Mo., 19.02.2018

Älteste Turnerin der Welt verblüfft Publikum in Minden - mit Video 92-Jährige turnt am Barren

Johanna Quaas am Barren: Zu ihrer Kür gehört auch diese  Taucherschraube.

Johanna Quaas am Barren: Zu ihrer Kür gehört auch diese Taucherschraube. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Minden (WB). Johanna Quaas ist 92 Jahre alt und sagt: »Ich turne am Barren, weil da nichts passieren kann. Ich kann mich ja festhalten.«

Die Sportlerin aus Halle an der Saale, laut Guinness-Buch die älteste Wettkampfturnerin der Welt, ist an diesem Samstag der Star bei einer Fortbildungsveranstaltung für Ärzte in Minden. »Sport im Alter« heißt die Tagung, aber das, was die Mediziner zu sehen bekommen, ist damit bestimmt nicht gemeint.

Das sieht nicht nach Seniorenturnen aus

Die 1,49 Meter große Frau mit den weißen Haaren und der goldenen Brille schlüpft aus ihrem Trainingsanzug. Bordeaux-schwarzer, paillettenbesetzter Body, Tanzstrumpfhose – das sieht nicht nach Seniorenturnen aus!

Die weißhaarige Sportlerin winkt ins Publikum, dreht sich zum Turngerät und ergreift beide Holme. Sie drückt sich hoch und grätscht mit den Beinen auf die Hölzer. Eine Rolle vorwärts in den kerzengraden Oberarmstand, rückwärts abrollen in die Grätsche und nahtloser Übergang zur Taucherschraube. Dann Grätsche auf die Holme, Schulterstand – und ein gaaanz laaangsamer Übergang in die Stützwaage, die sie fast vier Sekunden hält. Während Johanna Quaas noch in der Horizontalen ist, dreht sie ihr Gesicht zum Publikum und lächelt. Die Zuschauer rasten aus. Beifall, Schreie, Begeisterungspfiffe.

In Topform sei sie heute nicht gewesen, erzählt die Turnerin später. Probleme mit dem rechten Knie hätten sie zu einer mehrwöchigen Trainingspause gezwungen. »Da haben meine Muskeln ganz schön nachgelassen. Ich bin gerade dabei, das wieder aufzuholen.« Zweimal in der Woche turnt die 92-Jährige beim SV Halle am Barren. »Leider alleine, weil wir keine Seniorengruppe haben.«

Erst mit 56 Jahren ernsthaft ins Geräteturnen eingestiegen

Johanna Quaas wird 1925 in Hohenmölsen (Sachsen-Anhalt) geboren. Sie turnt schon als kleines Mädchen, studiert später in Halle und wird Ausbilderin für Sportlehrer. Für die gesamtdeutsche Mannschaft bei den olympischen Sommerspielen 1964 in Tokio trainiert sie Barbara Dix-Stolz (sie erreicht Platz vier) und Christel Wunder-Felgner (Platz vier mit der Mannschaft). Johanna Quaas steigt selbst erst mit 56 Jahren ernsthaft ins Geräteturnen ein. »Ich musste ja erst unsere drei Mädchen großziehen.« Von denen sei übrigens keine Turnerin geworden. »Die eine war zu pummelig, die andere zu steif . . .«, erzählt die Turn-Oma und lacht.

Seit 1990 nimmt Johanna Quaas jedes Jahr am Deutschen Turnfest teil, mit 90 macht sie ihren ersten Tandem-Fallschirmsprung. Warum sie in ihrem hohen Alter noch fit wie ein Turnschuh ist – genau weiß die 92-Jährige das nicht zu sagen. »Ich esse, was mir schmeckt, auch wenn ich in letzter Zeit öfter Mal Fisch statt Fleisch und Käse statt Wurst nehme. Aber ich bewege mich eben immer, auch wenn es mir mal nicht so gut geht.« Schließlich habe sie Arthrose in den Händen.

Erst zweimal habe sie sich beim Turnen etwas gebrochen, erzählt die quirlige Frau – einmal den Mittelfuß, einmal die Ferse. »Das ist aber lange her. Mein Hausarzt sieht mich eigentlich nie.« Und wie lange will sie noch turnen? Johanna Quaas lacht. »Ich habe zwei Tanten, die sind 100 geworden.«

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