Do., 28.12.2017

Ellen Kwast vermittelt historische Briefe an Auswanderer-Nachfahren in Amerika 120 Jahre alte Weihnachtspost

Ellen Kwast und Gerd Makoschey betrachten die alten Briefe der Dahlinghauser Familie Siefering. Sie wird eine Weihnachtsüberraschung für deren Nachfahren in Amerika.

Ellen Kwast und Gerd Makoschey betrachten die alten Briefe der Dahlinghauser Familie Siefering. Sie wird eine Weihnachtsüberraschung für deren Nachfahren in Amerika. Foto: Gertrud Premke

Von Gertrud Premke

Hüllhorst/Bad Essen  (WB). Ahnenforschung und Sütterlin-Schrift sind zwei Hobbys der Hüllhorsterin Ellen Kwast. Mit ihrer Hilfe hat jetzt eine Familie im US-Bundesstaat Iowa 120 Jahre alte Weihnachtspost von ihren Vorfahren aus Dahlinghausen erhalten.

»Dear Papa, I will write you a letter. We are well and hope you are too.« Weiter auf Deutsch: »Ich möchte, dass Du bald nach Hause kommst und mir eine große Puppe mitbringst mit Haaren und mit Augen, die sie auf-und zumachen kann.« Das kurze, einem anderen Schreiben beigelegte Brieflein schrieb 1902 ein kleines Mädchen namens Etta aus dem fernen Ort Coins in Iowa an ihren Vater Hermann Siefering. Der befand sich seinerzeit in Bad Essen-Dahlinghausen, wo er seinen Vater Gerhard Siefering besuchte. Nach fast 120 Jahren ist diese alte Korrespondenz zurück an die Nachkommen der damaligen Briefschreiberin in Iowa gegangen.

Siefering-Enkel feiert 80. Geburtstag

Für Lyle Siefering war das Paket zugleich ein Weihnachts- und ein Geburtstagsgeschenk. Denn am zweiten Weihnachtstag wurde er 80 Jahre alt. Zu verdanken hat er diese Weihnachtspost zu einem guten Teil Ellen Kwast. Als die Hüllhorsterin, die im Dahlinghausener Nachbarort Hördinghausen in der niedersächsischen Gemeinde Bad Essen geboren ist, von der Auswanderer-Geschichte der Brüder Hermann und Heinrich Siefering erfuhr, war ihre Neugier geweckt.

Die alte Post aus Amerika war bei der Haushaltsauflösung vor dem Abbruch des Sieferingschen Hauses vor ungefähr zwanzig Jahren in den Besitz von Gerd Makoschey gekommen, der damals den Haushalt auflöste. Dem Antiquitätenhändler ist es zu verdanken, dass die historischen Briefe erhalten sind, denn er bewahrte die vergilbten Schriftstücke sorgsam auf. Ellen Quast nahm sich ganz intensiv der überwiegend in alter Sütterlinschrift geführten Korrespondenz an. Sie studierte die Briefe und übersetzte sie aus der altdeutschen Schrift mit den vielen Informationen und ging danach noch einen Schritt weiter.

Über Internet Kontakt hergestellt

Im Internet forschte sie nach möglichen Nachfahren in Amerika, weil in den Briefen Wohnorte genannt wurden. Und die Hobby-Heimatkundlerin hatte Erfolg. In einer amerikanischen Todesanzeige aus dem Jahr 2009 entdeckte sie Namen der Nachfahren des Hermann Siefering, seiner Kinder und eines Enkel namens Lyle mit Familie. Mit Lyle Siefering nahm Ellen Kwast vor einigen Wochen Kontakt auf. Die vorsichtige Anfrage stieß in Amerika auf größtes Interesse. »Zwischenzeitlich ist ein reger E-Mail-Austausch entstanden, der auch viele weitere Informationen zur Auswanderungswelle aus dem Wittlager Raum insgesamt offenbarte«, berichtet Kwast. »Ich freue mich, dass diese alten Unterlagen jetzt endlich in die richtigen Hände gelangen«, sagte Gerd Makoschey, als er die persönlichen Briefe nun zum Versenden an Ellen Kwast weitergab.

Die Hobby-Ahnenforscherin fand viele interessante Details über die Familie Siefering heraus. Hermann Siefering war zur Zeit der Auswanderung erst 16 Jahre alt. Ein reger Briefaustausch folgte in den späteren Jahrzehnten zwischen Sohn Hermann in Iowa und seinen Eltern Gerhard (Jahrgang 1826) und Maria geb. Lange (Jahrgang 1924) und dem Elternhaus Siefering in Dahlinghausen bis zum Tode der Eltern vor 1913. Die junge Wunschzettelschreiberin Henriette, genannt Etta, war eines der drei Kinder von Hermann Siefering. Er hatte eine zweite Tochter namens Lydia. Sein Sohn Wilbur, geboren 1906, starb erst 2009 im hohen Alter von 102 Jahren in Coins (Iowa).

Etta Siefering starb im Alter von 17 Jahren

»Aus den weiter vorhandenen Briefen geht nicht hervor, ob Papa Hermann damals vom Deutschlandbesuch im Jahre 1902 die sehnlichst gewünschte Schlafaugenpuppe als Weihnachtsgeschenk für Etta mit nach Amerika gebracht hat«, erklärt Ellen Kwast. »Immerhin war es die Vorweihnachtszeit, als der Brief in typischer Kinderhandschrift verfasst wurde.« Einige Jahre später wurde den Dahlinghauser Verwandten in einem weiteren Brief die traurige Nachricht übermittelt, dass das kleine Mädchen Etta im jugendlichen Alter von knapp 17 Jahren am zweiten Weihnachtstag 1912 an einer tückischen Krankheit starb.

In seiner Korrespondenz mit Ellen Kwast äußerte Lyle Siefering, der Enkel von Hermann, in einer emotionalen Mail den Wunsch, die historischen Briefe seiner Großeltern und Tante in seinen Händen halten zu können. »This has been the most rewarding to me«, schrieb er über die Aussicht auf den beglückenden Moment.

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