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Di., 12.04.2016

Nachts gibt es Ansprechpartner für die Bürger nur noch auf der Wache in Minden Polizei strukturiert um

Die Polizeiwache Lübbecke.

Die Polizeiwache Lübbecke. Foto: Wessel

Von Friederike Niemeyer

Kreis Minden-Lübbecke (WB). Die Polizei im Kreis Minden-Lübbecke ist weiter nachts für die Bürger da. Auch wenn nicht mehr überall 24 Stunden lang ein wachhabender Polizist in der Wache vor Ort anzutreffen ist, werden die Anliegen der Bürger telefonisch, über Funk oder persönlich durch Streifenbeamte aufgenommen, sichert die Kreispolizeibehörde zu.

Künftig soll nachts in Lübbecke kein Beamter mehr als Ansprechpartner und zur Aufnahme von Anzeigen bereitstehen. Landrat Ralf Niermann und Polizeidirektor Uwe Bogumil erläuterten gestern bei einem Redaktionsbesuch beim WESTFALEN-BLATT weitere Details des neuen Personalkonzepts. Hintergrund ist die Pensionierungswelle mit einem zu erwartenden Personalrückgang um zehn Prozent bis 2023.

Nach den Überlegungen der Kreispolizeibehörde sollen alle sechs Wachen im Kreis erhalten werden – obwohl man vorurteilsfrei auch das Für und Wider von Standortschließungen diskutiert habe, so der zuständige Direktionsleiter Uwe Bogumil.

Spürbare Veränderung für Bürger

Polizeidirektor Uwe Bogumil Foto: Wessel

Gleichwohl wird es eine spürbare Veränderung für die Bürger geben: Nur noch in Minden ist rund um die Uhr ein Wachhabender vor Ort, der Bürgern Fragen beantwortet und Anzeigen aufnimmt. In Lübbecke und Bad Oeynhausen ist künftig ein wachhabender Beamter nur noch an 16 Stunden im Dienst, an Wochenenden nur noch in der Kernzeit von etwa 10 bis 18 Uhr.

Die kleinen Wachen in Petershagen, Porta Westfalica und Espelkamp, die bislang wochentags acht Stunden lang mit einem Wachhabenden besetzt waren, haben künftig gar keine Servicezeit mehr. Aber die Bezirksbeamten werden dort Sprechstunden einrichten.

Sprechanlagen verbinden mit Mindener Wache

Landrat Ralf Niermann Foto: Wessel

»Die Kreispolizei wird auch weiter rund um die Uhr erreichbar sein, etwa über den Notruf 110«, versichert Uwe Bogumil. Zudem werde die Rufnummer der jeweiligen Wache – in Lübbecke die Nummer 2770 – auf die zentrale Polizeileitstelle in Minden umgeleitet. Und vor Ort an den Wachentüren in Bad Oeynhausen und Lübbecke werden Gegensprechanlagen eingerichtet, die mit der Mindener Wache verbinden.

Wer sich sorgt, dass der Verzicht auf einen wachhabenden Polizisten in den Nachtstunden weniger Schutz bedeute, den beruhigt Polizeidirektor Bogumil: »Ein Wachhabender hat noch keinen einzigen Einbruch verhindert.«

Zwar hätten die für diesen Dienst eingeteilten Beamten tagsüber oft reichlich zu tun, nachts sei es aber zumeist sehr ruhig. Gerne würden die Kollegen auch von den Streifenbesatzungen gebeten, ihnen ein Telefonat abzunehmen. Das könnten künftig aber auch die Leitstellenkollegen übernehmen, so Bogumil.

237 Polizisten im Kreis

Landrat und Behördenchef Ralf Niermann sieht diese Umstrukturierung als wichtige Maßnahme, um den Streifendienst weiter in gewohnter Stärke aufrecht erhalten zu können. Die auf der Wache frei werdenden Kapazitäten würden für andere Aufgaben genutzt. Niermann: »Die Präsenz in der Fläche geht nicht zurück.«

237 Polizisten kümmern sich im Kreis um die Sicherheit der Bürger. Sie leisten als Streifenbeamte oder Hundeführer, in den Wachstuben oder Leitstellen des Kreises Dienst. Über die Art und Weise, diese Beamten – etwa die Hälfte der Personalstärke der Kreispolizei – effektiv einzusetzen, ist seit 2014 behördenintern intensiv diskutiert worden. Aber auch Jahr für Jahr überprüft die Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz, wo wie viel Personal am sinnvollsten eingesetzt wird.

Uwe Bogumil nennt als Beispiel den zweiten Polizeiwagen samstags in Lübbecke. »Generell ist im gesamten Kreisgebiet die Anzahl der Einsätze in den vergangenen zwei Jahren angestiegen.«

Bogumil wünschte sich in der Diskussion um die Polizeistärke, das Einsatzgeschehen nicht als ein örtliches Phänomen zu betrachten. »Ein Streifenwagen in Lübbecke ist nicht allein im Universum gegen das Verbrechen«, formuliert er überspitzt. Kreisweit würden die Einsätze disponiert, gegebenenfalls Hilfe aus den Nachbarkreisen und Niedersachsen angefordert. Dies sei ganz normale Praxis.

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