Mi., 07.03.2018

Puppen- und Kinderherde: Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Schnathorst In die Mini-Töpfe geschaut

Sigrid Israel zeigt einen Herd aus dem Jahr 1870/80 – eine frühe Ausführung zum Beheizen mit Holz und Kohle. Vermutlich war das Exponat die Selbstanfertigung eines Schmiedes, eventuell stammt der Herd auch von der Firma Märklin.

Sigrid Israel zeigt einen Herd aus dem Jahr 1870/80 – eine frühe Ausführung zum Beheizen mit Holz und Kohle. Vermutlich war das Exponat die Selbstanfertigung eines Schmiedes, eventuell stammt der Herd auch von der Firma Märklin. Foto: Kathrin Kröger

Von Kathrin Kröger

Hüllhorst (WB). Kartoffelquetsche und flotte Lotte, Waffeleisen und Kaffeemühle, Pfannen und Töpfe – Sigrid Israel hat alle Küchenutensilien parat. In Miniatur-Format, aber voll funktionsfähig. Etwa 100 Herde nennt sie ihr Eigen, doch gekocht wird darauf nicht. Die kleinen Geräte sind Exponate einer Sonderausstellung im Spielzeugmuseum Schnathorst, die am Samstag, 10. März, eröffnet wird.

Das Topf-Symbol an den Vitrinen weist den Weg durch »Lirum, Larum, Löffelstiel« – ein Rundgang von Puppen- zu Kinderherden. Reich an Details und so mancher auch persönlicher Geschichte. »Ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte lässt sich generell daran ablesen«, sagt Sigrid Israel, die zu jedem Exponat viel erzählen kann.

Verblüfft sein wird der Ausstellungsbesucher über die Vielfalt der Mini-Herde aus der Zeit von 1890 bis 1970. In Puppenstuben und Glasschränken entdeckt er die ältesten Exemplare aus Blech, betrieben mit Kohle oder Spiritus, den emaillierten Elektroherd aus den 50er Jahren oder auch den Einbauherd Baujahr ‘70.

Erste Kochversuche auf Tonherden

Die Entwicklung der Puppen- und Kinderherde im 18. Jahrhundert ist fest verbunden mit der Entstehung der Puppenhäuser und -küchen. Doch die Historie reicht noch viel früher zurück. »Schon im 16. Jahrhundert wurden die ersten Puppenhäuser angefertigt«, erläutert Sigrid Israel. Und diese waren nicht zum Spielen gedacht. Derart aufwändig hergestellt, diente die Miniatur-Stube nicht als Gebrauchsgegenstand, sondern als Repräsentationsobjekt. »Das waren richtige Prunkpuppenhäuser«, sagt Sigrid Israel. Sie gehörten dem Adel oder dem reichen Bürgertum und wurden ausgestattet von Schreinern, Goldschmieden und Zinngießern, Flaschnern und Schneidern.

Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Puppenhäuser und -küchen zum »Kinderspielzeug«, jedoch nur für die Sprösslinge des Adels und gehobenen Bürgertums. Sigrid Israel: »Mädchen sollten auf ihre Rolle als Hausfrau vorbereitet werden. Es war wie ein Modell für das eigentliche Leben.«

Aufzeichnungen um 1900 belegen, dass Mädchen auf kleinen Tonherden erste Kochversuche anstellten. Heute undenkbar, wurden also tatsächlich einfache Gerichte mit den filigranen Geräten zubereitet. Und wer eine Speise mit Ei brutzeln wollte, griff zum Spatzen- oder Wachtelei statt zum Hühnerei, fand Sigrid Israel bei ihren Recherchen heraus.

Exponate von Märklin

In Schnathorst finden sich unter anderem auch Herde von der Firma Märklin, die den meisten vor allem als Bauer von Modelleisenbahnen bekannt sein dürfte. »Von Märklin kam 1909 sogar der erste kleine Elektroherd«, erklärt die Fachfrau, die gemeinsam mit Ehemann Siegfried Israel das Museum aufgebaut hat und betreibt. Woher hat sie all die Exponate für die Welt des Kochens, Bratens und Backens im Kleinen? »Auf Puppenfestivals und Spielzeugbörsen haben wir so manches entdeckt, aber auch vieles von Händlern erworben. Auch im Urlaub guckt man.«

Tochter Sonja Voss, die als Museumspädagogin arbeitet, unterstützt Sigrid Israel bei der Sonderausstellung. Kürzlich konnte sie sich überzeugen, wie lebensecht die Küchenutensilien gefertigt sind. »Am kleinen Brotschneider hat sie sich fast geschnitten«, sagt ihre Mutter und schmunzelt.

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