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So., 28.05.2017

Am Denkmal in Porta Westfalica werden seit einem Jahr 12,5 Millionen Euro verbaut Ein Café für den Kaiser

Baustelle am Berghang: Seit einem Jahr wird am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica gearbeitet. Jetzt werden die Konturen des neuen Sockelgeschosses langsam erkennbar.

Baustelle am Berghang: Seit einem Jahr wird am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica gearbeitet. Jetzt werden die Konturen des neuen Sockelgeschosses langsam erkennbar. Foto: Althoff

Von Christian Althoff

Porta Westfalica (WB). Keine Baustelle wie jede andere: Auf dem 294 Meter hohen östlichen Ende des Wiehengebirges wird seit einem Jahr der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals neu gestaltet – für 12,5 Millionen Euro.

Am 23. April 1946 sprengten Soldaten der britischen Rheinarmee den sogenannten Denkmalstollen – einen ausgebeuteten, 20 Meter hohen und 150 Meter langen Erzstollen unterhalb des Denkmals. Die Nazis hatten in den Stollen drei Stahlbetondecken eingezogen, um auf vier Geschossen Rüstungsgüter herzustellen. So wurden hier etwa 120 Zwangsarbeiterinnen zur Produktion von Kugellagern eingesetzt.

Die Sprengung vor 71 Jahren ließ zwar das auf dem Felsen des Berges gegründete Denkmal unbeschädigt, die große Aussichtsterrasse davor mit Blick auf die westfälische Pforte, die Porta Westfalica, wurde jedoch zum überwiegenden Teil zerstört und rutschte mit einem Teil des Berges ab. Damals wurde einfach der Zaun zurückgesetzt – und das blieb so.

Sanierugn 2013 beschlossen

2013 beschloss der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer des Denkmals die Sanierung der Terrasse, zumal die Reste der alten Stützmauern nicht mehr sicher waren. Gleichzeitig wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, um unmittelbar am Denkmal eine Gaststätte, ein Informationszentrum und Toiletten zu schaffen.

Den Wettbewerb gewann das Architektenbüro Peter Bastian aus Münster. Der Entwurf, mit dessen Umsetzung im Mai 2016 begonnen wurde, sieht ein Sockelgeschoss für das Denkmal vor. Dort wird die Mindener Gastronomen-Familie Rohlfing ein Restaurant führen, außerdem wird es hier ein Infozentrum geben. Besucher sollen durch 13 riesige Fenster und von einer vorgelagerten Terrasse aus den Blick in die norddeutsche Tiefebene genießen können. »Bei gutem Wetter sieht man mehr als 50 Kilometer weit«, sagt Matthias Gundler, Technischer Leiter der Westfälisch-Lippischen Vermögensverwaltungsgesellschaft, einer Tochter des LWL.

23.000 Kubikmeter Sand und Steine abgefahren

25 Mitarbeiter des Bad Oeynhausener Unternehmens Kögel-Bau arbeiten auf der engen Baustelle. Sie fuhren zunächst 23.000 Kubikmeter Sand, Steine und Felsen vom Fuße des Denkmals ab, um auf der so entstandenen Sohle das Betonfundament für den Neubau vor dem Denkmal zu gründen. »Wegen der besonderen Lage muss alles gut verankert werden«, sagt Matthias Gundler. Vorsichtig wurden mit Bohrern 32 Meter tiefe und 20 Zentimeter dicke Löcher in den Berg getrieben, und zwar senkrecht und schräg. In die Löcher wurden 62 Millimeter dicke Rundeisen gelegt, dann wurden die Hohlräume darum mit Beton vergossen. 270 dieser Stahlbetonanker sollen das Sockelgeschoss, das gerade entsteht, sicher mit dem Berg verbinden.

Das Sockelgeschoss entsteht aus Beton, der später mit Sandstein aus dem niedersächsischen Obernkirchen verkleidet wird. »Die Fassade, die man vom Tal aus sehen wird, besteht aus 1,20 mal 0,8 Meter großen und 25 Zentimeter dicken Sandsteinplatten«, sagt Matthias Gundler. Schon Bruno Schmitz, der Berliner Architekt des Denkmals, hätte 1892 am liebsten Oberkirchener Sandstein genommen, sagt Gundler. »Aber der war zu teuer, und so wurde es Porta-Sandstein.« Auch andere Sparmaßnahmen habe es damals gegeben: »Man sieht, dass einige Teile des Denkmals aus sorgfältig gesägten Sandsteinblöcken bestehen, während andere in der Art von Bruchsteinmauern preiswerter errichtet wurden.«

5,8 Millionen Euro Zuschuss vom Bund

Eine Expertenjury um den Bundestagsabgeordneten Christian Haase aus Höxter hatte das Projekt 2015 zur Förderung vorgeschlagen, und so bezuschusst der Bund die Arbeiten an dem Nationalmonument mit 5,8 Millionen Euro. Die restlichen Millionen will der Landschaftsverband in den kommenden Jahrzehnten durch die Verpachtung des Restaurants und andere Einnahmen von Touristen refinanzieren. Man hofft, die Besucherzahl, die derzeit bei 150.000 pro Jahr liegt, zu erhöhen. Deshalb entstehen 300 Meter vom Denkmal entfernt 176 Autoparkplätze, drei Busplätze, eine Picknickterrasse im Wald und Ladestationen für E-Autos und E-Bikes.

Mindestens 15.000 Menschen waren 1896 dabei, als Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Viktoria zur Einweihung des Denkmals kamen. So viele werden es nicht sein, wenn das »neue« Denkmal voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres eröffnet wird – auch wenn das Interesse schon jetzt sehr groß ist. Matthias Gundler: »Für die Silvesterparty 2018/2019 gibt es im Restaurant schon jetzt keinen freien Platz mehr.«

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