Fr., 18.08.2017

In Minden wird am Freitag die neue Schachtschleuse eingeweiht Bereit für große Schiffe

Die Schleuse kann die »Großmotorgüterschiffe« bewältigen – ein Meilenstein für das Wasserstraßenkreuz Minden.

Die Schleuse kann die »Großmotorgüterschiffe« bewältigen – ein Meilenstein für das Wasserstraßenkreuz Minden. Foto: Oliver Schwabe

Von Dietmar Kemper

Minden (WB). Feiertag in Minden: Nach siebenjähriger Bauzeit wird die neue Schachtschleuse am Freitag eingeweiht. Nach feierlichen Reden um 11 Uhr soll das erste Schiff das Bauwerk passieren.

Magazin »Die Weser von oben«

Einen Blick auf die Weser bietet das neue Magazin » Die Weser von oben«. Der Bremer Fotograf Karsten Klama hat die Weser vom Flugzeug aus fotografiert. Geschichten berichten über das Leben am Ufer und auf dem Strom. Das Magazin ist vom 18. August an zum Preis von 9,80 Euro in den WESTFALEN-BLATT- Geschäftsstellen sowie im Online-Shop erhältlich.

Für die Schifffahrt auf der Mittelweser stellt die neue Schachtschleuse einen Quantensprung dar. Konnten durch den zwischen 1911 und 1914 errichteten Vorgängerbau nur die maximal 85 Meter langen und zehn Meter breiten sogenannten »Europaschiffe« geschleust werden, bewältigt die neue Schachtschleuse auch die »Großmotorgüterschiffe«.

In diese Kategorie fallen Pötte mit einer Größe von 110 Metern, einer Breite von 11,45 Meter und einem Tiefgang von 2,50 Meter. Im Gegensatz zu den Europaschiffen (1350 Tonnen) können sie mit 2100 Tonnen deutlich mehr Fracht laden. Die Kosten für die neue Schachtschleuse gibt die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn mit 92 Millionen Euro an. Zwei Drittel der Summe übernimmt der Bund, ein Drittel teilen sich die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

120 Millionen Euro werden investiert

Mit der neuen Schachtschleuse ist es aber nicht getan. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, kündigte im Juni an: »Um die Entwicklung des Containerverkehrs nachhaltig zu unterstützen und das Erreichte zu erhalten, sanieren wir zusätzlich fünf Wehre, ersetzen alte Schleusentore und setzen in etlichen Schleusenvorhäfen die Dalben und Leitwerke instand. Dafür nehmen wir mehr als 120 Millionen Euro in die Hand.«

Die 150 Kilometer lange Mittelweser zwischen Minden und Bremen ist für die Güterschifffahrt von zentraler Bedeutung, weil sie die Seehäfen an der Weser mit dem Mittellandkanal verknüpft.

Daten und Fakten

Nutzlänge der Schleusenkammer: 139,00 m

Lichte Breite der Schleusenkammer: 12,50 m

Bauwerkshöhe von der Sohle bis zur Kammeroberkante: 23,80 m

Wasserbedarf pro Schleusung: 25 400 m³

Bauzeit: 2010-2017

Kosten: voraussichtlich 92 Millionen Euro

Minden ist Hauptumschlagplatz für Container aus der Region. Zu den Großkunden des Hafens gehört die Logistiktochter Tevex des Fleischkonzerns Tönnies in Rheda-Wiedenbrück. Weil das Containergeschäft floriert, wurde nicht nur die neue Schleuse gebaut, sondern auch ein neuer Hafen in Angriff genommen. Für den »Regioport Weser« erfolgte am 3. Juli der Spatenstich, voraussichtlich im Spätherbst 2018 wird er den Betrieb aufnehmen.

Die Kosten für den Containerhafen sind mit 22 Millionen Euro veranschlagt. Der alte Hafen mit seinen 3,3 Hektar ist zu klein geworden, auf ihm wurden 2016 etwa 70 000 Container umgeschlagen. Minden hat als Handelsplatz am Wasser eine lange Geschichte. Bereits 1572 wurde der erste Anleger erbaut, das Hafengelände 1910 umfassend erweitert. Umgeschlagen werden zum Beispiel Zellulose, Zucker, landwirtschaftliche Produkte, aber auch Schrott und Steine. Zielhäfen sind Hamburg, Bremerhaven und Bremen, aber auch Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam.

139 Meter lang

Zurück zur neuen Schleuse, die 139 Meter lang ist. Durch sie werde kräftig Wasser gespart, betont die Sprecherin der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, Claudia Thoma: »Durch die Sparbecken werden 60 Prozent Wasser eingespart, da bei der Bergfahrt das Wasser aus den Sparbecken der Schleusenkammer zugeführt wird beziehungsweise bei der Talfahrt von der Kammer in die Sparbecken. Nur die Restmenge wird aus dem Mittellandkanal entnommen beziehungsweise der Weser zugeführt.« Ein Schleusungsvorgang erfordere 25 400 Kubikmeter Wasser.

Die siebenjährige Bauphase der neuen Schachtschleuse hat der heimische Fotograf Alfred Lo­schen in einer Ausstellung dokumentiert, die im Internet zu sehen ist. Die Minden Marketing GmbH hat sie auf der Seite www.minden-erleben.de in der Rubrik Aktuelles freigeschaltet.

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