Do., 28.12.2017

Meteorologe Friedrich Föst blickt auf 2017 zurück – Silvesternacht mit Glück trocken Das Wetterjahr zeigt zwei Gesichter

Für das Bürgerschützenfest Anfang Juli hatte Meteorologe Friedrich Föst (mit Regenmesser) starke Regenfälle vorhergesagt. Damit sollte er Recht behalten.

Für das Bürgerschützenfest Anfang Juli hatte Meteorologe Friedrich Föst (mit Regenmesser) starke Regenfälle vorhergesagt. Damit sollte er Recht behalten. Foto: Kai Wessel

Lübbecke (WB/aha). Am Ende des Jahres lohnt sich immer auch ein Rückblick auf das Wetter. Der Lübbecker Meteorologe Friedrich Föst zeichnet anhand seiner Daten das Bild eines ungewöhnlichen Verlaufs: »Interessant ist, dass das Wetterjahr bei uns im Kreis zwei Gesichter hatte.«

Die ersten sechs Monate verliefen nach den Aufzeichnungen Fösts viel zu trocken. Es gab überdurchschnittlich viele Sonnenstunden. In der Mehrheit aller Tage lag der Altkreis unter Hochdruckeinfluss. Die Trockenheit führte zeitweise dazu, dass der Grundwasserspiegel so weit abgesunken war, dass beispielsweise die Bürger in Hüllhorst zum Wassersparen aufgerufen wurden.

Das Wettermuster änderte sich grundlegend ab Juli: »Die zweite Jahreshälfte war überwiegend in der Hand von Tiefdruckgebieten, die viel Regen brachten. Und zwar so viel Regen, dass bei uns im Kreis das enorme Defizit des ersten Halbjahres noch ausgeglichen wurde«, berichtet Föst. Die Sonne machte sich in der zweiten Jahreshälfte rar.

Kalter Winter

Das Jahr 2017 startete mit einem kalten Januar, der kälteste seit sieben Jahren. Da der Januar aber von hohem Luftdruck dominiert war, schneite es trotz der Kälte nur selten. Dafür schien oft die Sonne. Der Januar 2017 geht als einer der an Sonnenschein reichsten Januar-Monate der letzten 60 Jahre in die Statistik ein. Der Februar verlief sehr mild, so dass der Winter einer der schneeärmsten in den letzten 100 Jahren war.

Warmer März, Frost im Mai

Der März stellte ebenfalls einen Rekord auf: Der Monat fiel um vier Grad zu warm aus und erreichte Temperaturen wie sonst der Mai. Unter dem Strich stand dann auch der wärmste März seit Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Und das hatte Folgen: »Die Natur erwachte früh – zu früh – aus ihrem Winterschlaf«, sagt Föst mit Blick auf die Obstbaumblüte. Die war schon in vollem Gang, als sich die Wetterlage im April geändert habe. Nördliche Winde brachten eisige Luft in den Mühlenkreis, die den Obstbauern hohe Schäden einbrachte. Die Obstbaumblüte verfror fast vollständig. Die Frostperiode dauerte bis zum 10. Mai. An diesem Tag gab es den letzten Frost im Kreis. Nur einen Tag später, am 11. Mai, stiegen die Temperaturen auf 23 Grad. Erst jetzt war der Winter endgültig vertrieben.

Wende am Siebenschläfer

Der Juni war der Sommermonat schlechthin: Er fiel um 2,5 Grad zu warm aus und war insgesamt zu trocken. Es herrschte an vielen Tagen sommerliches Wetter, was zum Baden einlud. Doch ausgerechnet um die Zeit des Siebenschläfertages, wonach sich der Wettercharakter des Sommers in den meisten Fällen entscheidet, schlug die Wetterlage um. Westwinde brachten Tiefdruckgebiete in den Mühlenkreis. Es folgte einer des nassesten Juli-Monate der vergangenen 50 Jahre. Und auch der August hatte vor allem an Regen im Angebot. Von größeren Unwettern blieb der Kreis aber im Vergleich zum Vorjahr verschont. Am 2. Juli, dem letzten Tag des verregneten Schützenfestes, gab es ein Hagelgewitter über Lübbecke mit Korngrößen von bis zu zwei Zentimetern und etwa 2300 Blitzen im Kreisgebiet. Am 19. Juli zog ein weiteres kräftigeres Gewitter durch, das zu einem großen Astbruch an der Obernfelder Allee führte. An der Lübbecker Wetterstation wurden an diesem Tag Windgeschwindigkeiten in Sturmstärke (85 km/h) gemessen.

Kein Goldener Herbst

Wer sich nach dem nassen Sommer auf einen goldenen Herbst gefreut hatte, wurde enttäuscht. »Alle Herbstmonate (September, Oktober und November) brachten deutlich weniger Sonnenstunden als uns vom Klimamittel her zustehen«, sagt Föst. Der November brachte es nur auf magere 30 Sonnenstunden, weit weniger als üblich. Und der Dezember hatte bislang nur acht Sonnenstunden. »So gut wie nix«, sagt Föst.

Die Durchschnittswerte

Temperatur: Das Jahr 2017 war im Schnitt um 1,2 bis 1,4 Grad zu warm.

Niederschlag: Besonders nass war das Jahr im östlichen Mühlenkreis (Raum Porta-Westfalica, Bad Oeynhausen) mit mehr als 900 Litern auf den Quadratmeter. Im Lübbecker Raum wurde mit 700 bis 800 Litern in etwa das Soll erreicht, im westlichen Kreisgebiet (Raum Levern) wurden 550 bis 650 Liter gemessen, was normal bis leicht zu wenig ist.

Sonnenschein: Mit 1350 (östliches Kreisgebiet) bis 1400 (westliches Kreisgebiet) Sonnenstunden fehlen zehn Prozent an der sonst üblichen Sonnenscheindauer.

So wird Silvester

Der nahende Silvestertag, der kommende Sonntag, wird im Altkreis nass. »Da können einige Liter runterkommen«, sagt Föst. Mit etwas Glück könnten die Regenfälle aber in der Nacht abklingen, so dass es gegen Mitternacht trocken ist. Die Temperaturen liegen bei 5 Grad, starke Winde oder gar Sturm seien nicht zu befürchten, sagt der Meteorologe.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5383933?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F