Di., 27.02.2018

Ein-Frau-Musical über Dietrich Bonhoeffers Verlobte beeindruckt Publikum in Preußisch Oldendorf Eine große Liebe in Wort und Musik

Beeindruckendes Ein-Frau-Musical: Maria von Wedemeyer (Miriam Küllmer-Vogt) erzählt und singt von ihrem Verlobten, dem berühmten Theologen Dietrich Bonhoeffer.

Beeindruckendes Ein-Frau-Musical: Maria von Wedemeyer (Miriam Küllmer-Vogt) erzählt und singt von ihrem Verlobten, dem berühmten Theologen Dietrich Bonhoeffer. Foto: Silke Birkemeyer

Preußisch Oldendorf (WB/bir). Ein kleiner Tisch mit Teetassen und einer Kerze, ein altes Radio und eine Kassette mit Briefen und anderen Erinnerungsstücken – in dieser minimalistischen Szenerie hat Miriam Küllmer-Vogt die Geschichte einer großen Liebe im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf lebendig werden lassen.

In dem Ein-Frau-Musical »Bonhoeffers große Liebe« des Theaters Zauberwort verkörperte sie Maria von Wedemeyer, die Verlobte des Theologen und Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Fokussiert auf das Wesentliche erlebten die Zuschauer dank des Gesangs und der Erzählungen voller Witz und Leidenschaft zwei Stunden voller Tiefe und Musik. Das Stück erzählt die Geschichte eines Mannes, der fest in seinem Glauben stand und der in den letzten Tagen seines Lebens mit dem Lied »Von guten Mächten wunderbar geborgen« ein bewegendes Werk schuf. Das Musical spielt 1967 in Boston und erzählt den Lebensweg des Theologen aus Sicht der Maria von Wedemeyer, 20 Jahre nach der Hinrichtung ihres Verlobten. Die zweifach verheiratete, lebhafte Frau gibt einem imaginären Jesuitenpater ein Interview und erzählt von der ungewöhnlichen Beziehung, den Widerständen in der eigenen Familie, der Verlobung mit 18 Jahren und der schweren Zeit, aber auch von Stärke und Zuversicht. Ihre Erinnerungen adressiert sie direkt an das Publikum und nimmt es in ihrer Betroffenheit mit auf die Zeitreise.

Die eindrucksvolle Dramaturgie, die poetischen Liedtexte und die kraftvolle Stimme von Miriam Küllmer-Vogt zogen die etwa 100 Gäste von der ersten Minute an in den Bann. Ihre Bewunderung für den großen Theologen nahm es Maria ebenso ab wie die kindliche Verliebtheit. »Er war im tiefsten Inneren ein Egoist, ein Self-Seeker«, beschreibt sie die andere Seite Bonhoeffers und besingt sein Leben mit seinen Texten und Gedichten. Sehr einfühlsam zeigt sie ihre Hilflosigkeit, als sie die Zelle Nummer 92 mit Kreide in der Originalgröße von sechs Quadratmetern auf dem Bühnenboden nachzeichnet, eine Wolldecke als Ersatz für das Bett auslegt und so versucht, ihrem Geliebten nahe zu sein.

Die Darstellerin hat zusammen mit ihrem Mann Florian Vogt ein beeindruckendes Ein-Frau-Stück erschaffen, das von ihrer Spielstärke, der guten Auswahl von Texten und Liedern und der Nähe zum Publikum lebt. »Ich habe von allen nur Begeisterung gehört«, fasste Bernd Kammann die Resonanz zusammen. Der Vorsitzende der Stiftung zur Förderung der Kirchengemeinde Preußisch Oldendorf hatte das Ensemble mit Gernot Blume am Klavier eingeladen. Die Zuschauer hielt es beim Schlussapplaus nicht auf den Sitzen. Zum Dank gab es als Zugabe »The Rose« von Bette Midler.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5554085?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516040%2F