Mo., 12.03.2018

51-Jähriger soll libanesischen Familienvater getötet haben Mord in Hille – eine Chronik des Falls

In der rechten Hand eine Pistole, in der linken eine Flasche Bier: Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach Jörg W. und seinem Mercedes.

In der rechten Hand eine Pistole, in der linken eine Flasche Bier: Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach Jörg W. und seinem Mercedes.

Von Christian Althoff

Hille (WB). Ein Spezialeinsatzkommando hat am Samstagabend in einem Hotel im bayerischen Reit im Winkl  den bundesweit gesuchten Jörg W. (51) aus Hille festgenommen. Er sitzt nun wegen Mordes in Untersuchungshaft.

Die Chronik: Am Sonntagnachmittag vergangener Woche fuhr der Libanese Fadi S. (30) aus Stadthagen (Niedersachsen) mit seinem Audi ins 35 Kilometer entfernte Hille, wo er Jörg W. treffen wollte. Fadi S. war nach Angaben eines Verwandten Maurer und soll Arbeitskleidung getragen haben, als er zu Jörg W. fuhr. Die beiden Männer sollen sich seit etwa einem Jahr gekannt haben. In ihrem Umfeld wird erzählt, sie hätten vorgehabt, sich gemeinsam in der Baubranche selbständig zu machen.

Die Familie des Libanesen – Fadi S. ist verheiratet und hat zwei Kinder – sah den 30-Jährigen nicht wieder und erstattete am Montag vergangener Woche Vermisstenanzeige. Fast zur selben Zeit wurde auch Jörg W. von seiner Frau vermisst gemeldet.

Wo ist der Besitzer des Hofs?

Jörg W. soll aus Duisburg stammen und bei der Fremdenlegion gewesen sein. Vor einigen Jahren zog er nach Hille. Dort lebte er mit seiner Frau und seiner Stieftochter auf einem Bauernhof, auf dem die Familie ein paar Tiere hielt. Gleich nebenan gibt es noch einen Hof.

Dessen Besitzer soll der etwa 70 Jahre alte Witwer Gerhard F. sein, der aber nach Angaben von Verwandten seit fast einem Jahr spurlos verschwunden ist. Eine Angehörige sagte dem WESTFALEN-BLATT: »Ich versuchte seit Monaten, Gerhard auf seinem Handy zu erreichen, aber er geht nicht ran. Im Ort wird erzählt, er mache eine Entziehungskur in Bayern, aber das wüssten wir doch!«

Obwohl der Hof also seit langem verwaist sein müsste, wurde der Nachbar Jörg W. dort immer wieder gesehen. Er soll dort auch Räume renoviert haben.

90 Minuten nach Aufruf entdeckt

 Am Freitag entdeckte die Polizei dann zunächst den weißen Audi von Fadi S. auf dem Hof und später die Leiche des Libanesen. Die Großfamilie war so außer sich, als Polizisten ihr die Todesnachricht überbrachten, dass die Polizei fürchtete, Hinterbliebene könnten die Wache in Stadthagen stürmen. Deshalb wurden Streifenwagen aus Wunstorf und Minden zur Verstärkung geschickt, aber die Lage blieb ruhig.

Am Samstag entschied sich Mordkommissionsleiter Markus Mertens in Absprache mit Staatsanwalt Veit Walter, mit Fotos des Mordverdächtigen Jörg W. und seines Fluchtwagens an die Öffentlichkeit zu gehen. Keine 90 Minuten später entdeckte ein Zeuge den silbernen Mercedes Kombi im Wintersportort Reit im Winkl (Landkreis Traunstein). Ermittlungen führten zu einem nahegelegenen Hotel, in dem der Gesuchte abgestiegen war. Weil er als sehr gefährlich eingeschätzt wurde, forderte die Polizei ein SEK an. Gegen 19.15 Uhr wurde Jörg W. festgenommen. Ein Richter des Amtsgerichts Traunstein erließ Haftbefehl wegen Mordes.

Was sich am Sonntag vergangener Woche auf dem Hof abgespielt hat und ob es einen Zusammenhang mit dem Verschwinden des Hofbesitzers gibt – dazu machte die Mordkommission keine Angaben. Polizisten wollten Jörg W. zurück nach Ostwestfalen holen, um ihn zu vernehmen und mehr Licht in die Geschehnisse zu bringen.

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