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Mi., 06.12.2017

Konrads Behinderung wurde schon vor der Geburt erkannt Schwerer Start ins Leben

Jutta und Dirk Mahlow aus Petershagen mit ihrem behinderten Sohn Konrad (9) und dessen Geschwistern (von links) Marie (19), Greta (16) und Philipp (25). Nicht mit auf dem Foto ist die 20 Jahre alte Tochter Laura.

Jutta und Dirk Mahlow aus Petershagen mit ihrem behinderten Sohn Konrad (9) und dessen Geschwistern (von links) Marie (19), Greta (16) und Philipp (25). Nicht mit auf dem Foto ist die 20 Jahre alte Tochter Laura. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Petershagen (WB). Lange bevor Konrad auf die Welt kam, ahnten seine Eltern, dass sein Leben nicht einfach werden würde. »Ärzte hatten uns gesagt, dass er das Down-Syndrom hat, und wir wussten um seinen Herzfehler«, sagt Jutta Mahlow (51) aus Petershagen.

Konrad liegt in seinem Zimmer auf dem Fußboden und spielt mit einer Rassel. Er ist neun Jahre alt, und seine Schwester Marie (19) sitzt neben ihm und passt auf. Konrad kann nicht laufen, nicht krabbeln, nicht robben. Er spricht nicht, er hört schlecht, und er sieht kaum. »Aber er ist unser Sonnenschein. Und er hat zu einem unglaublichen Zusammenhalt unserer Familie geführt«, sagt die Mutter.

Es war ein schwerer Start ins Leben. Im NRW-Herzzentrum Bad Oeynhausen standen Kinderherzchirurgen bereit, als Jutta Mahlow ihren Sohn am 2. Juni 2008 im benachbarten Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt brachte. »Konrad wurde sofort im Herzzentrum untersucht und musste schon am nächsten Tag operiert werden, weil die große Schlagader extrem verengt war«, sagt die Mutter.

205 Tage im Krankenhaus

Dabei blieb es nicht. Sein Vater Dirk Mahlow (56): »In seinem ersten Lebensjahr hat Konrad 205 Tage im Krankenhaus verbracht. 180 Tage lag er auf der Intensivstation, 90 Tage musste er beatmet werden, und drei Mal wurde er in dieser Zeit am Herzen operiert.« Unter anderem wurde dem Baby in einer zwölfstündigen Operation eine winzige künstliche Herzklappe eingesetzt, weil seine eigene nicht richtig funktionierte.

Magenblutungen, Lungenentzündungen, Wasser in der Lunge – Konrad schwebte an vielen Tagen zwischen Leben und Tod. »Mit dem Schlimmsten zu rechnen wurde für uns zum Alltag«, sagt die Mutter. Die Sorge um Konrad ließ seine Eltern und die Geschwister Greta, Marie, Laura und Philipp (sie waren bei seiner Geburt zwischen 8 und 17 Jahren alt) nicht mehr los – und sie war berechtigt. Um Blutgerinnsel, die von der künstlichen Herzklappe hätten verursacht werden können, zu verhindern, muss der Junge ständig ein Blutverdünnungsmittel nehmen.

Das löste im Alter von 14 Monaten eine Hirnblutung aus, die große Teile von Konrads Gehirn schädigte und beinahe tödlich war. »Es gab Tage, an denen ich Angst hatte, Konrad zum letzten Mal lebend zu sehen«, sagt Jutta Mahlow, die vor Konrads Geburt als Krankenschwester im NRW-Herzzentrum gearbeitet hatte.

Alle vier Stunden Schmerzmittel

Der nächste Schock war, dass Konrads linker Hüftknochen aus der Hüftpfanne rutschte. »Eine Komplikation, die viele Kinder mit Down-Syndrom haben«, sagt Dirk Mahlow. Der Knochen wurde zwar unter Narkose wieder richtig in der Hüftpfanne positioniert, und anschließend wurde die Hüfte eingegipst, um sie zu festigen, Doch das hielt bei Konrad nicht – auch nicht nach dem zweiten Versuch.

Eine Lösung wäre, die Hüfte zu operieren, aber das wagt bislang niemand. Jutta Mahlow: »Bei so einer OP müsste man Heparin zur Blutgerinnungshemmung geben, aber dagegen ist Konrad allergisch. Und das Alternativmedikament ist für Kinder nicht zugelassen.« Also bekommt der Junge seit einigen Wochen alle vier Stunden ein Schmerzmittel, damit er die Hüftschmerzen erträgt.

Neues Auto notwendig

Schmerzen, die besonders groß sind, wenn Konrad umgelagert wird. »Wenn wir zum Beispiel zum Arzt oder in die Stadt wollen, müssen wir ihn aus seinem Rollstuhl nehmen und in unseren alten Passat setzen. Das tut ihm dann ziemlich weh«, sagt Dirk Mahlow.

Die Familie möchte deshalb einen Ford Transit kaufen, in dem Konrad im Rollstuhl sitzenbleiben könnte und die übrigen Familienmitglieder auch noch Platz hätten. Die Anschaffung überfordert die Mahlows allerdings, zumal die Mutter seit einiger Zeit wegen Rheumas zu 100 Prozent erwerbsunfähig ist.

Konrads Bruder Philipp (25) hat deshalb mit zwei Freunden, die wie er in einer Werbeagentur arbeiten, auf Facebook die Seite »fuerkonrad« eingerichtet, auf der die Familie über ihren jüngsten Spross berichtet und um Spenden bittet. Auch die Andreas-Gärtner-Stiftung haben die Mahlows angeschrieben. »Wir hoffen auf Unterstützung«, sagt Jutta Mahlow. »Auch für Konrad wäre es das größte Weihnachtsgeschenk.«

Weihnachtsspendenaktion

Schon 2012 kam der Erlös der WESTFALEN-BLATT-Weihnachtsspendenaktion der Andreas-Gärtner-Stiftung zugute. Und auch in diesem Jahr bitten wir Sie um Ihre Unterstützung für diesen guten Zweck. Hermann Gärtner garantiert dafür, dass jeder Euro ohne jeden Abzug bei den Betroffenen ankommt.

Hermann Gärtner, dessen inzwischen verstorbener Sohn Andreas geistig behindert war, hatte 1993 die Andreas-Gärtner-Stiftung gegründet, die geistig Behinderte unterstützt.

Lesen Sie hier das Interview mit Hermann Gärtner und seiner Tochter Birgit Gärtner.

Spendenkonto

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Andreas-Gärtner-Stiftung

DE 72 4905 0101 0040 1379 45

Zweck: Weihnachtsspende

Für eine Spendenquittung vermerken Sie bitte Ihre Adresse auf dem Überweisungsträger. Die Namen der Spender werden veröffentlicht, die Höhe der Einzelspenden nicht. Soll Ihr Name nicht erscheinen, melden Sie sich bitte unter Tel. 0521/585254 oder spende@westfalen-blatt.de.

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