Mo., 05.03.2018

Archäologen machten 2017 vor allem in OWL bedeutende Funde Knochenkamm in der Ritterburg

Restauratorin Ruth Tegethoff säubert Teile eines Schwertes aus der Bronzezeit. Die über 3000 Jahre alte Waffe wurde in Päpinghausen bei Minden gefunden.

Restauratorin Ruth Tegethoff säubert Teile eines Schwertes aus der Bronzezeit. Die über 3000 Jahre alte Waffe wurde in Päpinghausen bei Minden gefunden. Foto: Gunnar A. Pier

Von Elmar Ries

Münster/Minden (WB). Archäologie in Westfalen-Lippe ist mehr als ab und zu mal eine Speerspitze ausgraben. Die bedeutendsten Funde des vergangenen Jahres wurden vor allem in OWL gemacht.

Bei ihrer Jahrestagung ziehen die heimischen Archäologen heute in Münster noch einmal Bilanz. Die für die Region zuständige Altertumskunde ist beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) angesiedelt. In der Speicherstadt im Norden Münsters sind die Büros, hier sind die Depots, hier sind die Restaurierungswerkstätten. Hier ist Prof. Michael Rind der Chef.

Die bedeutendsten Funde 2017? Da muss der 59 Jahre alte Landesarchäologe nicht überlegen. »Ein liturgischer Knochenkamm, gefunden in der Holsterburg bei Warburg, ein Schwert aus der Bronzezeit, ausgegraben bei Minden und zwei Römerhelme, die in Haltern entdeckt wurden«, sagt er. Auch wenn Funde aus der Römerzeit in Haltern nichts Einmaliges sind: »Helme wurden dort zuletzt vor 100 Jahren ausgegraben.« Aber wie kommt ein verzierter Elfenbeinkamm in ei­ne profane Ritterburg? »Bisher kennen wir solche Funde nur aus Kirchen und Klöstern«, erklärt Rind. Manchmal liefere der Fund die Antwort. Beim Kamm aus der Holsterburg steht bisher am Ende bisher aber noch ein Fragezeichen.

Landesweit 50.000 Fundstätten

450 Grabungen fanden im vergangenen Jahr in NRW statt. 200 in Westfalen-Lippe, 250 im Rheinland. 50.000 Fundstätten sind landesweit verzeichnet, von denen zehn Prozent unter Schutz gestellt worden sind. Manche sind kaum der Rede wert, andere wiederum sind durchaus spektakulär, wie die Blätterhöhle bei Hagen in der Knochen von Steinzeitmenschen gefunden wurden oder die Ackerbauern-Nekropole bei Warburg. »Eigentlich haben wir jedes Jahr ein paar echte Klopper unter den Funden«, sagt Rind salopp und bringt das Beispiel der Steinzeitharpune aus Hamm.

Gefunden worden war die Spitze schon in den 1930er Jahren. Nur war sie damals falsch datiert worden. Jetzt steht fest: Der Fischspeer ist nicht nur 13 000 Jahre alt und damit 4000 Jahre älter als bisher angenommen. Er war auch mit Bienenwachs und nicht wie damals üblich mit Birkenpech in den Schaft geklebt. Diese Technik kennt man aus der Zeit nur aus Afrika. »Dass es damals schon Honigbienen in Europa gab, hat niemand gedacht«, sagt Rind.

Überstrahlt wird die regionale Archäologie letztlich aber doch von den Römern. Immer wieder finden die Forscher neue Spuren, »zuletzt in Olfen, im Lippetal, im Zentrum Bielefelds und jetzt vermutlich auch in Löhne-Gohfeld«, sagt der Landesarchäologe.

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