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Mi., 13.04.2016

Reaktionszeiten nach der Alarmierung: Lübbecke liegt deutlich über dem Landesschnitt Bis die Polizei kommt, kann viel Zeit vergehen

Wie schnell ist die Polizei im Mühlenkreis am Einsatzort? Die Reaktionszeiten (siehe Tabelle) zeigen, dass es in allen Polizeiwachen des Kreises im vergangenen Jahr länger dauerte, als im Jahr 2009. Besonders viel Zeit benötigt die Wache in Lübbecke.

Wie schnell ist die Polizei im Mühlenkreis am Einsatzort? Die Reaktionszeiten (siehe Tabelle) zeigen, dass es in allen Polizeiwachen des Kreises im vergangenen Jahr länger dauerte, als im Jahr 2009. Besonders viel Zeit benötigt die Wache in Lübbecke. Foto: Kai Wessel

Von Kai Wessel

Kreis Minden-Lübbecke (WB). Wer in Lübbecke die Notrufnummer 110 wählt, musste im vergangenen Jahr im Schnitt fast 19 Minuten lang warten, bis Hilfe kommt – länger als sonst wo im Kreisgebiet. Das geht aus einer Anfrage der heimischen CDU-Landtagsabgeordneten Kirstin Korte an NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) hervor.

Kirstin Korte wollte vom Innenministerium wissen, wie sich die »Einsatzreaktionszeiten« der Polizei – der Zeitraum von der Alarmierung bis zum Eintreffen am Einsatzort – in den vergangenen sieben Jahren entwickelt haben.

Aus der Statistik geht hervor, dass die Polizei im Mühlenkreis heute oft mehr Zeit benötigt als früher. Bei einem Notruf sind die Beamten im Schnitt nach 15:21 Minuten vor Ort. Damit liegt die Kreispolizei noch 53 Sekunden unter dem Landesschnitt.

Am schnellsten ist die Polizei in Minden zur Stelle

Am schnellsten ist die Polizei in Minden zur Stelle (14:10 Minuten), dicht gefolgt von Bad Oeynhausen und Espelkamp. Am längsten dauert es im Zuständigkeitsbereich der Lübbecker Polizeiwache (18:58 Minuten). Der Bestwert der Lübbecker Wache stammt aus dem Jahr 2009, damals waren die Beamten drei Minuten schneller.

Lübbecke hat auch die rote Laterne, wenn es um Einsätze geht, bei denen der Täter noch auf frischer Tat ertappt werden könnte, wie beispielsweise bei Einbrüchen. In diesen Fällen wurden 2015 exakt 9:03 Minuten benötigt, bis der Streifenwagen eintraf.

Zum Vergleich: Der Landesschnitt liegt bei 5:50 Minuten. Im Kreis wird dieser Wert nur in Bad Oeynhausen (5:02 Minuten) und in Minden (5:56 Minuten) erreicht. Die Polizeiwache Espelkamp liegt mit 7:11 Minuten ebenfalls deutlich über der landesweiten Vergleichszahl. Vor vier Jahren waren sowohl die Beamten aus Lübbecke als auch Espelkamp noch deutlich schneller.

Schlusslicht Lübbecke

Schlusslicht ist Lübbecke auch bei der Anfahrt zu Verkehrsunfällen mit verletzten Personen. Während im Landesschnitt knapp zehn Minuten vergehen, bis die Polizei eintrifft, dauert’s in Lübbecke mehr als 14 Minuten.

Deutlich schneller sind Minden und Bad Oeynhausen (unter zehn Minuten). Espelkamp (10:50 Minuten), Porta Westfalica (11:24 Minuten) und Petershagen (11:39 Minuten) liegen über dem Schnitt, reichen aber nicht an Lübbecke heran.

Hinweis auf diverse Fehlerquellen

Polizeisprecher Ralf Steinmeyer aus Minden betont, dass die Arbeit der Polizei nicht anhand von Einsatzreaktionszeiten zu bewerten sei. Er weist auf diverse Fehlerquellen bei der Berechnung der Zeiten hin. Diese würden manuell erfasst. So müsse der Beamte im Streifenwagen sowohl bei der Abfahrt zum Einsatzort als auch bei der Ankunft jeweils einen bestimmten Knopf drücken, um die Leitstelle über die Position des Wagens zu informieren.

»Es können sich aber vor Ort, beispielsweise bei schweren Verkehrsunfällen, Aufgaben stellen, die wichtiger sind, als einen Knopf zu drücken«, sagt Steinmeyer. Das verspätete Drücken würde dann die Statistik negativ beeinflussen.

Landrat: keine schnellen Rückschlüsse auf Sicherheit der Bürger

Bei den Zahlen aus Lübbecke gibt Steinmeyer zu bedenken, dass die Wache ein Gebiet abdecke, das bis nach Stemwede reiche. Eine Anfahrt dorthin würde weit mehr Zeit erfordern, als ein Unfall in der City von Bad Oeynhausen oder Minden.

Landrat Ralf Niermann erklärte, dass die Polizeiführung die Zahlen mit all ihren Unsicherheiten sehr wohl registrieren und gegebenenfalls auch die nötigen Schlussfolgerungen ziehen werde. Er warnte aber gleichzeitig davor, anhand der vorliegenden Statistik vorschnelle Rückschlüsse über die Sicherheit der Bürger im Kreis zu treffen.

Kirstin Korte erklärte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES, dass sie mehrere Anfragen bei Innenminister Jäger gestellt habe. Eine Bewertung der Fakten wolle sie erst dann vornehmen, wenn alle Antworten vorliegen.

Nach dem Notruf: die Zeit bis zum Einsatzort

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