Do., 17.05.2018

Löschen mit Schlauch und Schnitzeljagd mit Funkgerät – »Blaulicht-Kids« sind beliebt »Ich werde Feuerwehrmann!«

Wasser marsch! Sonja Mehnert hilft Hendrik und Elias mit dem Löschschlauch. Die Hüllhorster Kinderfeuerwehr »Blaulicht-Kids« ist beliebt. 30 Kinder sind aktuell Mitglieder, weitere Anmeldungen liegen bereits vor.

Wasser marsch! Sonja Mehnert hilft Hendrik und Elias mit dem Löschschlauch. Die Hüllhorster Kinderfeuerwehr »Blaulicht-Kids« ist beliebt. 30 Kinder sind aktuell Mitglieder, weitere Anmeldungen liegen bereits vor. Foto: Jessica Eberle

Von Jessica Eberle

Schnathorst (WB). Puppen hat Sonja Mehnert als kleines Mädchen aussortiert. Feuerwehrautos kamen schon eher in die Spielzeugkiste. Ihr Hobby hat die Beamtin schließlich zum Ehrenamt gemacht. Heute leitet sie das Projekt »Blaulicht-Kids« in Hüllhorst. Hier dürfen sich die Kleinen an Schlauch und Pumpe ausprobieren.

»Florentina-Blau an Florentina-Hüllhorst, bitte kommen!« Aus Lukas Mund blitzt eine Zunge hervor, ehe er in den Lautsprecher eines mobiltelefonartigen Geräts brüllt. Höchste Konzentration ist gefragt. Um ihn herum hat sich eine Kinderschar versammelt.

30 Kinder sind aktuell Mitglieder

Jeder Schritt wird beobachtet, die Ohren sind gespitzt, denn Funken müssen sie heute alle. Etwas unsicher hebt Lukas den Kopf und blickt Sonja Mehnert an. »Und jetzt sagst du noch, was die Lösung ist«, spricht sie ihm zu. »Die Lösung ist ein Waschbär«, ruft der Nachwuchsfeuerwehrmann. »Ihr seid die Besten«, schallt eine Stimme aus dem Funkgerät. Die Gruppe hat die Aufgabe gelöst. Ziel war es, das Tier auf dem Schild an der Kreuzung Bredenhop zu identifizieren.

Der Kontakt über Funk gehört zum Handwerkszeug jedes Feuerwehrmanns: »Die Kleinen sollen das heute spielerisch per Schnitzeljagd erlernen«, erzählt die Kinderfeuerwehrwartin. Insgesamt 30 Kinder sind bereits Mitglieder der Blaulicht-Kids. Neun Betreuer achten darauf, dass alle sicher durchkommen. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. »Achtung, näher zusammen, passt auf die Autos auf«, ruft Mehnert. Ja, manchmal sei das schon anstrengend, sagt sie. Und ja, verspielt sei die Bande auch noch, aber: »Wenn dir etwas Spaß macht, dann ist es eigentlich nicht stressig«, sagt sie und zuckt mit den Schultern.

Zur Ausstattung gehört ein eigener Bully

Während Mehnert die Gruppe durch Schnathorst dirigiert, erinnert sich die hauptberufliche Justiz-Sekretärin an ihre Anfänge bei der Jugendfeuerwehr. Die Leidenschaft hierfür wurde ihr sprichwörtlich in die Wiege gelegt: »Mein Vater und mein Opa waren schon bei der Freiwilligen Feuerwehr. Da hat es mich auch gepackt und mit zehn Jahren war ich dann drin.« Während andere Schulkameradinnen mit Puppen spielten, begutachtete die Feuerwehrfrau als kleines Mädchen lieber die Drehleiter eines Löschwagens. Ob das nicht komisch sei, eine der wenigen Frauen in der Löschgruppe zu sein? Mehnert kann da nur den Kopf schief legen: »Wieso? Ist doch ganz normal. Hier wird jeder gleich behandelt«, sagt sie.

Zur Ausstattung der Blaulicht-Kids der Gemeinde Hüllhorst gehört seit April dieses Jahres ein Mannschaftstransportwagen. An der letzten Station angekommen, werden die Kinder vom eigenen feuerroten Bully abgeholt: »Das Auto ist voll cool«, findet die zehnjährige Lara. Feuerwehrfrau sei auch ein Beruf, den sie sich durchaus vorstellen könne. Chris, sieben Jahre, hat bereits vorgesorgt und erzählt von seiner Spielzeug-Feuerwache. Zum Geburtstag soll dann noch ein Hubschrauber dazu kommen: »Damit ich Waldbrände löschen kann. Das kenn ich aus dem Fernsehen«, erzählt er. Seine Augen werden groß.

Weitere Kinder wollen beitreten

Die Mittagssonne steht ganz oben am Himmel, als Sonja Mehnert ihren Schützlingen eine Überraschung ankündigt: »Jetzt dürft ihr an den Löschschlauch.« Im hohen Bogen spritzt ein Wasserstrahl auf einen Turm aus Dosen. Freiwillige Feuerwehr heißt Teamarbeit. Das wird schnell klar, denn die Kinder löschen »das Feuer« in Zweierteams.

»Ist es denn schon so spät?« – Auf den Gesichtern liegt ein Fragezeichen. Jetzt heißt es Abschied nehmen. In einem Monat ist der nächste Treff. Und bis dahin: »Neue Anmeldungen liegen uns schon vor. Zwei weitere Kinder wollen beitreten«, freut sich Sonja Mehnert und lächelt. Die Begeisterung der Kinder kann sie vermutlich sehr gut nachvollziehen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5744957?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516043%2F