Sa., 30.12.2017

Günter Lange zieht seit 18 Jahren täglich die Uhr der Alten Schule Getmold auf Altes Schätzchen tickt im Turm

Seit mehr als 18 Jahren dreht Günter Lange die Kurbel der Turmuhr in der Alten Getmolder Dorfschule. Damit zieht er das 24-Stunden-Laufwerk des Uhrwerks aus dem Jahr 1863 auf. Vor etwa zwei Jahren wurde es überholt, damit es noch lange laufen kann.

Seit mehr als 18 Jahren dreht Günter Lange die Kurbel der Turmuhr in der Alten Getmolder Dorfschule. Damit zieht er das 24-Stunden-Laufwerk des Uhrwerks aus dem Jahr 1863 auf. Vor etwa zwei Jahren wurde es überholt, damit es noch lange laufen kann. Foto: Arndt Hoppe

Von Arndt Hoppe

Getmold(WB). Die Jahreswende rückt den Menschen den Lauf der Zeit in besonderer Weise ins Bewusstsein. Während moderne Digital- und Funkuhren allerorten die Uhrzeit in höchster Präzision anzeigen, tickt im Getmolder Schulturm noch ein altes Schätzchen aus dem Jahr 1863. Und dieses will täglich aufgezogen werden.

Dafür ist bereits seit dem Jahr 1999 Günter Lange zuständig, der diese Aufgabe seitdem für die Getmolder Dorfgemeinschaft Tag für Tag gewissenhaft ausführt. »Ich habe die Nachfolge meines Nachbarn Heinrich Bredebusch übernommen. Der hat sich davor jahrelang darum gekümmert«, erzählt Lange, dessen Bauernhof in direkter Nachbarschaft zur Alten Schule an der Getmolder Straße liegt. Der 63-Jährige Landwirt hat inzwischen eine Routine entwickelt, so dass er das Aufziehen eigentlich so gut wie nie vergisst: »Ich habe da so meinen Ablauf. Etwa um 8 Uhr morgens, wenn die Schweine versorgt sind, gehe ich rüber zur Turmuhr.«

Gewichte treiben Uhr- und Schlagwerk an

Der tägliche Gang führt über eine steile, schmale Treppe hinauf in den Glockenturm. Dort empfängt einen nur das gleichmäßige vernehmliche Ticken des Uhrwerks. »Angetrieben wird die Uhr von zwei Gewichten, die an langen Seilzügen befestigt sind. Es ist je ein Gewicht für das Geh- und eines für das Rechenschlagwerk«, erklärt Lange. Das eine ist für den Lauf der Zeiger zuständig und das andere dafür, dass die Glocke den Dorfbewohnern die Stunden schlägt, erläutert Lange, während der eines der Gewichte mit Hilfe einer Handkurbel hochzieht. »Spätestens wenn ich mittags die Uhr nicht schlagen höre, weiß ich, dass ich das Aufziehen vergessen habe«, sagt Günter Lange und lacht. »Aber das ist so gut wie nie vorgekommen.«

Wenn er mal Urlaub macht oder aus anderen Gründen nicht da ist, dann springt Langes Sohn Torsten in die Bresche und übernimmt die Aufgabe. »Irgendjemand muss ja bei uns auf dem landwirtschaftlichen Betrieb sowieso immer dasein.«

Uhr war schon im Fernsehen

Doch die ehrwürdige Uhr ist nicht seit ihrem Bau durchgehend gelaufen. Wie in der Dorf-Chronik von Wilhelm Koch aus dem Jahr 1998 nachzulesen ist, hatten Pastor, Amtmann, Vorsteher und Schulvorstände 1860 beschlossen, dass beim Bau der »Schulcapelle« eine kleine Turmuhr mit eingebaut werden sollte. Diese wurde 1863 von der Firma Korfhage aus Melle-Buer im Turm installiert. 1991 hatte ein Uhrmachermeister aus Melle-Buer sie rechtzeitig zur Einweihung der Schule als Dorfgemeinschaftshaus wieder in Gang gebracht. Davor hatte die Turmuhr lange Zeit gestanden, musste zerlegt und wieder aufgearbeitet werden.

Zu gewisser Berühmtheit war die Uhr mit ihrer Glocke 1999 gekommen, als das WDR-Fernsehen die Sendung »Dorfplatz Schlag 10« in Getmold drehte. An die Aufregung beim Besuch des Fernsehteams kann sich Günter Lange noch gut erinnern. Diese Glocke im Turm schlägt allerdings nicht nur zu den halben und vollen Stunde, erklärt der »Uhrenbeauftragte«. »Es gibt eine alte Tradition, nach der auch bei Todesfällen im Dorf geläutet wird«, sagt er. »Auch dazu dient diese Turmglocke.«

Getmold hat noch eine zweite Glocke

Getmold hat darüber hinaus auch eine zweite Glocke, die Dorf- und Feuerglocke. »Das Original stammt aus dem Jahr 1570 und steht heute im Feuerwehrmuseum in Schröttinghausen«, weiß Lange. Sie überstand die Jahrhunderte und hing über viele Jahre hinweg in einer mächtigen alten Eiche nahe dem Dorfplatz. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie zwar zum Einschmelzen abgenommen, fand sich aber später auf einem Fabrikgelände bei Hamburg unversehrt wieder. Seit 2011 hat ein Abguss des Originals seinen Platz in einem neuen Glockenstuhl gegenüber der Schule. »Diese neue Dorfglocke erklingt heute zu den erfreulichen Anlässen: jeden Samstag mit den Oldendorfer Kirchenglocken zum Einläuten des Sonntags und wenn ein Kind geboren wird«, erklärt Ortsheimatpfleger Heiner Große-Dunker.

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