespür für ihre Mitmenschen. »Wir sind nicht nur Kaminkehrer sondern auch Vertrauenspersonen und Seelsorger«, sagte Thiel. Auch dies ist schon seit jeher so gewesen. Denn die Kehrer mussten schließlich damals schon durch das gesamte Haus und damit durch die Privatsphäre ihrer Kunden. Vertrauen und Verschwiegenheit waren da selbstverständlich.

Ein Familienmitglied

»Ein Schornsteinfeger ist schon beinahe ein Familienmitglied«, sagte Michael Thiel. Er ließ mit dieser Aussage keinen Zweifel an der großen Bedeutung des Kaminkehrers für die Gesellschaft auch in der heutigen Zeit.

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